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Monday, June 04, 2018

Beste Freunde

Kurz vor dem Treffen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sind sich deutsche Regierung, Opposition und Staatsfernsehen einig: Was gut ist für den Staat der Juden, das wissen die Deutschen besser als dessen Souverän. Ob es um das Atomprogramm der Mullahs in Teheran geht, die »Siedlungen« oder Gaza – Berlin wähnt sich allwissend.
»Das Iran-Atomabkommen«, erklärte exemplarisch Stefan Liebich, »Außenexperte« der Fraktion der Partei Die Linke im Bundestag, auf Zuruf dem Sender Phoenix, »dient aus unserer Sicht der Sicherheit Israels«. Und auf die Nachfrage, weshalb Jerusalem das denn nicht begreifen wolle: »Israel ist nicht Unterzeichnerstaat«, hat deshalb also auch nichts zu sagen. Herrenmenschen unter sich.
Und weil man sich einig ist, darf auch der Ansager Florian Bauer sich ärgern: »Diese Siedlungsbauten, die immer weiter vorangeschritten sind in den letzten Jahren, obwohl Deutschland immer wieder gesagt hat, das widerspricht einer Lösung hinsichtlich einer Zwei-Staaten-Lösung, das ist doch im Endeffekt nichts anderes als ein Affront gegenüber den deutschen Vermittlungsbemühungen«.
Das stimme, bestätigt Stefan Liebich und setzt noch eins drauf: »Hier macht die israelische Regierung deutlich [..], daß sie sich für die Meinung aus Europa nicht interessiert«. Und es fällt beiden, Ansager und Politiker, nicht einmal auf, daß ja auch ihnen die Ansichten Jerusalems gleichgültig sind. Wer wissen will, weshalb es zwischen Berlin und J’lem nicht klappt, schaue deutsches TV.
https://www.tw24.net/?p=2914

Friday, June 10, 2016

Kritischer Journaillismus (Folge 1607): Präzisionsarbeit





Am 30. Juli 1980 verabschiedete die Knesset das Jerusalemgesetz und erklärte damit Jerusalem zur ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels, nachdem 13 Jahre zuvor im Sechs-Tage-Krieg die seit 1948 andauernde Besetzung von Teilen der Stadt durch jordanische Truppen beendet werden konnte. 37 Jahre nach der Entscheidung des israelischen Parlaments macht die ARD sie rückgängig:
»Ein bißchen Normalität statt ständiger Angst vorm nächsten Anschlag – darum hatten sich viele Israelis in den vergangenen Wochen bemüht, in denen die Messerattacken von Palästinensern abgeflaut waren. Gerade in der Hauptstadt Tel Aviv, dem Symbol des normalen Lebens, wie sie der Bürgermeister auch heute nennt.«
Zu einer Schießerei gehören mehrere aufeinander schießend an ihr Beteiligte. Eröffnen Bewaffnete das Feuer auf Unbewaffnete, ist das, da die Angegriffenen gar nicht zurückschießen können, keine Schießerei, sondern etwa ein Feuerüberfall, ein Attentat oder eben ein Anschlag. Es sei denn, so seriöse Angebote wie tagesthemen oder tagesschau.de beschäftigen sich mit dem Verbrechen:
»Nachdem es relativ lange eher ruhig [!] war in Israel, hat sich das heute abend geändert. In Tel Aviv kam es zu einer Schießerei
Während seine Fatah die »Operation von Tel Aviv« zu einer nur allzu verständlichen »natürlichen Antwort auf die Verbrechen der Besatzung«erklärte, ließ »Palästinenserpräsident« Abu Mazen als Nachricht verbreiten, er habe oft genug erklärt, »gegen Zivilisten gerichtete Gewalt« abzulehnen. Daß Tel Aviv in der amtlichen Mitteilung wohl bewußt ausgelassen wird, wen kümmert’s nicht?
phoenix_20160609

Wednesday, October 21, 2015

Kritischer Journaillismus (Folge 1491): Dicker! Höher! Baltes!

Für einige Stunden glaubte am vergangenen Sonntag die israelische Polizei, mit der Aufstellung insgesamt sechs mobiler Betonwände zwischen Jebl Mukaber und Armon Hanatziv jüdische Bewohner der israelischen Hauptstadt Jerusalem besser andauernden Angriffen »palästinensischer« Terroristen schützen zu können. Die kaum zehn Meter lange »Mauer« wird nicht verlängert.
Noch in der Nacht zum Montag nämlich diskutierte das Sicherheitskabinett von Premier Benjamin Netanjahu über Sinn oder Unsinn dieser Maßnahme gegen den Terror und kam zu dem Schluß, sie nicht fortzuführen. Es liege, betonte der israelische Regierungschef, aber gleichwohl in der Kompetenz der Polizei, auch über die temporäre Aufstellung von Trennwänden zu entscheiden.
An dieser Stelle hätte die Geschichte der neuesten »Mauer« von Jerusalem beendet sein können. Es gibt sie schlicht nicht. Und eine Teilung Jerusalems durch Mauern ist auf absehbare Zeit auch nicht geplant. Wird sich das aber je bis zum deutschen Staatsfunk herumsprechen? Bei Phoenix jedenfalls tut eine Ansagerin Dienst, die ignoriert, was spätestens seit Montag jeder wissen könnte.
Am Dienstag erzählte Ina Baltes, so der Name dieser durchaus herumgekommenen Expertin für Desinformation, »wie die Ungarn in Europa versuchen sich auch die Israelis mit Abgrenzung als Lösung. Eine dicke Mauer zwischen zwei Stadtvierteln soll Ruhe bringen«. Was man da vielleicht noch einen Irrtum nennen konnte, ist seit Mittwoch allerdings nur noch esoterisch.
Aus der »dicken Mauer« ist eine »hohe« geworden, mit der, so Ina Baltes, die israelische Regierung bezwecke, ein ganzes Quartier von der Außenwelt abzuschneiden: »Jetzt hat Israels Polizei damit begonnen, ein arabisches Stadtviertel in Jerusalem mit einer hohen Betonmauer hermetisch abzuriegeln.« Und das nur drei Tage nach der offiziellen Absage durch Israels Premier.

 tw24

Friday, October 16, 2015

Kritischer Journaillismus (Folge 1483): Mut zur Lücke

Wenn deutsche Journalisten über Geschehnisse in und um Israel berichten, so tun sie das, wie Michael Konken, einer ihrer Häuptlinge, einmal formulierte, weil sie eine ganz besondere »Verantwortung« verspüren.
»›Für die Journalistinnen und Journalisten gilt das Gleiche wie für alle anderen Deutschen auch: Wir haben aufgrund des Holocaust eine besondere Verantwortung‹, sagte Konken. ›Dieser Verantwortung kann aber nur gerecht werden, wer sich kritisch mit der Politik und den Entwicklungen im Nahen Osten auseinandersetzt. Das ist weit entfernt von Antisemitismus‹.«
Weit entfernt von Antisemitismus ist es daher gewiß auch, wenn die Journalistinnen und Journalisten von Phoenix ihr Publikum mit des Holocausts wegen besonders sorgfältig gestalteten Ticker-Nachrichten unterhalten:
phoenix20151016 
Amtsbezeichnung nur für Despoten: »Netanjahu zu Gesprächen mit Palästinenserpräsident Abbas bereit«
Wer oder was mag dieser Netanjahu wohl sein? Und womit hat der andere, Abbas, es sich verdient, ganz ohne Gänsefüßchen »Präsident« genannt zu werden? Hat, wer demokratisch legitimiert ist, kein Anrecht, mit Amt genannt zu werden?
 tw24

Friday, April 10, 2015

Wahrnehmungsstörung

Eine Woche nach Verkündung des “Durchbruchs” von Lausanne ist nicht mehr viel übrig von der vom Auswärtigen Amt zu Berlin versprochenen “belastbare[n] politische[n] Vereinbarung”, die “einen iranischen Weg zu Atomwaffen ausschließt – und das wirksam, langfristig und nachprüfbar”.
Tönte Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Außenministerdarsteller, vor einer Woche, “das haben wir heute erreicht”, ist heute klar, daß praktisch gar nichts erreicht wurde. Geht es um angeblich vereinbarte Eckpunkte, ist sich in deren konkreter Ausgestaltung nicht einmal der Westen einig.
Auch die andere Seite, die Islamische Republik, hat eigene Vorstellungen von dem, was “wir heute erreicht [..] haben”. Ayatollah Ali Khamenei, das Staatsoberhaupt der Islamischen Republik, verbrachte am Donnerstag einige Zeit am Computer, um sie und sich der Welt via Twitter mitzuteilen.
Und dem Publikum daheim berichtete er im Staatsfernsehen von “‘devilish’ intentions of the United States”, die es zurückzuweisen gelte. “Khamenei’s remarks, Middle East experts say, raise serious concerns that Iran may be unwilling to work through key obstacles to finalize a deal [..].”
Nur beim deutschen Staatsfernsehen sah man das – anders: “Irans Oberster Führer Chamenei begrüßt in 1. Stellungnahme Rahmen-Abkommen”. Aber bei Phoenix gilt freilich auch ein Michael Lüders als Experte. Oder wurde der Sender gar Opfer eines Hackerangriffs und hat es nicht gemerkt?
 phoenix20150410
 tw24

Friday, November 21, 2014

Kritischer Journaillismus (999)

Der Deutschen Staatsfernsehen informiert mit drei aufeinanderfolgenden Texttafeln über einen Mißerfolg der Hamas:
“Geheimdienst: Hamas-Attentat auf israelischen Außenminister vereitelt”
“Israel: Konvoi Liebermans sollte mit Raketenwerfer attackiert werden”
“Israels Außenminister ist Gründer einer ultranationalistischen Partei”
Weshalb man der “palästinensischen” Demokratiebewegung Hamas die Daumen drücken sollte, versuchte sie es erneut?

 tw24

Wednesday, July 30, 2014

Kritischer Journaillismus (Folge 764)

Auf Michael Lüders ist Verlaß. Wohl deshalb scheint kaum eine Stunde zu vergehen, in der er nicht irgendwo auftritt, zu erzählen, was er immer erzählt. Das hat mit Vorurteilen zwar mehr zu tun als mit wirklicher Expertise, doch um letztere geht es ja gerade nicht. Das Publikum will hören, die gewohnt kritische Klasse senden, was es hören will.
Kritisch hingegen wird es in jeder Hinsicht, ist der Verläßliche bei der Konkurrenz unterwegs oder aus anderen Gründen gerade verhindert. Dann wird nämlich die ganze Voreingenommenheit besonders öffentlich-rechtlichen deutschen Moderatorentums so richtig offenkundig. Für seinen Deutschlandfunk beispielsweise wollte Dirk-Oliver Heckmann mal so richtig investigativ werden:
“Überraschend wenig wird derzeit hierzulande [!] darüber debattiert, ob sich das Verhalten der israelischen Armee noch im erlaubten Rahmen befindet oder nicht.”
Doch wo ein Michael Lüders vermutlich nicht lange überlegt hätte, wägt der ersatzweise befragte Claus Kreß, Direktor des Kölner Instituts für Friedenssicherungsrecht, ab und kommt zu dem Schluß:
“Israel ist in der Pflicht, so es Verdachtsmomente für Kriegsverbrechen im einzelnen Fall gibt – aber noch einmal, ich habe dafür zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte –, diesen Verdachtsmomenten nachzugehen.”
Kriegsverbrechen begehe, und zwar mehrfach, derweil einzig die Hamas, indem sie nämlich einerseits gezielt Zivilisten in Israel angreife und andererseits dadurch, daß sie “systematisch militärische Ziele und zivile Orte miteinander vermischt und dadurch die Zivilisten im Gazastreifen in eine eminente, ständige Gefahr” bringe.
“Das sind zwei separate und für sich genommen jeweils schwere Kriegsrechtsverstöße. Man kann darüber hinaus sogar die Frage stellen, ob bei derartig umfangreichen Angriffen, die ja Terrorcharakter annehmen, weil sie Schrecken über die israelische Zivilbevölkerung bringen sollen, ob wir hier nicht bereits die Schwelle eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit erreicht haben.”
Da will also ein Staatsrundfunker Kriegsverbrechen der israelischen Streitkräfte aufklären, über die “derzeit hierzulande [..] überraschend wenig [..] debattiert” werde – doch dann muß er sich erklären lassen, das liege möglicherweise daran, daß es da einfach gar nichts zu debattieren gibt. Vielmehr begehe die Hamas vielleicht sogar Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Eine nicht ganz unähnliche Pleite widerfuhr auch Kathrin Augustin, Ansagerin beim Staatssender Phoenix. “Für die Menschen im Gaza-Streifen wird die Situation immer dramatischer”, barmte sie. “Tausende Palästinenser sind auf der Flucht, wissen aber nicht wohin, denn” – Potzblitz! – “der dicht besiedelte Küstenstreifen ist abgeriegelt und gleicht somit einem riesigen Freiluftgefängnis.” Dumm nur, daß auch hier der Michael Lüders nicht greifbar war, sondern, zunächst, nur Richard C. Schneider aus Tel Aviv den Wegweiser geben mußte für das “Freiluftgefängnis”:
“Es gibt tatsächlich noch Flecken, wo es relativ sicher ist. Man kann sich immer weiter in Richtung des Meeres zurückziehen, denn in erster Linie bombardiert Israel an der Grenze zu Israel, also das heißt, vier, fünf Kilometer da hinein, das heißt, es gibt noch ein bißchen Möglichkeiten auszuweichen.”
Und dann zieht auch noch der Gast im Studio, Andreas Dittmann, Geograph an der Universität Gießen, die Behauptung vom “abgeriegelten Küstenstreifen” einfach so und vor laufender Kamera in Zweifel:
“Unter den Muslimbrüdern wäre der Konflikt wahrscheinlich jetzt noch stärker ausgebrochen, man kann sich nur ausmalen, was an Waffenlieferungen in der vergangenen Zeit in den angeblich so komplett abgeriegelten Gaza-Streifen hineingeflossen ist. Wenn da jetzt über Tage Israel mit Raketen angegriffen werden kann, dann kann das ja nicht eine hermetische Komplettabriegelung sein.”
Konnte Michael Lüders tatsächlich noch nicht geklont werden?
 tw24

Tuesday, June 17, 2014

‘Der Kern des Problems’

Mit einer Studie, war kürzlich zu lesen, will das deutsche Innenministerium Ursachen dafür finden, daß beinahe die Hälfte repräsentativ befragter Deutscher der Meinung war, Israel führe einen “Vernichtungskrieg” gegen “Palästinenser”. Man könnte ersatzweise auch deutsche Staats-Medien einschalten, käme dabei aber wohl zu schnell und billig zu beschämenden Erkenntnissen.
tagesschau.de2014.06.05
Unachtsamkeit oder Absicht: Aus“housing units” werden Siedlungen”

Was dort “Nahost-Experten” und “-Journalisten” veranstalten, ist schwer erträglich. Erträgt man das Geschwätz, das im günstigen Fall von Ahnungslosigkeit geprägt ist oder im schlimmeren von Vorsatz, muß man keine Studie mehr abwarten: Wer einzig von Gestalten wie Marcell Pott oder Christian Sievers “informiert” wird, der muß antisemitische Vorurteile entwickeln.
Da wird nach der Entführung dreier israelischer Jugendlicher durch – wahrscheinlich – Hamas-Gangster vom deutschen Staatsradio der Botschafter des jüdischen Staats, der dieses Verbrechen und Raketenbeschuß nicht einfach hinnehmen will, mit der Frage empfangen: “Führen Sie Krieg?” Und im Staatsfernsehen bestätigen die Journaillisten den “Experten”, was diese jenen erzählen.
Sagt der Marcel Pott, “nun ja, hier geht es ja nicht um Israel [..], diese drei Religionsschüler leben ja in einer Siedlung auf arabischen Land, und das ist der Kern des Problems”, weiß auch der Christian Sievers seinen Beitrag mit den Worten einzuleiten, “hier, neben einer Siedlung auf besetztem Palästinensergebiet, wurden die Jugendlichen zuletzt gesehen, drei jüdische Religionsschüler”.
Die Botschaft solcher Worte ist unüberhörbar: Auf “Palästinensergebiet”, auf “arabischem Land” haben Juden nichts zu suchen. Und halten sie sich dennoch dort auf, nun, dann müssen sie eben damit rechnen, verschleppt oder gar ermordet zu werden, sie, diese Fremden. Daß der Staatsjournaillist damit eine rassistische Position vertritt, fällt dem “Experten” nicht auf, es ist ja die seine.
Dabei war die Gegend des Geschehens, Gush Etzion, in den letzten neun Jahrzehnten nur zwei, von 1948 bis 1967, judenrein – als Folge eines Massakers, das arabische Bevölkerung und Truppen der Arabischen Legion am 13. Mai 1948 an den dort lebenden Juden verübten. 20 Jahre später begannen Kinder der Vertriebenen und Ermordeten, Kfar Etzion als Gush Etzion wiederaufzubauen.
“Israelis return to village overrun 20 years ago”, schrieb die New York Times am 28. September 1967. Und dazu hatten sie jedes Recht, wie etwa Benny Morris’ 1948: A History of the First Arab-Israeli War bestätigt: “Though the land had been purchased from the Arabs, the locals saw the settlers as aliens and invaders.” Kann es also überhaupt um “arabisches Land” gehen?
Oder geht es – damals wie heute – nicht schlicht um arabischen Antisemitismus, den die Deutschen so vehement beschweigen, um ihre Voreingenommenheit nicht thematisieren zu müssen? Wer “palästinensischen” Terrorismus damit rechtfertigt, dessen Opfer seien als “Siedler” doch selbst für das verantwortlich, was ihnen geschehe, der muß sich jedenfalls nicht wundern, kommt das beim Zuhörer oder -schauer so an.
tw24