Die Tagesschau der ARD brachte am Sonntagabend um 20 Uhr ohne
aktuellen Aufhänger einen Bericht von Markus Rosch über die „Wassernot“,
unter der „viele Palästinenser“ leiden, wie Moderator Jan Hofer
verkündete. „Die Ressource ist knapp und wird von den Israelis streng
rationiert“, behauptet Hofer weiter. Das Wasser ist gewiss knapp, aber
von einer „Rationierung“ kann keine Rede sein!
„Verschärfend komme hinzu, dass Palästinenser keine Baugenehmigungen
für Brunnen erhielten, um sich selbst zu versorgen,“ setzt Hofer fort.
Selbstverständlich muss es Genehmigungen für das Bohren von Brunnen
geben. Genauso ist es in Deutschland und anderswo. Da kann nicht jeder
in seinem Hinterhof nach Gutdünken einen Brunnen bohren oder das Wasser
aus dem Rhein, der Elbe oder der Spree abpumpen. Denn sonst würde sehr
schnell das passieren, was im Gazastreifen kurz nach dem kompletten
Abzug der Israelis 2005 geschehen ist. Sowie die „scharfe Kontrolle“ der
Israelis weggefallen war, und die örtlichen Behörden der Palästinenser
sich um nichts mehr kümmerten, haben die Menschen nur ein paar Meter
tief in den Sand gebohrt, eine Pumpe angeschlossen und schon sprudelte
kostenfrei das Wasser ins Haus. Ohnehin war man im Gazastreifen (und
teilweise auch im Westjordanland) nicht „gewöhnt“, eine Wasser- (oder
Strom-) Rechnung zu zahlen. Das Dumme war, dass der hohe Spiegel des
Grundwassers in Gaza ganz schnell sank. Dann floss Salzwasser aus dem
Mittelmeer nach. Heute ist 95% des Süßwassers im Gazastreifen
ungenießbar. Das einzige Trinkwasser im Gazastreifen pumpt Israel
dorthin. Eine „Selbstversorgung“, wie Hofer sagt, indem man Brunnen
bohrt, muss in jedem Fall mit allen Beteiligten abgesprochen sein, weil
man sonst ganz schnell das Grundwasser unwiederbringlich zerstört und
dem Nachbarn das Wasser abgräbt.
Nun zur Reportage von Markus Rosch. Er berichtet über die Ortschaft Salfit, ohne mitzuteilen, wann er die Reportage gedreht hat.
Vor etwa 2 Wochen hat es (wegen schlechter Instandhaltung) einen
Rohrbruch bei einer Hauptleitung gegeben. Einige Tage lang war
tatsächlich in Salfit wie in Siedlungen, die alle über das gleiche Rohr
versorgt wurden, das Wasser knapp.
Rosch erwähnt nicht, dass es sich hierbei um Wasser handelt, das von
Israel in das Westjordanland gepumpt wird. Er sagt auch nicht, ob er
seine Reportage ausgerechnet während dieses Rohrbruchs gedreht hat. Die
emotionalen Darstellungen, des Mädchens, das sich nicht waschen könne,
der Vater mit den Wasserflaschen oder die entnervte Schwester, die nicht
einmal die Waschmaschine benutzen kann, bedürfen keines Kommentars.
Angemerkt sei nur, dass die sich gewiss keine Waschmaschine angeschafft
hätte, wenn die Wasserknappheit ein Dauerzustand wäre. Auch der feine
tröpfelnde Wasserhahn wirkt nicht so, als würde der nur im Winter nach
einem Regenfall benutzt werden.
Rosch schwenkt mit der Kamera in Richtung einer Siedlung und auf das
Schild nach Schiloh. O-Ton: „Doch während Siedlungen wie Schiloh, das in
der Nähe von Salfit liegt, viel Wasser bekommen, gehen palästinensische
Dörfer oft leer aus.“ Anstatt in der Siedlung mal nachzufragen oder mit
einem israelischen Hydrologen zu sprechen, bleibt es bei seiner
Behauptung, ohne jegliche Nachweise.
Im Gegenteil. Rosch trifft sich mit den deutschen Hydrologen Clemens Messerschmidt.
Über Messerschmidt sei hier erst einmal erwähnt, dass er Empfänge der
deutschen diplomatischen Vertretung in Ramallah grundsätzlich aus
ideologischen Gründen boykottiert. Er scheint also nicht in deutschen
Diensten zu stehen. Das verriet er im Dezember 2014, als es im ganzen
Nahen Osten schwere Unwetter mit Schnee in den Bergen und
Überschwemmungen in Tel Aviv gab. Selbstverständlich stand wegen der
Regengüsse auch der Gazastreifen unter Wasser. Was behauptete damals der
diplomierte Hydrologe aus Deutschland? Israel habe Staudämme geöffnet,
die es allein gebaut habe, um im Winter den Gazastreifen zu
überschwemmen – oder vielleicht besser ausgedrückt – wegzuschwemmen.
Tatsache ist, dass es diese von Messerschmidt behaupteten „Staudämme“
gar nicht gibt. Sie waren reine Erfindung. Messerschmidt tritt übrigens
auch im „Muslim-Markt“ auf, eine üble anti-israelische Plattform.
Messerschmidt hat sogar recht mit der Behauptung, dass das Bergland
im Westjordanland ziemlich regenreich sei. Doch verschweigt er, dass der
Regen die unterirdischen Grundwasser-Seen füllt und dass Wasser per
Schwerkraft immer nach unten fließt. Anders ausgedrückt: Der Regen fällt
im „palästinensischen“ Gebiet, fließt aber unterirdisch nach Westen in
Richtung Israel und nach Osten in Richtung Jordan und Totes Meer. Aus
Sicht Messerschmidts müssten die Israelis offenbar alles Wasser ihrer
Quellen ins Westjordanland pumpen, weil der Regen dort gefallen ist und
deshalb den Palästinensern gehöre. Auf Europa übertragen müssten alle
Anwohner des Rheins ihre Wasserrechnung an die Schweiz entrichten, weil
dort der Rhein entspringt.
Rosch verschweigt zudem, dass Israel heute etwa ein Drittel mehr
Wasser in die palästinensischen Gebiete pumpt, als in den Osloer
Verträgen festgelegt. Er verschweigt auch, dass etwa 40% des verfügbaren
Wassers bei den Palästinensern wegen maroder Infrastruktur verloren
geht. In Israel und in Europa sind 10% Wasserverlust „normal“.
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