Sunday, January 25, 2015

Schweizer Kirchen-Chefs verteidigen Mohammed-Karikaturen

«Keine Grenzen für Humor – im Dienst der Redefreiheit», forderte Cabu. Der Karikaturist der französischen Satirezeitung «Charlie Hebdo» starb im Kugelhagel islamistischer Attentäter. Jetzt schaltet sich Bischof Charles Morerod, Präsident der Arbeitsgruppe Islam der Schweizer Bischofskonferenz, in die Debatte um die Mohammed-Karikaturen ein. Er verteidigt die Abbildungen des Propheten. «Eine Mohammed-Karikatur kann zwar verletzend sein – das trifft vor allem für jene zu, die sie wörtlich neh- men –, das rechtfertigt aber nicht, dass man zu den Waffen greift», sagt Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Das Attentat von Paris zeige, dass man mehr für das Verständnis anderer Kulturen tun müsse. «Man muss die Leute besser ausbilden, bei uns und überall. Dort, wo eine einseitige und oberflächliche Sicht auf andere Religionen herrscht, ist es einfacher, gewaltbereite Fanatiker zu finden», sagt er. «Es ist die Aufgabe jeder Religion, Fanatismus in den eigenen Reihen zu verhindern.» Witze machen über Religion ist auch für Urban Federer, Abt von Einsiedeln und Mitglied der Bischofskonferenz, kein Sakrileg. «Eine gute Karikatur weist auf Missstände hin und entlarvt sie. Davon sollen Religion und Kirche nicht ausgeschlossen bleiben», sagt Federer. Das gelte auch für christliche Würdenträger. «Bereits im 16. Jahrhundert hat der italienische Priester Philipp Neri der Kirche und dem Papst auf humorvolle Art den Spiegel vorgehalten und auf Missstände aufmerksam gemacht – er wurde heiliggesprochen!» Noch deutlicher verteidigt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) die Mohammed-Karikaturen. «In unserer Kultur ist Satire erlaubt», sagt SEK-Sprecherin Anne Durrer. «Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit gehören zu unseren Grundwerten, auch wenn gewisse Aussagen schmerzen können.» In demokratischen Gesellschaften würden sich Christen auch über die eigene Religion mokieren. «Die eigene Tradition kritisch und mit Humor zu widerspiegeln, ist im Christentum seit Jahrhunderten etabliert.» Derweil trieben die Mohammed-Karikaturen von «Charlie Hebdo» auch vergangene Woche Tausende Muslime auf die Strassen. In Afghanistan skandierte die aufgebrachte Menge: «Tod den Feinden des Islam.» In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad marschierten 15 000 Demonstranten an einem Protestzug mit – und riefen: «Köpft die Gotteslästerer.»
 sonntagszeitung.ch

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