Auf dem Planeten
ZDF muß der Wechsel eines Ansagers aus einer Nachrichtensendung, dem
heute-Journal,
in eine andere ein Großereignis sein. Noch am Sonntag erschienen
jedenfalls bunte Anzeigen, die Christian Sievers als neuen Moderator der
heute-Nachrichten ankündigten:
“Berlin. Naher Osten. heute-Studio. Er ist immer da, wo Wichtiges passiert.”
“Berlin, Naher Osten, heute-Studio” – wie klein doch die Welt, in der
“Wichtiges” geschieht. Aber in der Tat, Christian Sievers war bis August 2014 neben seiner Tätigkeit beim
heute-Journal Leiter des ZDF-Studios in Tel Aviv, als der er manches Abenteuer
erleben durfte:
“Nach dem Besuch des Emirs von Katar am Dienstag
hatten Hamas-Führer die einzige Grenze nach Israel dicht gemacht. Die
Konsequenz: Zahlreiche internationale Journalisten – darunter auch ein
ZDF-Team um Korrespondent Christian Sievers – sind im Gaza-Streifen
eingeschlossen.”
An den Vorurteilen des Staatsjournalisten gegenüber Israel änderten
die dabei gemachten Erfahrungen freilich nichts. Ein anschaubarer wie
anschaulicher Beleg dafür ist einer seiner
letzten “Berichte” aus dem Nahen Osten, der sich großer Beliebtheit unter notorisch faktenallergischen
“Israelkritikern” erfreut.
Darin stellt Christian Sievers die Bahauptung auf, die israelische
Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu habe durch das gezielte
Verschweigen von Informationen nach der Verschleppung dreier
israelischer Jugendlicher durch Hamas-Terroristen ein Klima geschaffen,
in dem jede Kritik verstumme.
“Es ist eine Situation, in der das Handeln der eigenen Regierung von kaum noch jemandem hinterfragt wird.”
Als Beispiele für unterdrückte Informationen nennt der Mann, der
“immer da” ist,
“wo Wichtiges passiert”, das Auffinden eines Autowracks und den aufgezeichneten Notruf der Verschleppten.
“Was die Menschen hier nicht ahnen: Israels Sicherheitsbehörden wissen längst mehr.”
Und genau dieses
Wissen hätten Behörden und Regierung verschwiegen. Dumm nur, daß diese Behauptung Christian Sievers’, ohne die seine ganze schöne
“Enthüllung” nicht funktioniert, falsch ist. Schon wenige Stunden nach dem
Verschwinden der Jugendlichen schrieb die
Jerusalem Post:
“A torched car that was found alongside a highway in
the vicinity of the search. Investigators towed away the car and will
begin examining the remains in an effort to determine whether there is
any connection to the missing students search.”
Daß die
Jerusalem Post nicht allein war mit dieser Meldung, bestätigt ein Blick auf die
“palästinensische” Website
Donia Al-Watan, die Israel gewiß
nicht wohlgesonnen ist. Doch selbst sie
berichtet am 13. Juni, das israelische Fernsehen habe Bilder gesendet, die ein aufgefundenes Fahrzeugwrack zeigten.
War diese
“verschwiegene” Information also bereits am ersten
Tag nach der Verschleppung der drei Jugendlichen alles andere als ein
Geheimnis, wurde am 15. Juni
gemeldet,
“one of the boys kidnapped Thursday evening [..] called the police yelling ‘We’ve been kidnapped.'” Und hinzugefügt wurde:
“The information was cleared for publication on Sunday
– two days after searches began for 16-year-olds Gil-Ad Shaer and
Naftali Frenkel, and 19-year-old Eyal Yifrach.”
So sieht sie also aus, die wahre Geschichte hinter Christian Sievers’
“Enthüllung”. Und so arbeitet der Mann, der seit Montag
Nachrichten verkünden soll. Qualitätsjournaillismus mady in Germany.
tw24