von Ramiro Fulano
Kurz nach dem Touch-Down auf einem funktionierenden
Hauptstadtflughafen werden Frau Dr. Merkel lange Gesichter im
Konrad-Adenauer-Haus begrüßen. Horst Seehofer wird etwas rumpoltern und
sich in seinen politischen Ansichten und Forderungen bestätigt sehen
(wahrscheinlich zu recht). Julia Klöckner und Ursel aus dem Ei werden
versuchen, ihrer Mutti Mut zu machen („85% für unsere Politik“ etc.,
oder eben 80%). Und die Merkel-Männchen werden den Schwanz einklemmen
und sich fügen – was bleibt ihnen anderes übrig? Reine
Zeitverschwendung, diese Sitzung, wird Frau Dr. Merkel sich denken. „Ich
kann doch trotz ein paar renitent gewordener Eingeborener in Mac Pomm
ab 2017 wieder Kanzlerin werden, oder etwa nicht?“ Und Herr Caffier
bekommt einen Blumenstrauß, weil er seinen Job nicht verliert –
scheitern muss sich wieder lohnen, nicht wahr?
Als sich das Desaster für die CDU gestern Abend in seiner ganzen
Pracht entfaltete, sprang bereits in einer ersten Stellungnahme jemand
in Schwerin vor die laufenden Kameras und versuchte, die richtigen
Geräusche zu machen: bla bla Angst-Kampagne, bla bla Sorgen zerstreuen,
bla bla Mut machen. Lieber Herr Dingsbums von der CDU (Ihren Namen
konnte ich mir nicht merken): von therapeutischen Dienstleistungen lebt
eine ganze Branche und das ist nicht die Politik. Wenn Sie „Sorgen
zerstreuen“ und „Mut machen“ möchten, sollten Sie eine
Fortbildungsmaßnahme vom Arbeitsamt beantragen. Danach könnten Sie in
die Bachblüten-Therapie gehen oder eine Wellness-Oase eröffnen. Dort
können sie „Sorgen zerstreuen“ und „Mut machen“. Politik hingegen ist
die Kunst des Möglichen (oder auch Machbaren) und mein Anspruch an eine
politische Partei ist, dass sie konkrete Lösungen für Probleme
erarbeiten und umsetzen kann. Therapeutische Eingriffe in politische
Wahrnehmungen hingegen sollten das Aufgabengebiet des deutschen
Staatsfunks und der „Qualitätsmedien“ bleiben.
Während die CDU ihre Zukunft also dank freiwillig-unfreiwilliger
Handlungsunfähigkeit im Brainwashing sieht, wird bei der SPD bereits mit
der Spendenbüchse geklappert. Vize-Kanzler Siggi führte sich im
Willy-Brand-Gehäuse wie der Mops im Paletot auf (und sah auch aus,
braungebrutzelt nach sechs Wochen Sommerurlaub). Das dicke Gabi freute
sich über seine Drei vorm Komma (wie beim Abi von der IGS) und direkt
neben dem sozialdemokratischen Rollbraten präsentierte sich jener Teller
realsozialistischer Rohkost, der in Berlin demnächst zum Regierenden
Bürgermeister gewählt werden möchte (aber das tut jetzt nichts zur
Sache). Sigmar Gabriel reduzierte die Wahlanalyse schnell auf die
einzige und wichtigste politische Vokabel, die der deutschen
Sozialdemokratie seit Jahr und Tag zu jeder sich bietenden Gelegenheit
einfällt: „Sozial-Pakt!“.
Vom „Sozial-Pakt!“ – ein anderes Wort für Steuererhöhungen –
verspricht Herr Gabriel sich mehr Erfolg im Kampf gegen
„Rechtspopulismus!“. Denn siehe: Den Menschen geht es trotz hoher
Steuern und Sozialabgaben noch immer viel zu gut in diesem, unserem
Land. Bei den Berufstätigen bleibt immer noch viel zu viel zum Leben
übrig und diese Leute kommen auf dumme Gedanken! Dafür müssen sie
bestraft werden, nicht wahr, Herr Gabriel? Also: „Sozialpakt!“ –
zack-zack! Mehrwertsteuer 22%, Spitzensteuersatz 50%, Soli 10%. Das ist
Sozialdemokratie auf Höhe des Zeitgeists. Und erst wenn der dümmste
deutsche Sozialdemokrat kapiert, dass Vater Staat ihm nichts geben kann,
was er ihm nicht vorher weggenommen hat, wird sich daran etwas ändern.
Solange bleibt es beim „Sozialpakt!“, der Dummheit und Faulheit belohnt
und Fleiß und Intelligenz bestraft – mir freundlicher Empfehlung der
deutschen Sozis.
Bei den „Alternativen“ war die Stimmung super (natürlich nicht bei
den Grünen, die zusammen mit NPD und FDP da landeten, wo sie hingehören:
in der politischen Wüste). Aber was nützt es, solange die
sozialistische Einheitsmeinung die Hofberichterstattung bestimmt. Die
Gleichschaltung der Medienlandschaft ist inzwischen so absolut und
unausweichlich, dass nur noch in Nischen jener intellektuelle Wildwuchs
grassiert, der die Freiheit des Gedankens einmal definierte. Der Rest
ist politischer Safe-Space: ein Schonraum, den Vater Staat für Leute
organisiert, die auch im mittleren Alter noch wie Kinder behandelt
werden möchten. Dass aber Gesellschaften, in denen eine autoritär
durchgesetzte Einheitsmeinung regiert, nicht gerade zu den sozialen und
ökonomischen Erfolgsmodellen zählen, ist eine Einsicht, die es in
Germany noch immer recht schwer hat. Schließlich ist das individuelle
Denken in Germany keine Grundbedingung der Menschheit (wie etwa im
common-law) sondern nur ein Recht, dass der Staat seinen Untertanen
gönnerhaft einräumen und jederzeit entziehen kann. Für letzteres sorgen
Leute wie Annetta Kahane und Möchtegern-Diktator Maas.
In einer funktionierenden Demokratie ist die Stärke der Opposition
immer auch die Schwäche der Regierung. Doch mit dieser aufgeklärten und
liberalen Haltung tat sich die herrschende Kaste in Deutschland immer
schon schwer. Gerade die uffjeklärten und linksalternativen Milieus
versprechen sich am meisten von autoritären Auftritten auf dem freien
Markt der Ansichten und Meinungen. Kein Wunder, denn selbstverständlich
haben diese selbsternannten „politischen“ (sprich: wahnhaften) Eliten am
meisten zu verlieren. Denn wenn die Fakten sich ändern, ändern
vernünftige Leute in der Regel auch ihre Meinung. Was nun den Erfolg der
AfD garantiert hat, war sicherlich die Ansicht, dass wir unsere Welt
nicht „nur von den ‚Refugees‘ geliehen“ haben, sondern dass das Leben
immer noch jedem selbst gehört.
Wenn auch Ihre Existenz davon abhinge, die einzige verbleibende
Oppositions-Partei zu verteufeln, lächerlich zu machen und durch den
Kakao zu ziehen, dann würden Sie das doch tun, liebe Leserinnen und
Leser - oder etwa nicht? Ich denke, man muss Rücksicht nehmen auf die
Watte, die die meisten linksalternativen Riesenbabys und autoritären
Staats-Drohnen im Kopf haben. In den tätlichen Angriffen der geradezu
orwellianisch benannten „Anti“-Faschisten (z.B. auf Professor Meuthen
während des niedersächsischen Kommunalwahlkampfes in Hittfeld) offenbart
sich der herrschende Zeitgeist in seiner ganzen Brisanz: Wenn man den
Umgang mit politisch Andersdenkenden betrachtet, den gerade die deutsche
Linke pflegt, muss man sich schon fragen, ob nationaler und
internationaler Sozialismus nicht doch zwei Backen vom selben Arsch
sind.
PS: Die Links-Partei war auch angetreten, spielt aber irgendwie keine Rolle mehr.
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