Sunday, May 15, 2016

Der Wutjournalismus der Leitmedien

Darauf mag zurückzuführen sein, was der auch hier veröffentlichende Heribert Seifert in der NZZ als “Wutjournalismus der Leitmedien” seziert: Dieser Wutjournalismus erklärt  “Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden. Eine rhetorische Hau-drauf-Mentalität gegen den Feind von rechts gilt nicht nur in Kreisen von habituellen Krawall-Kolumnisten, wie sie der ‘Spiegel’ beschäftigt, als Gebot der Stunde. So überraschte der Berliner ‘Tagesspiegel’ seine Leser mit einem Beitrag, in dem er den Prügelmeuten der sogenannten Antifa ausdrücklich dankte, weil sie mit ihren Gewaltaktionen den politischen Gruppen, die sie zu Nazis erklären, die Wahrnehmung von Rede- und Demonstrationsfreiheit nach Kräften unmöglich machen.” Seifert führt viele Belege an, wie in selbsternannten Qualitätsmedien Teile ihrer Leserschaft als “Hetzer”, “Mob”, “Pack”, aber auch “Idioten” und “Dumpfbacken” beschimpfen und den “gesamte Kommunikationsraum, der sich in Opposition zum linksliberal-grünen Justemilieu zu etablieren beginnt, zu einer Zone des Bösen erklärt, die unter Quarantäne zu stellen ist”. Das linke Londoner Wochenblatt New Statesman sieht in der deutschen Lust, abweichende Meinungen aus dem öffentlichen Diskurs auszuschliessen, ohne sich argumentativ mit ihnen auseinanderzusetzen, das Merkmal eines sehr “eingeschränkten und elitären” politischen Systems, in dem das Verhältnis zwischen Repräsentanten und Repräsentierten gestört sei.
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