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Saturday, December 03, 2016

Echoraum Deutschland

War es angemessen, deutscher Nahost-Berichterstattung recht pauschalierend ein Versagen vor der Wirklichkeit zu bescheinigen oder kam da etwas zum Vorschein, das Joachim Gauck, der Deutschen amtierendes Staatsoberhaupt, kürzlich »Medienverachtung« nannte, »maßlose Wut« und »Hass auf die Medien«, die ihn, den Demokraten, erschreckten? Es ist – leider – nichts zurückzunehmen.
Was die, deren Ruf Joachim Gauck gegen »Kommunikationsflüchtlinge« und »Medienverächter« verteidigen zu müssen glaubt, aus und über Israel berichten, dem ist kaum zu trauen. Gewiß, wenn Die Zeit sich einmal irrt und Hinweise, die sie über einen Fehler aufklären, ignoriert, kann das vielleicht irgendwie zum Mißverständnis erklärt werden. Was aber, irren andere in gleicher Sache?
Behauptete und behauptet die Wochenzeitung auf ihrer Website über das im Sommer beschlossene israelische Transparenzgesetz, es zwinge Vertreter von NGO, »bei Besuchen im Parlament spezielle Plaketten [zu] tragen«, ist das zunächst ihre Sache. Stimmt aber Monate später der Kölner Deutschlandfunk in die Klage ein, für die es nie Grund gab, was sagt das über die Medien aus?
Tatsächlich erklärte die israelische Justizministerin Ayelet Shaked vor der Beratung des von ihr vorgelegten Gesetzentwurfs in der Knesset, »Abzeichen sind nicht Bestandteil des Gesetzes«. Und nach dem Beschluß des Gesetzes bestätigte Haaretz, »das Verfassungs-Komitee des Parlaments hat einen Verschlag zurückgewiesen, der spezielle Namensschilder für NGO-Vertreter vorsah«.
Doch am 2. Dezember sind sie wieder da, die »speziellen Plaketten«: In einer vom Deutschlandfunk ausgestrahlten Sendung von Dominik Müller heißt es, »alle NGOs, die mehr als die Hälfte ihres Budgets aus dem Ausland beziehen, müssen das in ihren Publikationen und bei öffentlichen Auftritten kundtun und einen Anstecker tragen, der darauf hinweist«. Wie kommt der Autor drauf?
Und wie kommt der Sender, repräsentiert durch Redakteurin Birgit Morgenrath, dazu, den Unsinn auszustrahlen? Fakt ist, es gibt keine für NGO-Vertreter geltende Abzeichenpflicht, deren wohl prominentester Gegner übrigens Premier Benjamin Netanjahu war. Doch angesehene deutsche Medien schaffen es einfach nicht, das zur Kenntnis zu nehmen, sich gegenseitig zu kontrollieren.
»Wenn Fakten eine immer geringere Rolle spielen, gefährdet das die Demokratie«, meint der deutsche Bundespräsident. Und wer wollte ihm widersprechen, ihm, der weiß, was »›Lügenpresse‹ [..] bedeutet«? »Ich habe es erlebt, jahrzehntelang, in der DDR.« Und im Netz mit seinen schlimmen »Echoräumen«. Doch gibt es solche Räume und Mechanismen außerhalb wirklich nicht?
 http://www.tw24.net/

Tuesday, January 06, 2015

Propagandaagentur dpa

Den hellen Köpfen der dpa sind Formulierungen zu verdanken wie “im palästinensischen Ostjerusalem“, während deren Kollegen bei der Deutschen Welle ihre Kompetenz zuletzt etwa mit der Behauptung unter Beweis stellten, “militante Palästinenser“ hätten in der Nacht vom 19. zum 20. Dezember “erstmals“ seit dem vorläufigen Ende des Krieges im Sommer Israel mit Raketen angegriffen.
Nachdem er öffentlich auf seine Unfähigkeit, bis 3 zählen zu können, hingewiesen wurde, änderte der Heimatsender Bettina Marx’ klammheimlich seinen Beitrag, während die “Nachrichtenagentur” vermutlich noch immer fest davon überzeugt ist, ein Zutrittsverbot für Juden in Teilen der israelischen Hauptstadt Jerusalem sei doch keiner Problematisierung wert. Jetzt folgte diesen Glanzleistungen die wohl einfach unausweichliche Anerkennung:
“Das Auswärtige Amt und die Deutsche Welle haben sich darauf verständigt, einen neuen multimedialen Fremdsprachendienst einzurichten, um die internationale Berichterstattung über Deutschland im Ausland zu fördern. Die Nachrichtenagentur dpa wird hierzu Inhalte beisteuern, das Auswärtige Amt fördert das Projekt finanziell.”
Der Herr Außenministerdarsteller gab aus gegebenem Anlaß wohlfeile Belanglosigkeiten von sich, die in der bahnbrechenden Erkenntnis gipfelten, “damit eine Nachricht ihren Empfänger erreicht, muss sie nicht nur über ein Medium gesendet werden, das die Zielgruppe erreicht – sie muss auch in einer Sprache verfasst sein, die verstanden wird und aktuelle Informationen enthalten, die interessieren.”
Daß eine Nachricht vor allem wahr sein sollte, scheint dem spendablen Chef des Auswärtigen Amts entgangen zu sein. “Der neue Dienst”, betont er lieber, werde eine Chance bieten, “das Deutschlandbild im Ausland positiv zu prägen”. Womit die Katze den Sack verlassen hat: Nicht um Nachrichten geht es bei Deutscher Welle und fortan der dpa, sondern um Propaganda für Deutschland.
 tw24

Saturday, January 03, 2015

Konkens Beste 2014

Am 1. März 2009 berichtete für die Frankfurter Allgemeine Zeitung deren Hans-Christian Rößler über den Ausgang einer Mission John Kerrys, der damals noch als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im amerikanischen Senat versuchte, als reisender Diplomat nahöstliche Probleme zu lösen. In diesem Fall war John Kerry erfolgreich:
“Nudeln und Ketchup standen bisher nicht auf der Liste der Nahrungsmittel, die Israel in den Gazastreifen lässt. Doch dann beschwerte sich John Kerry bei der israelischen Regierung.”
Und die erhörte den Senator und stellte den Mißstand ab: “Jetzt gibt es auch wieder Spaghetti in Gaza”. Damit hätte diese Geschichte schon beendet sein können, wäre da nicht ein Auftritt des für die ARD in Tel Aviv tätigen Richard C. Schneider mehrere Montate später. Am 31. Mai 2010 klagte er vor laufender Kamera:
“Aber es ist schon so, daß sehr vieles nicht nach Gaza hineinkommt. Und daß es manchmal schon sehr schwierige Dinge sind, die man kaum verstehen kann, warum man zum Beispiel Spaghetti nicht hineinläßt. Was das für ein Sicherheitsrisiko ist, ist nicht wirklich klar.”
Gleichzeitig beschwerte sich der Journalist, der offensichtlich nicht up to date war, darüber, von den IDF mit Informationen nachgerade bombardiert zu werden. Die demonstrativ zur Schau gestellte Unlust, Fakten wahrzunehmen, dazu zählen eben auch langweilige Zahlen über Warenlieferungen nach Gaza, ließ Richard C. Schneider eine Unwahrheit behaupten.
Ein Einzelfall? Gewiß nicht. Verteidigte Anfang 2013 Michael Konken als Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) die Nahost-Berichterstattung deutscher Journalisten, diese sei “kritisch” und “eine[r] besondere[n] Verantwortung [..] aufgrund des Holocaust” verpflichtet, waren auch im vergangenen Jahr die Voreingenommenheiten nicht selten.
Oder waren es Unachtsamkeiten? Im Juni behauptete die tagesschau auf ihrer Website, “Israel baut weitere Siedlungen”, obgleich, wie es im so überschriebenen Beitrag richtig hieß, die israelische Regierung bloß über den Ausbau bestehender Wohngebiete nachdachte. Drei Wochen lang überlegte sich ein Verantwortlicher eine kurze E-Mail:
“Sie haben recht: Es sollten weitere Wohnungen in bestehenden Siedlungen gebaut werden. Das haben auch unsere Quellen so gemeldet, der Fehler lag bei uns.”
Die falsche Überschrift wurde im beanstandeten Artikel geändert, auf der zugehörigen Diskussionsseite tut sie gleichwohl noch immer und wohl für alle Ewigkeit ihre Wirkung. Seit ihrer Formulierung unverändert blieb auch eine Überschrift bei SPIEGEL online: “Israel erwidert trotz neuer Waffenruhe Beschuss aus Gaza”.
Was möchte ihr Autor wohl mitteilen? Daß Waffenruhe ist, selbst wenn die Hamas mit Raketen schießt? Oder schießen die Islamisten nur in Notwehr zurück? Die deutsche Website des Wall Street Journal jedenfalls ist sich seit Ende Oktober sicher, “Israel schürt neue Gewalt mit Siedlungsplan”. Sind Wohnungspläne gefährlicher als Raketen?
Immerhin in einem Fall indes zeigten deutsche Journalisten 2014 einen gewissen Anstand. Nachdem sie teilweise auf ihn hereingefallen waren, distanzierten sie sich erfreulich schnell und deutlich von ihrem “Kollegen” Martin Lejeune, dessen zweifelhafte Aussagen in der Behauptung gipfelten, die Hamas habe “Kollaborateure” doch “sehr sozial” hingerichtet.
Es wäre allerdings falsch, von diesen Fall auf einen allgemeinen Trend einer Besserung zu schließen. Beim Deutschlandfunk etwa durfte am 15. Dezember ein “Stringer” auftreten, der als besonders glaubwürdige Quelle vorgestellt wurde, obgleich er doch nicht verbarg, wem seine Sympathien gelten, und krude Thesen vorstellte, die zumindest Anlaß hätten sein müssen für Nachfragen.
Selbsternannte Verteidiger eines “Abendlands”, das für sie wohl spätestens an den Grenzen Sachsens endet, klagen über eine “Lügenpresse”, über “Lügenmedien”. Die gibt es nicht. Auch nicht mit Blick auf ihre nicht eben selten seltsame Israel-Berichterstattung. Eine weiterhin gewagte Behauptung bleibt es jedoch, Medienschaffenden eine “besondere Verantwortung” zu bescheinigen.
 tw24

Tuesday, June 17, 2014

‘Der Kern des Problems’

Mit einer Studie, war kürzlich zu lesen, will das deutsche Innenministerium Ursachen dafür finden, daß beinahe die Hälfte repräsentativ befragter Deutscher der Meinung war, Israel führe einen “Vernichtungskrieg” gegen “Palästinenser”. Man könnte ersatzweise auch deutsche Staats-Medien einschalten, käme dabei aber wohl zu schnell und billig zu beschämenden Erkenntnissen.
tagesschau.de2014.06.05
Unachtsamkeit oder Absicht: Aus“housing units” werden Siedlungen”

Was dort “Nahost-Experten” und “-Journalisten” veranstalten, ist schwer erträglich. Erträgt man das Geschwätz, das im günstigen Fall von Ahnungslosigkeit geprägt ist oder im schlimmeren von Vorsatz, muß man keine Studie mehr abwarten: Wer einzig von Gestalten wie Marcell Pott oder Christian Sievers “informiert” wird, der muß antisemitische Vorurteile entwickeln.
Da wird nach der Entführung dreier israelischer Jugendlicher durch – wahrscheinlich – Hamas-Gangster vom deutschen Staatsradio der Botschafter des jüdischen Staats, der dieses Verbrechen und Raketenbeschuß nicht einfach hinnehmen will, mit der Frage empfangen: “Führen Sie Krieg?” Und im Staatsfernsehen bestätigen die Journaillisten den “Experten”, was diese jenen erzählen.
Sagt der Marcel Pott, “nun ja, hier geht es ja nicht um Israel [..], diese drei Religionsschüler leben ja in einer Siedlung auf arabischen Land, und das ist der Kern des Problems”, weiß auch der Christian Sievers seinen Beitrag mit den Worten einzuleiten, “hier, neben einer Siedlung auf besetztem Palästinensergebiet, wurden die Jugendlichen zuletzt gesehen, drei jüdische Religionsschüler”.
Die Botschaft solcher Worte ist unüberhörbar: Auf “Palästinensergebiet”, auf “arabischem Land” haben Juden nichts zu suchen. Und halten sie sich dennoch dort auf, nun, dann müssen sie eben damit rechnen, verschleppt oder gar ermordet zu werden, sie, diese Fremden. Daß der Staatsjournaillist damit eine rassistische Position vertritt, fällt dem “Experten” nicht auf, es ist ja die seine.
Dabei war die Gegend des Geschehens, Gush Etzion, in den letzten neun Jahrzehnten nur zwei, von 1948 bis 1967, judenrein – als Folge eines Massakers, das arabische Bevölkerung und Truppen der Arabischen Legion am 13. Mai 1948 an den dort lebenden Juden verübten. 20 Jahre später begannen Kinder der Vertriebenen und Ermordeten, Kfar Etzion als Gush Etzion wiederaufzubauen.
“Israelis return to village overrun 20 years ago”, schrieb die New York Times am 28. September 1967. Und dazu hatten sie jedes Recht, wie etwa Benny Morris’ 1948: A History of the First Arab-Israeli War bestätigt: “Though the land had been purchased from the Arabs, the locals saw the settlers as aliens and invaders.” Kann es also überhaupt um “arabisches Land” gehen?
Oder geht es – damals wie heute – nicht schlicht um arabischen Antisemitismus, den die Deutschen so vehement beschweigen, um ihre Voreingenommenheit nicht thematisieren zu müssen? Wer “palästinensischen” Terrorismus damit rechtfertigt, dessen Opfer seien als “Siedler” doch selbst für das verantwortlich, was ihnen geschehe, der muß sich jedenfalls nicht wundern, kommt das beim Zuhörer oder -schauer so an.
tw24