Wednesday, September 14, 2016

Michel Houellebecq: Der Mann ist ja gar kein Linker!

In seinem Buch erzählt Bowd von einem Abendessen in Houellebecqs Pariser Wohnung vom Januar 2013. Meeresfrüchte, Lammragout, Absinth und Côtes du Rhône werden in großen Mengen vertilgt; Houellebecq, von seiner Frau Marie-Pierre Gauthier getrennt, genießt die Begleitung einer jungen Literaturstudentin. Die Stellungnahmen des Autors, wie Bowd sie notiert hat, sind radikal: „Ich werde ein Interview geben, in dem ich zum Bürgerkrieg aufrufe, um den Islam in Frankreich zu vernichten. Ich werde dazu aufrufen, Marine Le Pen zu wählen!“ Bowd fährt fort: „Inès widerspricht dieser politisch inkorrekten Parteinahme, die offenbar noch weitere Pariser Intellektuelle betrifft, die einst links standen: Renaud Camus oder Robert Ménard... Michel antwortet sogleich: ‚Der Front National ist keine rechtsextreme Partei. Er ist nicht Drumont. Er ist nicht Daudet...‘ ‚Aber alle deine Freunde sind linke Bobos, die Mélenchon wählen. Mit solchen Äußerungen wirst du nie den Nobelpreis bekommen!‘“Bowd nimmt Houellebecqs Tirade als Ausgangspunkt seines Buchs und fragt sich, wie es kommen konnte, dass Intellektuelle mit einst kommunistischen Affinitäten sich jetzt dem Front National annähern.
 faz.net

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