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Sunday, March 05, 2017

Praxiswissen

Als sie beim Sender DRadio Wissen, der neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur zum Senderverbund Deutschlandradio gehört, mit einem Bericht über zwei Soldatinnen der israelischen Streitkräfte vorstellig wurde, erlebte die Frankfurter Journalistin Pola Sarah Nathusius eine nach ihrer Auskunft wenig kollegiale Behandlung durch Vertreter des in Köln ansässigen Senders.
Danach sollen bis zu vier Redakteure das Manuskript um »israelkritische« Passagen ergänzt, den aus Rußland und der Ukraine stammenden Protagonistinnen des Berichts nie getätigte Aussagen angedichtet haben. Schließlich soll Redakteurin Grit Kienzlen mitgemischt haben: »Sie wollte mir Formulierungen in den Mund legen, die antiisraelisch, antizionistisch und antisemitisch sind«.
Das sei alles falsch, erklärt dagegen Ralf Müller-Schmid, seit 2012 Programmleiter bei DRadio Wissen, Pola Sarah Nathusius’ Bericht sei nicht wegen seines Inhalts auf Vorbehalte bei dem Sender gestoßen, sondern »aus handwerklichen Gründen von der Redaktion abgelehnt« worden. Und: »Gegen anderslautende Aussagen behält sich Deutschlandradio rechtliche Schritte vor«.
So stehen nun zwei Erklärungen im Raum, die sich widersprechen, da die Manipulationsvorwürfe der Autorin, dort die mit einem Hinweis auf juristische Mittel garnierte Behauptung handwerklicher Mängel. Fällt es schwer, der einen oder der anderen Aussage den Vorzug zu geben, so läßt sich doch am Programm des Deutschlandradio prüfen, für welche handwerklichen Standards es steht.
So wurde exemplarisch im vergangenen Dezember in einer Sendung des DLF über die Arbeit von »Nichtregierungsorganisationen« in Israel behauptet, »alle NGOs, die mehr als die Hälfte ihres Budgets aus dem Ausland beziehen, müssen [..] bei öffentlichen Auftritten [..] einen Anstecker tragen, der darauf hinweist«. Ein entsprechendes Gesetz sei im Juli 2016 beschlossen worden.
Diese Darstellung ist falsch, es gibt eine solche Kennzeichnungspflicht nicht. Auf Nachfrage wurde auf einen Artikel der Zeit verwiesen: »Sollte meine Quelle [..] falsch gelegen haben, bedauere ich das«. Gegen die Forderung, für Sachaussagen mehr als einen Beleg nennen zu können, hatten die Verantwortlichen da schon verstoßen. Und dann war ihre einzige Quelle auch noch die falsche.
Geschehen Fehler und werden sie erkannt, so schreibt der Pressekodex das weitere Vorgehen vor: »Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen [..], die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.« Darauf haben bisher Die Zeit, aber eben auch das Deutschlandradio verzichtet.
Und so sieht es nun also aus, das Handwerk, das von dem Sender und mehreren Beteiligten nicht beanstandet wird: Unter Verzicht auf eine ausreichende Zahl von Belegen wird eine Falschaussage gesendet und bis heute verbreitet, statt sie zu berichtigen. Könnte es sein, daß Ralf Müller-Schmid nur die allerbesten Gründe hat, mit teuren rechtlichen Schritten für seine Darstellung zu werben?
 http://www.tw24.net/?p=13411

Monday, July 21, 2014

Skandal: Israelische Bürger ärgern sich über verleumderischen Journaillismus

Gideon Levy ist ein Journalist, der es mit manchem Kommentar geschafft hat, Menschen in Israel gegen sich aufzubringen. Das kann man, wie ein Blick in Kommentarspalten und Leserbriefe schnell zeigt, allerdings von beinahe jedem israelischen Journalisten behaupten. So sah sich etwa Ben-Dror Yemini kürzlich Verwünschungen ausgesetzt, die deren Verfassern mittlerweile hoffentlich peinlich sind.
“The author is TOTALLY credulous and frankly stupid. He believes murderous and crooks.”
“Is BD Yemini brain dead?”
Man muß die Überlegungen des so Beschimpften nicht teilen, um solche und üblere Angriffe abzulehnen. In einer diskussionsfreudigen Demokratie, die sich nicht zuletzt sogar dadurch auszeichnet, daß sie Abgeordnete erträgt, die offen mit Terroristen sympathisieren, die sich der Vernichtung Israels verpflichtet sehen, gehören wütende Worte zum Meinungsstreit, sind jedenfalls keine Seltenheit.
Doch während die Entrüstung über Ben-Dror Yemini keinen deutschen Journaillisten interessierte, ist das, trifft der shitstorm Gideon Levy, erstaunlicherweise anders: Dann vergißt sogar Bettina Marx, daß es “den Menschen in Gaza schlechter geht”, und “berichtet” aufgelöst und nahezu live vom Ende der Demokratie in Israel, die gerade sie doch noch nie besonders mochte.
“Wer gegen die Offensive im Gazastreifen ist, der hat es in den israelischen Medien derzeit schwer. In der Regel kann er höchstens einen einzigen Satz sagen, bevor er unterbrochen wird.”
Wer die “Berichterstattung” etwa des deutschen “Dokumentations- und Ereigniskanals” Phoenix von einer gemeinsamen Pressekonferenz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dessen Gast Frank-Walter Steinmeier in der vergangenen Woche kennt, muß schon hier sich wundern. Man kann in israelischen Medien wenigstens einen Satz “gegen die Offensive im Gaza-Streifen” sagen?
Während im Programm von Phoenix in der vergangenen Woche das Statement des deutschen Außenministerdarstellers beinahe drei Minuten lang gezeigt wurde, war jede Äußerung Benjamin Netanjahus aus dem Beitrag herausgeschnitten worden. Der israelische Premier durfte sich glücklich schätzen, überhaupt noch als stummer Statist gezeigt zu werden. Doch zurück zu Bettina Marx.
“Israel in diesen Tagen. Das ganze Land ist in Krisenstimmung. Die drei Fernsehkanäle, ein staatlicher und zwei private, senden rund um die Uhr. ‘Ein Staat unter Feuer’, so lautet die reißerische Schlagzeile.”
Die sollen sich nicht so haben, diese Juden. Wegen der paar “Kleinraketen” aus Gaza so einen Aufstand zu machen! Iron Dome fängt die doch sowieso ab, wo bleibt denn da das “Feuer”?
“Für viel Wirbel hat in den vergangenen Tagen Gideon Levy gesorgt. Er hatte in der Tageszeitung Haaretz einen Artikel geschrieben, in dem er die Piloten der Luftwaffe für ihre Einsätze über dem Gaza-Streifen kritisiert hat.”
Und dafür nun werde Gideon Levy unangemessen angegriffen. Dabei habe er doch bloß geschrieben, israelische Piloten würden denen nicht in die Augen sehen, die sie töteten. “Sie haben niemals das Weiße in den Augen ihres Feindes gesehen und das rote Blut ihrer Opfer aus der Nähe. Sie sind Helden, die die schwächsten und hilflosesten Menschen bekämpfen, Menschen, die keine Luftwaffe haben.”
Ja, das darf Gideon Levy schreiben und veröffentlichen, auch wenn es selbst für ihn wenig originell ist. Schon im Dezember 2008 warf er israelischen Piloten vor, “they did not, and could not, distinguish between a Hamas official and his children, between a traffic cop and a Qassam launch operator, between a weapons cache and a health clinic”, seien also letztlich nur besser bewaffnete Terroristen.
Doch so wenig er seine Vorwürfe 2008 belegen konnte, kann Gideon Levy es heute. Er verleumdet Menschen, die ihre Gesundheit und ihr Leben dafür riskieren, daß er ungestört seine Kommentare formulieren kann, als – Mörder, die gerade nicht Terroristen neutralisieren, sondern “die schwächsten und hilflosesten Menschen bekämpfen” würden. Das ist keine Nachdenklichkeit mehr, sondern Antisemitismus.
Denn natürlich weiß Gideon Levy, mit welchem antisemitischen Klischee er “spielt”. Er tut es vielleicht nicht so offen wie etwa das “amtliche” Tageblatt des Regimes in Ramallah, doch er tut es. Und es kann daher nicht überraschen, stimmt zwar Bettina Marx ihm zu, nicht jedoch weite Teile der israelischen Gesellschaft, die sich ja nicht unberechtigt “unter Feuer” fühlt.
“Levy was interviewed by Channel 2 following the public stir his piece had evoked, but the segment – airing live from a street corner in the southern city of Ashkelon, which has come under heavy rocket fire over the past week – was cut short after a passerby confronted Levy and obstructed the broadcast.”
Und das, meint nun Bettina Marx, sei doch einfach inakzeptabel. “Ich frage euch”, zitiert sie Gideon Levy zustimmend, “es gibt einen solchen starken und einheitlichen Chor in den Medien, warum stört euch eine einzige Stimme, ein bloßes Echo, das davon abweicht?” Weil es eine Stimme ist, die es mit der Wahrheit nicht so hat, dreist lügt, verleumdet und dämonisiert?
Für Gideon Levy ist es übrigens “Rassismus”, “that unlike in other conflicts where rape is used [as] a weapon, there is no case of Israeli soldiers raping Palestinian women”. Doch das, nun, das wird eine Bettina Marx nie berichten oder gar zum Anlaß nehmen, des Haaretz-Journaillisten Welt- und Menschenbild zu hinterfragen, für den Frauen offenbar erst dann Menschen sind, werden sie vergewaltigt.
tw24

Saturday, March 22, 2014

Der Weglasser

Gute Journalisten beachten bei ihrer Arbeit verschiedene publizistische Grundsätze, zu denen die “Achtung vor der Wahrheit” sicher nicht als letztes Gebot gehört. In seinem Pressekodex formuliert der Deutsche Presserat näher, was er sich darunter vorstellt:
“Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.”
Behauptet nun jemand, der gewiß einige Prominenz genießt, “ethnische Säuberungen”, einen zumindest versuchten Völkermord also, ist das durchaus eine Nachricht. Und so zitiert Christian Wagner Richard Falk im Staatsfunk durchaus korrekt:
“Es gibt mehr und mehr Siedler, und Jerusalem wird gezielt zu einer rein jüdischen Stadt gemacht.”
Richard Falk allerdings unterliegt keinem Wahrheitsgebot. Und das kann wissen, wer in Tel Aviv stationiert, in dessen Umgebung tätig ist und sogar noch anmerkt, “die israelische Regierung aber hat Falk immer wieder Einseitigkeit vorgeworfen”.
Doch genügt es, einfach zu erklären, die israelische Regierung widerspreche Richard Falk regelmäßig? Müßte der Journalist, sofern das möglich ist, nicht selbst den Wahrheitsgehalt der Aussage prüfen, die er immerhin aus eigenem Antrieb zitiert?
Christian Wagner jedenfalls unterläßt es. Und so erfährt sein Publikum nicht, daß die israelische Hauptstadt Jerusalem weit davon entfernt ist, “ethnisch gesäubert” und “zu einer rein jüdischen Stadt gemacht” zu werden.
1972 lebten in Jerusalem 313.800 Menschen, unter ihnen 83.500 Araber, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 26,6% entspricht. Elf Jahre später, 1983, lag der arabische Anteil an der auf 428.700 Menschen gewachsenen Bevölkerung bei 28,55%.
1995 lag der arabische Bevölkerungsanteil bei 30,1%, fünf weitere Jahre später, 2000, bei einer inzwischen auf 657.500 Menschen gewachsenen Gesamtbevölkerung bei 31,7 Prozent beziehungsweise 208.700 Menschen.
Und so ging es stetig weiter: 2002 lag der arabische Bevölkerungsanteil an der Einwohnerschaft Jerusalems bei 32,6%, 2003 bei 32,9%, 2004 bei 33,56%, 2005 bei 34%, 2006 bei 34,4%, 2007 bei 34,8%, 2008 bei 35,27% und 2009 bei 35,69%.
2015 wird Jerusalem nach Schätzungen 884.000 Einwohner haben, darunter 334.500 Araber (37,8%). 2020 sollen 958.900 Menschen in der israelischen Hauptstadt leben, 371.700 Araber werden dann einen Anteil von 38,76% an der Bevölkerung bilden.
Wie Jerusalem auf diese Weise jemals eine “rein jüdischen Stadt” werden soll, weiß nur Richard Falk, der scheidende Sondergesandte des “UN-Menschenrechtsrats” für die palästinensischen Gebiete. Und, vielleicht, Christian Wagner, der sich die eigene Recherche sparte.
Indem er ausgerechnet diese Behauptung Richard Falks auswählte, zitierte und ihren Wahrheitsgehalt gerade nicht hinterfragte, machte Christian Wagner sie sich zu eigen und desinformierte so sein Publikum, enthielt ihm die Wahrheit vor.
Christian Wagner ist eben bloß ein deutscher Staatsjournaillist.
tw24