Friday, June 27, 2014

Kritischer Journaillismus

        “Die Zitate aus Texten von Augstein, die das Simon-Wiesenthal-Zentrum als Belege einer angeblich antisemitischen Haltung des Autors anführt, spiegelten Kritik, aber keine Hetze wider, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.”
Jakob Augstein, prämierter Experte für Nahöstliches und daher leuchtendes Vorbild deutscher kritischer Journaille, muß einmal mehr kopfschüttelnd auf Israel herabblicken, dessen Regierung schon wieder kläglich versagt: “Drei Jugendliche verschwinden – und eine Regierung verliert jedes Maß.” Und auch um etwas, das Jakob Augstein “Recht” nennt, sorge Jerusalem sich nicht.
“Benjamin Netanjahu nutzt die Gelegenheit für eine Abrechnung mit der Hamas.”
In den Vereinigten Staaten gilt die Hamas ebenso wie in der Europäischen Union als terroristische Organisation. In Ägypten mußte der “palästinensische” Zweig der Ikhwan seine Büros schließen, Kairo wirft ihm vor, von Gaza aus die ganze Region zu destabilisieren. Man sollte daher meinen, es sei nichts auszusetzen an der Bekämpfung einer Organisation wie der Hamas.
Doch gegen eine Gang, die bloß Juden morden will und dabei auch über die Leichen von “Palästinensern” wie Arabern geht, hat, scheint’s, der Jakob Augstein nichts. Sucht, was freilich noch zu beweisen wäre, Benjamin Netanjahu als demokratisch legitimierter und kontrollierter Regierungschef die “Abrechnung mit der Hamas”, sorgt der kritische Journaillist sich um deren Fortbestand.
Die Regierung in Jerusalem, klagt Jakob Augstein, verleumde die Hamas, werfe sie ihr vor, an der Verschleppung dreier israelischer Jugendlicher vor zwei Wochen beteiligt zu sein. Es mache “für die Hamas in Wahrheit gar keinen Sinn”, durch eine Entführung “ausgerechnet jetzt die Regierung zu destabilisieren, in die sie gerade eingetreten ist”. Das sehen die Islamisten allerdings anders.
On a mission verloren sie vor wenigen Tagen sechs ihrer Edelsten “in the playground of death”. Die Jihadisten waren vermutlich nicht unterwegs, politische Plakate zu kleben, denn die explodieren in aller Regel nicht. “Many injured”, ergänzten die “palästinensischen” Maan News ihre kurze Meldung vom vorzeitigen Ende dieses terroristischen Unternehmens.
Einen Tag, bevor Jakob Augstein erklärt, was für die Hamas “Sinn macht” und was nicht, bestätigte die auf einer ihrer Websites, was ihr “politischer” Anführer Khaled Mashaal zuvor Al Jazeera verraten hatte: “Blessed are the hands of those who have kidnapped the three settlers”. Das war in der Tat kein Geständnis einer konkreten Tat, ausschließen aber wollte Khaled Mashaal auch nichts.
In jedem Fall allerdings sind seine Worte ein Bekenntnis dazu, nicht auf Entführungen israelischer Bürger verzichten zu wollen. Khaled Mashaal macht damit unmißverständlich klar, was er von einer “außenpolitischen Richtlinienkompetenz” Abu Mazens, der PLO oder einer “Einheitsregierung” hält: nicht viel. Was für Jakob Augstein “gar keinen Sinn macht”, es ist längst geschehen.
Doch wessen Angriffsziel Benjamin Netanjahu heißt oder Israel, der muß seinen Tunnelblick eben so lange schärfen, bis nichts mehr den eigenen Wahn stört. Kritischer Journaillismus, so wird er gemacht. Während Jakob Augstein die Hamas von jeglichem Verdacht freispricht, benannten die israelischen Sicherheitskräfte zwei Verdächtige: Mitglieder der Hamas.
Wahrlich, Jerusalem verliert jedes Maß. Es verfolgt Verbrecher.
 tw24

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