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Sunday, December 07, 2014

Rechtsruck-Propheten

Als bekannt wurde, daß im nächsten Frühjahr eine neue israelische Regierung gewählt werden wird, waren deutsche Medien und ihre “Experten” sich einig: Das kann gar nicht gut enden. Im ZDF etwa erzählte Nicola Albrecht, “wir vermuten sehr stark, daß eine neue Regierung möglicherweise noch konservativer sein wird als die jetzige schon ist”, und kündigte einen “Rechtsruck” an.
Das Stichwort fällt auch bei den Kollegen vom ARD-Studio in Tel Aviv. “Driftet Netanjahu noch weiter nach rechts?” fragt die tagesschau – und gibt sich die Antwort gleich selbst. Spekuliert werde, ob Benjamin Netanjahu im Bündnis mit Naftali Bennett “noch weiter nach rechts rückt, noch weiter weg von einem Dialog mit den Palästinensern”. Die ja bekanntlich täglich zum Dialog einladen.
“Eigentlich”, kommentiert der Stern, “eigentlich müsste man sich freuen, dass Israels Bürger im März an die Urne gerufen werden.” Denn “in den arabischen Nachbarstaaten der Region haben die Menschen entweder nie die Chance auf eine freie Wahl. Oder man nimmt sie ihnen wieder, sobald sie nicht richtig abgestimmt haben wie etwa in Ägypten.”
Doch weil die Bürger Israels anders abstimmen könnten, als sich das das Magazin wünscht, “muss man sich auch Sorgen machen”. Der amtierende israelische Premier sähe nämlich “gute Chancen”, mit neuen Partnern “den Weg” fortzusetzen, “der aus Israel eine Art Apartheidstaat machen” würde. Es spreche “vieles dafür, dass sich die Extremisten in Israel durchsetzen”.
Und während all diese Auskenner ihre verleumderischen Phantasien aufnotierten, wurden in Israel Bürger danach befragt, was sie denn von der Performance Benjamin Netanjahus hielten, wen sie wählen würden. “Netanyahu’s approval ratings sink”,titelte bereits am 30. November das Wall Street Journal und berief sich dabei ausgerechnet auf die Tageszeitung Haaretz.
“Almost two-thirds of Israelis would prefer a prime minister other than Binyamin Netanyahu”, staunt wenige Tage später The Guardian, eine nicht eben für übermäßige Israel-Sympathien verrufene Tageszeitung. “Asked whether they wanted Netanyahu to remain prime minister 60% of respondents said no, 34% said yes and 6% said they did not know.”
“I will form the next coalition and lead Israel in a new direction”, verspricht derweil Isaac Herzog, sozialdemokratischer Oppositionsführer im israelischen Parlament, der Knesset. Am 1. Dezember hat er sich in Ramallah mit “Präsident” Abu Mazen getroffen. “I repeated and emphasized [..], that we have before us a historic opportunity for peace, and we must do all that we are able to see it through”.
Isaac Herzog verzichtet, scheint’s, auf den Konsum deutscher Medien. Daher weiß er noch nicht, daß er keine Chance hat.
 tw24

Tuesday, June 17, 2014

‘Der Kern des Problems’

Mit einer Studie, war kürzlich zu lesen, will das deutsche Innenministerium Ursachen dafür finden, daß beinahe die Hälfte repräsentativ befragter Deutscher der Meinung war, Israel führe einen “Vernichtungskrieg” gegen “Palästinenser”. Man könnte ersatzweise auch deutsche Staats-Medien einschalten, käme dabei aber wohl zu schnell und billig zu beschämenden Erkenntnissen.
tagesschau.de2014.06.05
Unachtsamkeit oder Absicht: Aus“housing units” werden Siedlungen”

Was dort “Nahost-Experten” und “-Journalisten” veranstalten, ist schwer erträglich. Erträgt man das Geschwätz, das im günstigen Fall von Ahnungslosigkeit geprägt ist oder im schlimmeren von Vorsatz, muß man keine Studie mehr abwarten: Wer einzig von Gestalten wie Marcell Pott oder Christian Sievers “informiert” wird, der muß antisemitische Vorurteile entwickeln.
Da wird nach der Entführung dreier israelischer Jugendlicher durch – wahrscheinlich – Hamas-Gangster vom deutschen Staatsradio der Botschafter des jüdischen Staats, der dieses Verbrechen und Raketenbeschuß nicht einfach hinnehmen will, mit der Frage empfangen: “Führen Sie Krieg?” Und im Staatsfernsehen bestätigen die Journaillisten den “Experten”, was diese jenen erzählen.
Sagt der Marcel Pott, “nun ja, hier geht es ja nicht um Israel [..], diese drei Religionsschüler leben ja in einer Siedlung auf arabischen Land, und das ist der Kern des Problems”, weiß auch der Christian Sievers seinen Beitrag mit den Worten einzuleiten, “hier, neben einer Siedlung auf besetztem Palästinensergebiet, wurden die Jugendlichen zuletzt gesehen, drei jüdische Religionsschüler”.
Die Botschaft solcher Worte ist unüberhörbar: Auf “Palästinensergebiet”, auf “arabischem Land” haben Juden nichts zu suchen. Und halten sie sich dennoch dort auf, nun, dann müssen sie eben damit rechnen, verschleppt oder gar ermordet zu werden, sie, diese Fremden. Daß der Staatsjournaillist damit eine rassistische Position vertritt, fällt dem “Experten” nicht auf, es ist ja die seine.
Dabei war die Gegend des Geschehens, Gush Etzion, in den letzten neun Jahrzehnten nur zwei, von 1948 bis 1967, judenrein – als Folge eines Massakers, das arabische Bevölkerung und Truppen der Arabischen Legion am 13. Mai 1948 an den dort lebenden Juden verübten. 20 Jahre später begannen Kinder der Vertriebenen und Ermordeten, Kfar Etzion als Gush Etzion wiederaufzubauen.
“Israelis return to village overrun 20 years ago”, schrieb die New York Times am 28. September 1967. Und dazu hatten sie jedes Recht, wie etwa Benny Morris’ 1948: A History of the First Arab-Israeli War bestätigt: “Though the land had been purchased from the Arabs, the locals saw the settlers as aliens and invaders.” Kann es also überhaupt um “arabisches Land” gehen?
Oder geht es – damals wie heute – nicht schlicht um arabischen Antisemitismus, den die Deutschen so vehement beschweigen, um ihre Voreingenommenheit nicht thematisieren zu müssen? Wer “palästinensischen” Terrorismus damit rechtfertigt, dessen Opfer seien als “Siedler” doch selbst für das verantwortlich, was ihnen geschehe, der muß sich jedenfalls nicht wundern, kommt das beim Zuhörer oder -schauer so an.
tw24