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Sunday, September 24, 2017

Absage

Die britische Künstlerin Kate Tempest hat in dieser Woche ihr für Anfang Oktober geplantes Konzert an der Berliner Volksbühne abgesagt. Das Exklusiv-Konzert mit dem Berliner Chor der Kulturen sollte im Hangar 5 des ehemaligen Flughafens Tempelhof stattfinden und hatte im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt, denn Kate Tempest sympathisiert mit der antisemitischen BDS-Bewegung.
Die Rapperin hat vor zwei Jahren einen Aufruf von Artists for Palestine UK, der sich für einen Boykott Israels auf allen nur erdenklichen Ebenen einsetzt. Wie weit dieser Boykott gehen soll, hatte die BDS-Bewegung kurz zuvor demonstriert. Weil die israelische Botschaft sich an den Reisekosten eines Künstlers aus Israel beteiligte, sollte gleich ein ganzes Festival in Berlin boykottiert werden.
Was »Palästinenser« oder gar »Palästina« von solchen Aktionen haben, diese Frage hat sich Kate Tempest ganz offenbar nie gestellt. In ihrer Absage, die sie mit der Kritik an ihrer BDS-Unterstützung begründet, stilisiert sie sich nun jedenfalls als Opfer von »Drohungen«. Andere Quellen hingegen nennen eine Erklärung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin als Grund für die Absage.
Der SPD-Politiker Michael Müller hatte erklärt, die BDS-Bewegung arbeite mit »unerträgliche[n] Methoden aus der Nazizeit«, und angekündigt, »wir werden alles Mögliche tun, BDS Räume und Gelder für seine anti-israelische Hetze zu entziehen«. Wie Die Zeit auf ihrer Website schreibt, deutete Kate Tempests Management diese Ankündigung als einen »offiziellen Erlaß« und sagte ab.
Ist nun alles wieder gut? Wenn etwa Chris Dercon, der Intendant der Volksbühne, von einer »riesigen Enttäuschung« spricht – und damit nicht die Ansichten der Künstlerin meint –, zeigt das, wie sehr die BDS-Bewegung noch unterschätzt wird. Statt sich vom Antisemitismus zu distanzieren, bedauert Chris Dercon, daß Kate Tempest die ihr gebotene Bühne nun nicht mehr nutzen wolle.
Was der Volksbühne, die von Berlin finanziert wird, damit entgeht, deutet die Künstlerin derweil in einer weiteren Erklärung an: »Ich möchte klarstellen, dass ich über die Handlungen der israelischen Regierung gegen die palästinensische Bevölkerung entsetzt bin«. Eine interessante Aussage in Tagen, in denen die Regierung in Jerusalem sich mehr um »Palästinenser« sorgt als deren »Führung«.
 http://www.tw24.net/?p=13905

Tuesday, September 05, 2017

Volksmusik

Die Volksbühne Berlin ist, wie es auf ihrer Website heißt, »eine nichtrechtsfähige Anstalt des Landes Berlin«. In der neuen Spielstätte Hangar 5 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof soll am 6. Oktober Kate Tempest aufspielen, eine britische Aktivistin, Poetin, Autorin und Rapperin, die superlativ mal als »bedeutendst« gefeiert wird, mal als ganz besonders intelligent.
Lauscht man der Künstlerin, kommt allerdings schnell Langeweile auf: Die antiimperialistischen Phrasen werden zwar engagiert vorgetragen, an ihrer Banalität indes ändert das nichts. Von geringer Kreativität zeugt es auch, werden im Video Aufnahmen zusammengeschnitten von Menschen, die sich verzweifelt aus den brennenden Twin Towers stürzen und bei Waldarbeiten fallenden Bäumen.
Man mag über den Umgang der Menschheit mit der Umwelt nachdenken, ihn bildlich gleichzusetzen mit islamistischem Terrorismus, ist schlicht – geschmacklos. Und wo billige »gesellschsftskritische« Verschwörungstheorien gesponnen werden, ist Haß auf Israel nicht weit. 2015 setzte die Aktivistin ihre Unterschrift unter den Aufruf »Artists for Palestine«, der die BDS-Bewegung unterstützt.
Nicht so schlimm, meint nun allerdings die Volksbühne Berlin, 2015 sei doch lange her, Kate Tempest habe seither doch »keine weiteren Äußerungen zur Sache getätigt«. Schwamm drüber also, auch wenn die Künstlerin ihre Unterschrift nicht zurückgezogen, sich von dem gegen Juden gerichteten Appell nicht distanziert hat? Die Anstalt des Landes Berlin macht es sich doch sehr einfach.
 http://www.tw24.net/?p=13852