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Wednesday, December 03, 2014

Friedenshindernis Demokratie

Israel steht vor Neuwahlen, was deutsche Staatsmedien in helle Aufregung versetzt. Die demokratische Abwahl oder Bestätigung von Parteien und Politikern ist ihnen höchstverdächtig. Christian Sievers, einst selbst in Tel Aviv und Umgebung für das ZDF unterwegs, stellte in der heute-Sendung vom Dienstag einer Nicola Albrecht die entscheidende und naheliegendste Frage:
“Das heißt ja jetzt wohl Neuwahlen, Wahlkampf und eher kleine oder keine Schritte in Sachen Frieden. Oder kann jetzt gerade Bewegung in die gesamte verfahrene Situation kommen?”
Was will Christian Sievers mit dieser Fragestellung andeuten? Gefährden demokratische Wahlen einen Frieden, den es freilich gar nicht gibt? Stünde ohne Neuwahlen in Israel ein großes Abkommen mit den “Palästinensern”, die derzeit darüber streiten, ob das Mandat ihrer vor sechs Monaten inthronisierten “Einheitsregierung” abgelaufen ist oder nicht, unmittelbar bevor?
Nein. Natürlich nicht, erklärt Nicola Albrecht ihrem Kollegen. Denn Premier Benjamin Netanjahu habe “es” ja ohnehin nicht “vorangebracht”. Vielmehr hätte er am Dienstag gerade Tzipi Livni gefeuert, weil die “sich immer für Friedensverhandlungen eingesetzt” habe. “Deshalb war sie ihm wohl auch ein Dorn im Auge”. Woher Nicola Albrecht das weiß, verrät sie nicht.
War es nicht Benjamin Netanjahu höchstselbst, der seine nun ehemalige Justizministerin Tzipi Livni einst zur Chefunterhändlerin für die Gespräche mit den “Palästinensern” ernannt hatte? Aber was kümmern schon Fakten, wenn “wir vermuten” dürfen, “stark” sogar? Und so orakelt Nicola Albrecht in einer ihr eigenen Sprache schließlich munter drauflos:
“[W]ir vermuten sehr stark, daß eine neue Regierung möglicherweise noch konservativer sein wird als die jetzige schon ist, und das bedeutet in der großen Gemengelage, daß wir uns in den Friedensgesprächen noch weiter in der Zukunft vom Verhandlungstisch entfernen werden als wir es ohnehin schon sind.”
Ob dieser Aussichten bleibt auch Christian Sievers nur noch, kopfschüttelnd festzustellen, “also eher keine guten Aussichten auf Frieden in Nahost, Nicola, herzlichen Dank.” Demokratie, soll das wohl heißen, ist nicht gut im und für den “Nahen Osten”, ein echtes “Friedenshindernis”. Zu seinem großen Glück haben Christian Sievers, Nicola Albrecht und wie sie sonst noch heißen mögen überhaupt nichts gegen Israel.
 tw24

Wednesday, September 10, 2014

Blühende Phantasie

Auf dem Planeten ZDF muß der Wechsel eines Ansagers aus einer Nachrichtensendung, dem heute-Journal, in eine andere ein Großereignis sein. Noch am Sonntag erschienen jedenfalls bunte Anzeigen, die Christian Sievers als neuen Moderator der heute-Nachrichten ankündigten:
“Berlin. Naher Osten. heute-Studio. Er ist immer da, wo Wichtiges passiert.”
“Berlin, Naher Osten, heute-Studio” – wie klein doch die Welt, in der “Wichtiges” geschieht. Aber in der Tat, Christian Sievers war bis August 2014 neben seiner Tätigkeit beim heute-Journal Leiter des ZDF-Studios in Tel Aviv, als der er manches Abenteuer erleben durfte:
“Nach dem Besuch des Emirs von Katar am Dienstag hatten Hamas-Führer die einzige Grenze nach Israel dicht gemacht. Die Konsequenz: Zahlreiche internationale Journalisten – darunter auch ein ZDF-Team um Korrespondent Christian Sievers – sind im Gaza-Streifen eingeschlossen.”
An den Vorurteilen des Staatsjournalisten gegenüber Israel änderten die dabei gemachten Erfahrungen freilich nichts. Ein anschaubarer wie anschaulicher Beleg dafür ist einer seiner letzten “Berichte” aus dem Nahen Osten, der sich großer Beliebtheit unter notorisch faktenallergischen “Israelkritikern” erfreut.
Darin stellt Christian Sievers die Bahauptung auf, die israelische Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu habe durch das gezielte Verschweigen von Informationen nach der Verschleppung dreier israelischer Jugendlicher durch Hamas-Terroristen ein Klima geschaffen, in dem jede Kritik verstumme.
“Es ist eine Situation, in der das Handeln der eigenen Regierung von kaum noch jemandem hinterfragt wird.”
Als Beispiele für unterdrückte Informationen nennt der Mann, der “immer da” ist, “wo Wichtiges passiert”, das Auffinden eines Autowracks und den aufgezeichneten Notruf der Verschleppten. “Was die Menschen hier nicht ahnen: Israels Sicherheitsbehörden wissen längst mehr.”
Und genau dieses Wissen hätten Behörden und Regierung verschwiegen. Dumm nur, daß diese Behauptung Christian Sievers’, ohne die seine ganze schöne “Enthüllung” nicht funktioniert, falsch ist. Schon wenige Stunden nach dem Verschwinden der Jugendlichen schrieb die Jerusalem Post:
“A torched car that was found alongside a highway in the vicinity of the search. Investigators towed away the car and will begin examining the remains in an effort to determine whether there is any connection to the missing students search.”
Daß die Jerusalem Post nicht allein war mit dieser Meldung, bestätigt ein Blick auf die “palästinensische” Website Donia Al-Watan, die Israel gewiß nicht wohlgesonnen ist. Doch selbst sie berichtet am 13. Juni, das israelische Fernsehen habe Bilder gesendet, die ein aufgefundenes Fahrzeugwrack zeigten.
War diese “verschwiegene” Information also bereits am ersten Tag nach der Verschleppung der drei Jugendlichen alles andere als ein Geheimnis, wurde am 15. Juni gemeldet, “one of the boys kidnapped Thursday evening [..] called the police yelling ‘We’ve been kidnapped.'” Und hinzugefügt wurde:
“The information was cleared for publication on Sunday – two days after searches began for 16-year-olds Gil-Ad Shaer and Naftali Frenkel, and 19-year-old Eyal Yifrach.”
So sieht sie also aus, die wahre Geschichte hinter Christian Sievers’ “Enthüllung”. Und so arbeitet der Mann, der seit Montag Nachrichten verkünden soll. Qualitätsjournaillismus mady in Germany.

tw24

Tuesday, June 17, 2014

‘Der Kern des Problems’

Mit einer Studie, war kürzlich zu lesen, will das deutsche Innenministerium Ursachen dafür finden, daß beinahe die Hälfte repräsentativ befragter Deutscher der Meinung war, Israel führe einen “Vernichtungskrieg” gegen “Palästinenser”. Man könnte ersatzweise auch deutsche Staats-Medien einschalten, käme dabei aber wohl zu schnell und billig zu beschämenden Erkenntnissen.
tagesschau.de2014.06.05
Unachtsamkeit oder Absicht: Aus“housing units” werden Siedlungen”

Was dort “Nahost-Experten” und “-Journalisten” veranstalten, ist schwer erträglich. Erträgt man das Geschwätz, das im günstigen Fall von Ahnungslosigkeit geprägt ist oder im schlimmeren von Vorsatz, muß man keine Studie mehr abwarten: Wer einzig von Gestalten wie Marcell Pott oder Christian Sievers “informiert” wird, der muß antisemitische Vorurteile entwickeln.
Da wird nach der Entführung dreier israelischer Jugendlicher durch – wahrscheinlich – Hamas-Gangster vom deutschen Staatsradio der Botschafter des jüdischen Staats, der dieses Verbrechen und Raketenbeschuß nicht einfach hinnehmen will, mit der Frage empfangen: “Führen Sie Krieg?” Und im Staatsfernsehen bestätigen die Journaillisten den “Experten”, was diese jenen erzählen.
Sagt der Marcel Pott, “nun ja, hier geht es ja nicht um Israel [..], diese drei Religionsschüler leben ja in einer Siedlung auf arabischen Land, und das ist der Kern des Problems”, weiß auch der Christian Sievers seinen Beitrag mit den Worten einzuleiten, “hier, neben einer Siedlung auf besetztem Palästinensergebiet, wurden die Jugendlichen zuletzt gesehen, drei jüdische Religionsschüler”.
Die Botschaft solcher Worte ist unüberhörbar: Auf “Palästinensergebiet”, auf “arabischem Land” haben Juden nichts zu suchen. Und halten sie sich dennoch dort auf, nun, dann müssen sie eben damit rechnen, verschleppt oder gar ermordet zu werden, sie, diese Fremden. Daß der Staatsjournaillist damit eine rassistische Position vertritt, fällt dem “Experten” nicht auf, es ist ja die seine.
Dabei war die Gegend des Geschehens, Gush Etzion, in den letzten neun Jahrzehnten nur zwei, von 1948 bis 1967, judenrein – als Folge eines Massakers, das arabische Bevölkerung und Truppen der Arabischen Legion am 13. Mai 1948 an den dort lebenden Juden verübten. 20 Jahre später begannen Kinder der Vertriebenen und Ermordeten, Kfar Etzion als Gush Etzion wiederaufzubauen.
“Israelis return to village overrun 20 years ago”, schrieb die New York Times am 28. September 1967. Und dazu hatten sie jedes Recht, wie etwa Benny Morris’ 1948: A History of the First Arab-Israeli War bestätigt: “Though the land had been purchased from the Arabs, the locals saw the settlers as aliens and invaders.” Kann es also überhaupt um “arabisches Land” gehen?
Oder geht es – damals wie heute – nicht schlicht um arabischen Antisemitismus, den die Deutschen so vehement beschweigen, um ihre Voreingenommenheit nicht thematisieren zu müssen? Wer “palästinensischen” Terrorismus damit rechtfertigt, dessen Opfer seien als “Siedler” doch selbst für das verantwortlich, was ihnen geschehe, der muß sich jedenfalls nicht wundern, kommt das beim Zuhörer oder -schauer so an.
tw24