Mit einem Bericht über den Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen sorgte
Der SPIEGEL
am Wochenende für gewisse Aufregung. Das Klatschblatt hatte unter
Berufung auf Politiker aus dem Umfeld der deutschen Kanzlerin behauptet,
das Verhältnis zwischen Berlin und Jerusalem hätte sich wegen der
Politik Benjamin Netanjahus gegenüber den »Palästinensern« rapide
verschlechtert.
In Berlin, so die Autoren des Berichts, sei man zunehmend sauer über
Siedlungen, die Existenz jüdischen Lebens in den umstrittenen Gebieten
also, und frage sich, »ob man in der Vergangenheit nicht die falschen
Signale gesetzt habe. Genannt wird dabei auch die Rede der Kanzlerin, in
der sie 2008 vor der Knesset gesagt hatte, die Sicherheit Israels sei
Teil der deutschen Staatsräson.«
In der israelischen Hauptstadt
Jerusalem und im offiziellen
Berlin wurde die
SPIEGEL-Geschichte
zurückgewiesen. Wurde da betont, die Beziehungen zu Berlin seien eng
und gut und würden das auch zukünftig sein, hieß es dort, an den
Leitlinien deutscher Nahost-Politik habe sich nichts geändert. Und in
der Tat sind die Belege des
SPIEGEL für die behauptete Politik
änderung dürftig.
So wurde etwa Christoph Heusgen, langjähriger Vertrauter und Berater
der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, schon vor sechs Jahren bekannt,
als Dokumente an die Öffentlichkeit
gelangten,
nach denen er bereits 2009 »hochrangige US-Diplomaten dazu gedrängt«
hat, »Israel die Unterstützung im UN-Sicherheitsrat zu entziehen, falls
es einem Siedlungsstopp nicht zustimme«.
Ähnlich verläßlich als Kritiker des jüdischen Staates und jüdischen
Lebens in Judäa und Samaria ist der SPD-Politiker Rolf Mützenich, der
als weiterer Zeuge vom
SPIEGEL benannt wird. Schon 2009
verlangte
er, den »Druck auf Netanjahu [zu] erhöhen«, »ein Stopp beim Bau neuer
israelischer Siedlungen in den Palästinensergebieten« sei, wurde er von
der
dpa zitiert, »zu wenig«.
Und die Bundeskanzlerin selbst, die mit ihrem jüngsten Empfang Abu
Mazens ein Zeichen gesetzt haben soll? Nun, der »Palästinenserpräsident«
war nicht zum ersten Mal ihr Gast. Als Abu Mazen Anfang 2012 nach
Berlin kam, hatte der amtliche Mufti seines Regimes gerade den Mord an
Juden zur »heiligen Pflicht« aller Muslime erklärt – die EU
protestierte (leise), Angela Merkel lächelte.
Wo es an Anzeichen für eine Änderung der deutschen Politik fehlt, ist
gleichwohl nicht zu leugnen, daß es weltfremd wäre, die Realität der
deutsch-israelischen Beziehungen als gut zu bezeichnen. Die Veränderung,
die der
SPIEGEL herbeiphantasiert, ist gar nicht mehr möglich
und taugt insofern nicht als Drohkulisse. Das wird auch beim Blick auf
das deutsche Auswärtige Amt deutlich.
Dort kommentiert man gelegentlich terroristische Anschläge in aller
Welt. Ihre Antwort auf den Selbstmordanschlag eines jungen
»Palästinensers« auf einen Bus in Jerusalem, bei dem kürzlich 20
Menschen verletzt wurden,
verband die deutsche Außenpolitik mit dem Rat
auch an die Opfer, sie müßten »endlich zu einer Deeskalation finden«, hätten »Hass in den Köpfen entgegen zu treten«.
Als wenig später islamistische Terroristen in Afghanistan zuschlugen, ließ Außenministerdarsteller Frank-Walter Steinmeier
erklären,
»Deutschland wird Afghanistan [..] weiter nach Kräften unterstützen.
Wir stehen fest an der Seite des afghanischen Volkes.« Daß »wir [..]
fest an der Seite des Volkes Israel« stehen, wann hat man das zuletzt
von dem Sozialdemokraten gehört?
tw24