Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg: Die Verbündeten Kaiser Wilhelm II., Sultan Mehmed V. und Franz-Joseph I. (© picture-alliance)
Die offensichtliche Zusammenarbeit zwischen der türkischen Regierungspartei AKP und den Wahabiten der arabischen Halbinsel hat offensichtlich Tradition, war aber lange inoffiziell. Das hat sich geändert. Am 29. Dezember 2015 berichtete die türkische Zeitung Zaman über die offizielle Besiegelung der strategischen Partnerschaft zwischen AKP-Regime und den Wahbiten (siehe: Türkiye ile Suudi Arabistan arasında stratejik işbirliği kuruluyor“ – Türkei und Saudi-Arabien beschließen strategische Partnerschaft)
Bereits am 16. Dezember berichtete die ebenfalls türkische Zeitung Cumhuriyet über den „sunnitischen Militärpakt“ zwischen Ankara und Riad (siehe: Sünni ittifak'a asker sözü)
Schon sieben Monate bevor das türkische Regime und das saudische Könighaus ihre Kooperation offiziell machten, warnte der österreichische Grüne Efgani Dönmez vor dem Einfluss der beiden Staaten auf dem Balkan (siehe: Weckruf – Salafistische Terroristen werden seit Jahren in EU-Beitrittskandidatenländern in Stellung gebracht – Beispiel Mazedonien).
Es fällt bereits an dieser Stelle schwer zu verstehen, welche Beweggründe Deutschland hat, einen Staat als Heilsbringer zu präsentieren, der offenkundig zu den Topmäzenen des IS, von Al Kaida und ähnlichen Milizen zählt, offen gegen europäische Partner arbeitet und den Balkan gezielt destabilisiert.
Der ungarische Präsident Viktor Orbán unterstellte Anfang Februar die Existenz eines deutsch-türkischen Geheimplans (siehe:Viktor Orban: Deutsch-türkischer Geheimpakt zur Umsiedlung Hunderttausender Flüchtlinge nach Europa)
Was auf den ersten Blick wie eine Verschwörung anmutet, wird angesichts der bis dato im Text angeführten Tatsachen plausibel. Ob Orbán tatsächlich Recht hat, und ob es einen „Geheimpakt zur Umsiedlung hunderttausender Flüchtlinge“ gibt, sei dahingestellt. Verdächtig macht sich die Bundesregierung in jedem Fall. Die Zusammenarbeit Berlins mit dem AKP-Regime allgemein erscheint in jedem Fall verdächtig und zwielichtig, wenn man sie insbesondere vor dem Hintergrund der Ausführungen Schaefers bzgl. der Hauptfinanzquellen der islamistischen Milizen Ibn al-Chattabs in Tschetschenien betrachtet.
Dieses Zwielicht wird durch eine Reportage der griechischen Zeitung „Imerisia“ aus dem Dezember 2015 noch etwas dunkler (siehe:Βόμβα» από Τούρκο διακινητή: Αν ήθελε η τουρκική κυβέρνηση, δεν θα περνούσαμε ούτε μύγα στην Ελλάδα).Darin wird ein professioneller türkischer Schlepper mit den Worten zitiert: „Würde die türkische Regierung nicht wollen, dass wir den Job tun den wir machen, würden wir nicht einmal eine Fliege nach Griechenland hinüberbringen können“.[...]
Die tendenziösen Darstellungen deutscher Medien sind aus analytischer Sicht vollkommen unhaltbar und unglaubwürdig.
Ihnen scheint jegliche Kontroversität abhandengekommen zu sein. An Stelle von wirklichen Informationen, Hintergrundanalysen, Erörterungen und Enthüllungen sind in den Hauptnachrichtensendungen Berichte getreten, die lediglich immer und immer wieder eine vermeintliche moralische Überlegenheit der Berliner Regierung und die angebliche Integrität ihrer Partner wiederholen. „Unsere Regierung ist ja so menschlich“, heißt es außerdem ständig. Dass mit dieser Emotionalisierung Kritik vorgebeugt und von Tatsachen abgelenkt werden soll, wagen sich nur die Wenigsten anzusprechen. Dieser Satz hat mittlerweile schon den Stellenwert eines verbalen Somas, wie es in Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ verabreicht wird, um über tatsächliche Verhältnisse und eigentliche Interessen hinwegzutäuschen. Was bei Tagesschau, ZDF Heute, RTL Aktuell oder den Sat1-Nachrichten über die Flatscreens und Mattscheiben flimmert, trägt in der Tat bereits starke totalitäre Züge. Es erinnert unweigerlich an den rhetorischen Stil des ehemaligen albanischen Machthabers Enver Hoxha. Auch seine Reden an die Nation waren stets vom Prinzip „Wir sind die Besten“ geprägt. Selbst in der ZDF-Sportreportage vom Sonntag, den 28.02.2016 bleibt der Zuschauer während eines Fußballberichts nicht vor einem völlig überflüssigen und deplatzierten politischen Seitenhieb gegen die ungarische Politik nicht verschont. Der Weg von der Information zur Indoktrination ist längst flächendeckend beschritten. An Aufklärung und Hintergrundinformation besteht offenbar kein Interesse mehr. Wenn Ungarn und andere Staaten, die sich dem Diktat der Bundesregierung nicht unterwerfen, selbst in Sportsendungen vor politischen Angriffen der Reporter nicht mehr sicher sein können, dann ist das bereits Propaganda und entbehrt jedweder Verhältnismäßigkeit.
Kritik an den Golfstaaten und der Türkei findet nämlich vergleichsweise kaum, und schon gar nicht in Sportsendungen, statt.
Im Gegenteil, es werden nicht selten Meldungen von Nachrichtenagenturen der dortigen Regime übernommen. Meldungen, wie über die jüngste "IS-Offensive mit Unterstützung der Türkei" oder die „von Saudi-Arabien und der Türkei unterstützte radikalislamistische Opposition“, die wollen eine Fortsetzung des Krieges will (siehe: Wer am Frieden in Syrien noch nicht interessiert ist), findet man meist nur bei wenigen Online-Magazinen. Dabei sind es gerade solche Berichte, die den Kreis des historischen Kontextes schließen, und aus denen folglich dringend Lehren und Konsequenzen gezogen werden müssten.
Gerade, weil die Bundesregierung genau das nicht will, muss Europa ihr um seiner selbst willen eine Abfuhr erteilen.
Die Gegner des Kurses der Bundesregierung haben allen Grund sich gegen das Diktat einer Kooperation mit der Türkei zu stellen. Es gibt keinen Grund für Osteuropa, Griechenland und Zypern sich von Deutschland ins offene Messer schicken zu lassen. Ebenso sollten Frankreich und Italien verstanden haben, dass eine Unterstützung des deutschen Kurses im Umkehrschluss bedeutet, über einen kleinen Umweg an der nordafrikanischen Traverse ihrer Mittelmeerküsten einen radikal sunnitisch-islamischen Gottesstaat zu fördern, dessen Expansionsbestrebungen, wie es Valori prognostiziert, sie schneller einholen könnte, als ihnen lieb ist. Obschon der französische Präsident François Hollande die klare und selbstbewusste Linie seines Vorgängers Nicolas Sakozy lange vermissen ließ, kann er sich seine ehemalige Nibelungentreue zur Regierung Merkel spätestens seit den Anschlägen von Paris am 13.November 2015 nicht mehr leisten. Dass man seitdem im Élysée-Palast von der unversöhnlichen Berliner Linie Russland gegenüber abweicht, lässt hoffen. Selbst Hollande sollte mittlerweile, da sein Land durch die Anschläge von Januar und November 2015 mehr als 200 Tote zu beklagen hat, klar geworden sein, dass Russland in Syrien und Frankreich in Libyen es mit denselben Gegnern zu tun haben. Den Anti-Russland-Kurs Berlins, hat man in Paris zum Glück bereits zaghaft verlassen.
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