Die galligen Urteile über die AfD lesen sich wie die Kommentare über die Grünen in den 1980er Jahren: chaotisch, widersprüchlich, gefährlich. Doch die grünen Fundamentalisten von einst sind zu einer Minderheit geschrumpft. Die Realos haben die Partei zu einem Machtfaktor geformt, der weit über die eigene Wählerschaft von rund zehn Prozent hinausreicht. Von der Kultur bis zu den Kirchen, von Gewerkschaften bis zur Wirtschaft, von Verbänden bis zu den Medien: Sie allesamt sind mittlerweile von grünem Denken durchdrungen. Ideologisch gesehen ist Deutschland heute Grün-Land.
Nicht wenige Bürger empfinden diese Übermacht als erdrückend. Sie fühlen sich bevormundet vom öko-sozialen Mainstream. Dessen moralischer Hochmut macht sie regelrecht wütend, weil die eigenen Positionen, die in der Vor-Merkel-CDU noch angesehen waren, heute wahlweise als spießig, rassistisch oder gar rechtsradikal diffamiert werden. Die AfD gibt diesen bislang schweigenden Wutbürgern nun eine Stimme. Und es sind eben nicht die abgehängten Modernisierungsverlierer, wie oft abfällig behauptet wird. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat nun genau das Gegenteil analysiert: Die AfD ist die Partei der Besserverdienenden und Gutgebildeten. Viele Selbstständige sind darunter, die unter Bürokratie und Steuerdruck leiden. Auch auffallend viele Arbeiter sind von der SPD zu den Nationalkonservativen übergelaufen. Derweil die Subventionsempfänger aus dem Kultur- oder Erziehungsbereich vornehmlich grün wählen.
cicero
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