Wednesday, April 22, 2009

Rassismus

"Einst galt der eidgenössische Leitsatz: Mischt euch nicht in fremde Händel ein. Neutralität hiess die kluge Strategie, sich nie an Konflikten Dritter zu beteiligen, aber auch im Frieden auf Distanz zu bleiben gegenüber andern Mächten. Das gab der Schweiz Freiräume in den Aussenbeziehungen, aber auch Respekt. Gerade weil sie sich draussen hielt, war die Schweiz gefragt als Vermittlerin zwischen den Fronten. Die oft zitierten guten Dienste waren immer auch das Resultat einer anspruchsvoll interpretierten Neutralitätspolitik, die den Politikern Diskretion und den Mut zum Abseitsstehen abverlangte.
Dieses anspruchsvolle Denken hat sich in den Amtsperioden der Bundesräte Cotti und Calmy-Rey weitgehend verflüchtigt. Unter dem Label «aktive Neutralität» soll die Schweiz kamerasüchtig auf der Weltbühne inszeniert werden. Der neue Aktivismus schadete der Glaubwürdigkeit massiv. Unberechenbarkeit kam auf. Den völkerrechtswidrigen Angriff auf das Kosovo begrüsste der Bundesrat, der völkerrechtswidrige Angriff auf den Irak wurde einhellig verdammt. Warum? Unbedarfte Nahostinitiativen verstimmten Israel und die USA. Auf einmal gab die Berner Kollegialbehörde Kommentare und moralische Zensuren zum Weltgeschehen ab. Der Moralismus fällt auf die Schweiz zurück. Wer global den Gutmenschen spielen will, darf seine Diplomaten nicht im Saal sitzen lassen, wenn ein Holocaust-Verneiner gegen Israel vom Leder zieht."
Roger Köppel, weltwoche Ausgabe 17/09
Der ganze Kommentar