Monday, March 02, 2015

Kleine Lügen

Geht es nach den E5+1-Staaten, den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und Deutschland, wird die Islamische Republik in fünf, sechs, sieben Jahren nicht im Besitz von Kernwaffen sein, weiterhin Monate davor stehen, eine Bombe zu bauen. Saudi Barbarien und Ägypten werden ihre eigenen Bomben anstreben, wenn sie sie nicht schon haben, Israel ebenso.
Die islamistischen Gangs, die heute die Welt in Atem halten, werden womöglich noch immer ihr Unwesen treiben, manche als enge verbündete Handlanger des Mullah-Regimes potentiell Zugriff auf dessen angereichertes Material für schmutzige Bomben haben. Händeringend werden Diplomaten nach Lösungen für Konflikte suchen, die heute noch verhindert werden könnten.
Wer dann, in sieben oder acht Jahren, recherchiert, wie es dazu kam, daß ein israelischer Premierminister nach Washington reiste, vor amerikanischen Abgeordneten eine Rede hielt, die dort vielleicht beeindruckte, aber vor allem von der Regierung im Weißen Haus ignoriert wurde, wird in den Archiven als renommiert geltender Medien auf Meldungen stoßen, die exemplarisch so gehen:
“Der Besuch ist umstritten, weil die Republikanische Partei die Einladung nicht mit der US-Regierung abgestimmt hat.”
Und weil es so oder ähnlich auch anderswo stehen wird oder nachgehört werden können wird, werden Journalisten, Historiker oder auch nur Interessierte Geschichten verfassen, in denen sie möglicherweise unlautere Motive von Republikanern oder Benjamin Netanjahus Wahlkampf als Ursache dafür ausmachen, daß in einem wichtigen Moment der Weltgeschichte jene und nicht das Weiße Haus versagt haben.
Hätte, werden sie wohl fragen, verhindert werden können, was die Welt dann plagen wird, wenn “die Republikanische Partei” ihre “Einladung” Benjamin Netanjahus nur in Abstimmung mit der US-Regierung ausgesprochen hätte? Hätte der US-Präsident dann möglicherweise nicht den so folgenschweren Entschluß gefaßt, den Deal mit den Mullahs durchzusetzen?
Vielleicht – vielleicht kommt ja auch alles ganz anders. Fest steht aber bereits jetzt, daß die Geschichte des 21. Januar 2015, jenes Tages also, an dem Kongreß-Sprecher John Boehner seine Einladung nach Jerusalem schickte, wohl nie mehr so erzählt werden wird, wie sie sich tatsächlich zutrug. Ahnungslose Journaille sorgt heute dafür, daß morgen die Unwahrheit als Tatsache belegt werden kann.
Tatsächlich hat John Boehner nach eigener Auskunft das Weiße Haus vorab über sein Vorhaben unterrichtet, Benjamin Netanjahu in den Kongreß einzuladen. Gegenüber Botschafter Ron Dermer hatte er sogar ausdrücklich darauf bestanden, die Administration Barack Hussein Obamas zu informieren, wie er schreibt: “The Speaker made it clear that it was his prerogative to inform the White House.”
Und dann, “on the morning of January 21, after notifying the administration, the Speaker issued the invitation to the Prime Minister and announced it to the public.” Und John Boehner tat dies, wie der Blick auf sein Einladungsschreiben belegt, nicht für die Republikanische Partei, sondern “on behalf of the bipartisan leadership of the U.S. House of Representatives and the U.S. Senate”.
Der Politiker ahnte indes, wie das Weiße Haus auf die Einladung des israelischen Ministerpräsidenten reagieren würde, und wartete daher nicht auf dessen Genehmigung: “When it comes to the threat of Iran having a nuclear weapon, these are important messages that the Congress needs to here [sic!] and the American people need to hear. [..] I wanted to make sure that there was no interference.”
Und so müßte sie erzählt werden, die Geschichte des 21. Januar 2015, die in der Tat die eines Präsidenten ist, der das Bündnis mit einem islamistischen Regime und dessen internationale (Wieder-)Aufwertung dem mit der einzigen funktionierenden Demokratie im Nahen Osten vorzieht, der Widerspruch ignoriert oder, wo das nicht mehr geht, diffamiert, statt ihn mit Argumenten überzeugend zu widerlegen wenigstens versucht.
 tw24

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