von Ramiro Fulano
Verzeihen Sie mir den Sarkasmus, liebe Leserinnen und Leser, aber
anders werde ich aus der ruhigen Hand der Kanzlerin nicht schlau.
Natürlich ist Bundeskanzlerin sein dufte, solange man in seinem
Dienstflugzeug von einem Klimagipfel zum nächsten düst um Schnittchen zu
verzehren und Plattitüden von sich zu geben. Aber wenn man bzw. frau
seiner an sich überflüssigen Bevölkerung sagen muss, was sie gerne hören
möchte, dann ist wirklich Schluss mit lustig. Nicht wahr, Frau Dr.
Merkel?
Nun ist es so, dass der Mensch im Glauben lebt. Oder in der
Hoffnung. Das hat die symptomatische Folge, dass er/sie der offiziellen
Politik und ihren Akteuren solange vertraut, bis es wirklich nicht mehr
anders geht. Weil er sich zwar vorstellen kann, dass er vom politischen
Establishment nach Strich und Faden hinters Licht geführt (und für
dieses zweifelhafte Privileg auch noch per Steuer zur Kasse gebeten)
wird, das aber nicht glauben möchte, klammert er sich an den Status Quo,
obwohl er bereits mehrfach von der Realität eines Besseren belehrt
wurde. Das ist konservative Politik auf der Höhe des Zeitgeists.
Zum Glück hat auch Frau Dr. Merkel uns vor gut einer Woche wiederum
eines Besseren belehrt. Sie hat Schluss gemacht mit Glaube, Liebe,
Hoffnung und derlei kleinbürgerlich-reaktionären Grillen. Nicht schlecht
für eine realsozialistische Pfarrerstochter. Anlässlich ihrer Ansprache
an die Bundespressekonferenz stellte Frau Dr. Merkel fest, sie hätte
flüchtlingspolitisch alles total richtiggemacht und kündigte an, im
laufenden und kommenden Jahr noch mehr Menschen mit ihrer
Willkommenskultur zu bereichern. Macht der letzte verbleibende
Steuerzahler dann bitte das Licht aus, bevor er das Land verlässt?
Natürlich existiert Frau Dr. Merkel in einer hermetisch
abgeriegelten Blase, aber nicht im luftleeren Raum. So verstand sie
einzuräumen, dass Nichtregierungs-Organisationen wie ISIS ihre
Aktivisten in den Menschenstrom gemischt haben, der sich seit vielen
Monaten durch Süd- und Osteuropa ergießt. „Aktivisten“, von denen
selbstverständlich keiner „illegal“ ist – auch wenn er vielleicht etwas
Illegales macht. Nicht wahr, liebe „No-Borders“ Fanatiker? Und es ließ
sich ja schlechterdings auf Grund der Faktenlage nicht leugnen, dass
zumindest zwei der Attentäter des europäischen Blutsommers auf
ausdrückliche Einladung der deutschen Bundeskanzlerin in Deutschland
weilten, und dass drei der Bataclan-Attentäter zuvor auf der
West-Balkan-Route nach Paris unterwegs gewesen sind.
Doch belasten wir uns nicht mit Fakten. Wo gehobelt wird, fallen
Späne, und mit echt stalinistischem Optimismus krähte die Kanzlerin ihre
„Wir schaffen das“-Parole umso lauter in die Bundespressekonferenz.
Das war die Stelle, an der selbst die dümmste Journaille der Welt
aufgewacht ist, weil ihr dämmerte, dass irgendwas nicht stimmt. Denn
genau was schaffen wir uns gerade an, Frau Bundeskanzlerin, außer einem
Haufen höchst überflüssiger, teurer und gefährlicher Probleme? Aber die
deutsche Presse sprach am Hof der deutschen Bundeskanzlerin natürlich
nur hinter vorgehaltener Hand vom Todeswunsch der Angela M.; sie hat ja
keine Kinder, die die Folgen ihrer Politik eines Tages auslöffeln
müssen.
Das offizielle Presseecho auf Frau Dr. Merkels Auftritt fiel
dementsprechend nüchtern aus. Selbst bei den Claqueuren der
schwarz-rot-grünen Politik, bei Zeit, Spiegel und taz, wurde es auf
einmal still um die Bundeskanzlerin. Stattdessen plapperte Deutschlands
führender Sozialdemokrat in seiner Funktion als Vizekanzler umso
munterer daher und sagte jedem, was er gerne hören wollte: Dass man
straffällige Asylanten abschieben werde – NPD-Parolen jetzt auch von der
SPD?
Immerhin gelang es dem dicken Gaby, den Ball, den seine Vorgesetzte
fast ins Aus geschlagen hätte, auf der Linie zu retten. Das war
schwarzrotes Damentennis auf Weltniveau.
In jeder funktionierenden Demokratie der Welt wäre eine
Regierungs-Equipe wie diese längst in der Versenkung verschwunden. Aber
in Germany gehen die Uhren anders, liebes Ausland. Denn „wir schaffen
das“ heißt: Wir glauben mit idealistischem Inbrunst an den Endsieg bis
ein ganzes Land und ein halber Kontinent in Trümmern liegen. Dann lassen
wir uns von der internationalen Gemeinschaft befreien und alimentieren,
während wir uns über „Siegerjustiz“, „Materialismus“ und
„Coca-Cola-Imperialismus“ empören. Das haben wir beim letzten Mal auch
so gemacht - und es hat doch super funktioniert, oder etwa nicht?
„Weniger Wahn wagen“ wäre meine Empfehlung für Muttis neues
Deutschland. Doch mangels Alternative (hüstel) ist das leichter gesagt,
als getan. Natürlich ist es denkbar, dass die einzige verbliebene
Oppositionspartei bei Landtags- und Bundestagswahlen weiterhin zwischen
15 und 20% kassiert. Ebenso ist es denkbar, dass die EU (also die
Reinkarnation des Deutschen Zollvereins auf der Höhe des Zeitgeists)
sich im himmelblauen Meer des Rechtspopulismus auflöst. Doch was nützt
es, wenn ein politisches Genie wie die Bundesverteidigungsministerin
Ursel aus dem Ei live und in Farbe blitzschnell ausrechnen kann, dass
bei 15% für die AfD immer noch 85% aller Stimmen auf die Einheitsliste
der Nationalen Front (so hieß Team Schwarz-Rot-Grün in der DDR, liebe
Kinder) entfallen?
Nun ja. Wir wollen optimistisch bleiben und auch bei mir stirbt
erst zuletzt die Hoffnung. Denn nachdem die deutschen Ruderer sich
anlässlich der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro durch eine Kloake
unter freiem Himmel gerudert haben und zwei Wochen lang die
Goldmedaillen regneten, bis wegen nationalem Priapismus die
Urologie-Betten knapp wurden, wird der Todeswunsch der Angela M. längst
vergessen sein. Sodass man im Herbst in Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin ganz entspannt der „Bestätigung unserer Politik“ ins Auge sehen
kann. Nicht wahr, Frau von der Leyen?
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