Saturday, April 06, 2013

Scharia-Banking entpuppt sich als Flop

Vor einigen Jahren galten so genannte islamische Finanzprodukte noch als grosser Zukunftsmarkt im Finanzsektor. Die Banken versprachen sich grosse Zuflüsse von Neugeld von muslimischen Kunden, die ihr Geld nach den Regeln des islamischen Rechts anlegen wollen. Um mit den Grundsätzen des Islam vereinbar zu sein, müssen Finanzprodukte strenge Regeln einhalten, die von islamischen Gelehrten festgelegt und überprüft werden. Die wohl einschneidendste davon: Banken dürfen weder Zinsen verlangen noch bezahlen. Um Investoren dennoch für ihr Risiko entschädigen zu können, wurden im Laufe der Zeit Instrumente entwickelt, die das Zinsverbot umgehen. Bei einem so genannten Murabaha beispielsweise kauft die Bank einen Sachwert für einen bestimmten Betrag ein und verkauft diesen mit einem Gewinnzuschlag weiter an den Kunden. Dieser zahlt den Betrag plus Gewinnzuschlag über die gesamte Laufzeit in Raten zurück. «Vom Effekt her entspricht das einem Zins», sagt Philipp Wackerbeck vom Beratungsunternehmen Booz & Company. Darüber hinaus sind auch die Investmentmöglichkeiten eingeschränkt. So darf ein Scharia-konformer Fonds nicht in Aktien von Bierbrauereien oder Waffenherstellern investieren. Auch konventionelle Banken sind - da sie Zinsen verlangen - als Anlageziel tabu. Ebenfalls verboten sind beispielsweise Leerverkäufe und Optionen. Zudem dürfen Unternehmen, in die investiert wird, nicht zu stark verschuldet sein. Aufgrund dieser Eigenschaften hat das islamische Finanzwesen den Ruf, weniger risikobehaftet zu sein als das westliche. Das sei jedoch ein Mythos, findet Stefan Leins, Spezialist für islamische Finanzprodukte. «Dass die islamische Finanzwirtschaft krisensicherer ist, stimmt so nicht», sagt er. Die vermeintlich strengen Regeln hinderten islamische Banken nicht daran, genauso risikoreich zu handeln wie Institute in Zürich oder New York. (sda) Auch Schweizer Banken sprangen auf den fahrenden Zug auf. Sowohl die UBS als auch die Credit Suisse legten Fonds auf, die das Geld der Kunden ausschliesslich in Scharia-konforme Investments anlegten. Inzwischen haben die Grossbanken diese Fonds wieder geschlossen. Die Euphorie rund um islamische Finanzprodukte ist verflogen. Nach einem Boom nach der Jahrtausendwende schwächte sich das Wachstum des Marktes ab. Und viele westliche Institute verloren das Interesse am orientalischen Bankwesen. Auch die meisten Schweizer Banken betreiben das islamische Bankgeschäft nur noch auf Sparflamme. Interessierten Kunden bieten sie entsprechende Produkte zwar an, kaufen diese aber meist bei externen Anbietern ein. Man sehe sich als Nischenanbieter im Markt, teilt die CS auf Anfrage mit. Bei der Konkurrentin UBS tönt es ähnlich.
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