Hat ein Ditib-Funktionär den kritischen Islamwissenschaftler
Abdel-Hakim Ourghi quasi zum Abschuss freigegeben? Das vermutet Ourghi
selbst. Er hatte sich immer wieder kritisch über den Dachverband
türkisch-islamischer Moscheevereine in Deutschland geäußert. Nun
behauptet er: Der Koordinator der Ditib-Landesverbände Murat Kayman
wolle ihn mit einer gezielten Diffamierung in Lebensgefahr bringen.
Worum geht es? Kayman hatte den Islamwissenschaftler in einem Blogbeitrag
scharf attackiert. In einem Absatz äußerte er außerdem die Vermutung,
Ourghi könne Anhänger einer Sonderausrichtung des Islams sein, ein
sogenannter Ibadit. Die meisten Ibaditen leben auf der arabischen
Halbinsel, kleinere Gemeinden gibt es auch in Nordafrika. Es handelt
sich um eine Minderheit innerhalb des Islam, die Zahl der Ibaditen wird auf etwa zwei Millionen geschätzt.
Es
ist die Mutmaßung, dass er zu dieser Sondergemeinschaft gehören könnte,
die den Islamwissenschaftler Ourghi nun um sein Leben fürchten lässt.
„Die Problematik daran ist, dass Ibaditen von vielen Sunniten als
Abtrünnige betrachtet werden, die zu töten erlaubt sei“, sagt Ourghi zu
FOCUS Online. Nach eigener Auskunft ist Abdel-Hakim Ourghi kein Ibadit –
das hat der Ditib-Funktionär Kayman mittlerweile auch unter seinem
Blogbeitrag vermerkt.
Islamwissenschaftler
Ourghi geht jedoch davon aus, dass der Ditib-Funktionär ganz genau
wisse, dass es „auch in Deutschland radikale Muslime gibt, für die ein
Ibadit todeswürdig ist“. Das habe ihn aber nicht davon abgehalten,
Ourghi mit den Ibaditen in Verbindung zu bringen. Ourghis
Schlussfolgerung daraus: Die Intention des Ditib-Mannes sei, „zu meiner
Ermordung zu ermuntern“.
Der Blogbeitrag über ihn wirke nur für Uneingeweihte harmlos – aber praktisch sei er „eine Fatwa“, sagt Ourghi zu FOCUS Online.
No comments:
Post a Comment