Es war der Anfang der blutigen Terrorserie in Deutschland: Am 19. Juli hatte ein 17-jähriger Flüchtling in einem Regionalzug in der Nähe der bayrischen Stadt Würzburg fünf Menschen mit einer Axt und einem Messer schwer verletzt und wurde anschließend von Polizisten erschossen. Nun wurden neue Details bekannt. Wie die "Bild" am Freitag unter Berufung auf ungarische Behörden berichtete, hatte der Jugendliche bereits in Ungarn einen Asylantrag gestellt, wollte dort aber offensichtlich nicht bleiben. "Die Deutschen haben ihn einfach ungeprüft einreisen lassen", kritisierte ein Ministerialbeamter der ungarischen Regierung.Laut den ungarischen Asyl-Dokumenten, die der "Bild" zur Verfügung gestellt wurden, war der 17-Jährige, der sich bei den ungarischen Behörden als Afghane ausgab, am 25. Juni 2015 in Budapest als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling registriert worden.Laut Akten wiesen ihn die Beamten einem Kinderheim in der Ortschaft Fot unweit der Hauptstadt Budapest zu. Zuvor habe das ungarische Zuwanderungsamt dem Asylwerber Fingerabdrücke abgenommen und diese vorschriftsgemäß in die europäische Fingerabdruck-Datenbank eingespeist. Schon kurze Zeit später verließ der Minderjährige die Unterkunft. Als er fünf Tage später, am 30. Juni 2015, an der deutsch-österreichischen Grenze bei Passau auftauchte und als Flüchtling registriert wurde, wurden laut "Bild"-Informationen keine Fingerabdrücke genommen.Dadurch sahen die Beamten an der Grenze auch nicht, dass der Mann bereits in Ungarn einen Antrag gestellt hatte. "Wir haben jedenfalls alles nach Vorschrift erledigt und den Flüchtling in Obhut gegeben", sagte der Ministerial-Beamter der ungarischen Regierung. Nach den Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde die Identität des Mannes in Deutschland nie überprüft. Der Jugendliche, der offenbar auch Kontakte zur Terrormiliz IS pflegte, wurde nicht mal von Polizei oder Flüchtlingsbundesamt vernommen. In Ungarn wurde sein Akten Ende Juli 2015 offiziell geschlossen, "wegen Abwesenheit des Antragstellers". Also knapp ein Jahr vor dem Attentat.
Wie mehrere deutsche Medien berichteten, kostete das Asyl für den Axt-Attentäter rund 50.000 Euro . Darin ist aber freilich nur der Aufwand für die Unterbringung und Versorgung des 17-Jährigen enthalten, die Folgekosten durch den blutigen Anschlag in einem Regionalzug am vergangenen Montag sind derzeit noch nicht abschätzbar.Laut der Dublin-Verordnung hätte der Attentäter von Würzburg gar nicht erst nach Deutschland einreisen dürfen, weil er in einem anderen europäischen Land bereits einen Asylantrag gestellt hatte. Allerdings wurde "Dublin" mit der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr faktisch ausgesetzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann fordert nun, Flüchtlinge, die ohne Personaldokumente einreisen und ihre Identität nicht belegen können, an der Grenze festzuhalten und zu überprüfen.
krone.at
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