Obwohl immer Staaten ihre Grenzen schließen und die Zahl der Flüchtlinge begrenzen wollen, ist der nächste große Flüchtlingsansturm Richtung Europa nur eine Frage der Zeit. Zentausende Syrer sind aufgrund der Kämpfe in Aleppo bereits auf dem Weg zur türkischen Grenze. Der französische Syrien- Experte warnt Fabrice Balanche: "Wenn die Tendenz anhält, flüchtet heuer noch eine Million Syrer nach Europa." Unter ihnen könnten sich auch Rebellen, die bisher gegen das Assad- Regime kämpften, mischen.Der zu erwartende neue Flüchtlingsstrom hätte drei Hauptgründe. "Allein von den Kämpfen um Aleppo sind zwei Millionen Menschen betroffen. Hinzu kommen noch viele aus anderen Städten, wo sich die Wirtschaftslage stetig verschlechtert. Und auch den Familiennachzug darf man nicht vergessen", sagte Balanche in einem Interview mit dem "Spiegel".
Bereits Anfang Jänner warnte der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller vor neuen Fluchtbewegungen nach Deutschland und Europa: "Erst ein Zehntel der in Syrien und im Irak ausgelösten Fluchtwelle ist bei uns angekommen." Laut EU- Grenzschutzbehörde Frontex kamen im Vorjahr 500.000 Syrer nach Europa, heuer sollen es demnach doppelt so viele sein. Wie Europa neue Flüchtlingsströme beschränken könnte? "Es wird notwendig sein, den Familiennachzug sowie die Sozialleistungen zu beschränken, obwohl Ersteres ein im europäischen Recht verankertes Menschenrecht ist. Wenn dies aber nicht geschieht, werden die Wanderungsbewegungen anhalten, aber das ist auf Dauer nicht haltbar", sagte Balanche. Keinen Sinn hätten ihm zufolge europäische Geldflüsse Richtung Syriens Nachbarländer. "Deren Lebensbedingungen sind so viel schlechter als jene in Europa. Zudem werden mit der Familienzusammenführung ohnehin Tausende kommen. Migration ist eine Familienstrategie."
Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Grenze zu Syrien schloss, solle die Syrer nicht an der Flucht hindern. "Erdogan macht das aus strategischen Gründen, er will mehr Geld von der EU. Aber er wird die Grenze nicht ewig geschlossen halten können. Außerdem gibt es immer andere Wege, um reinzukommen."
krone.at
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