Sunday, March 06, 2016

Ulmer Streitkultur

Lothar Heusohn, er ist Fachbereichsleiter Politik an der Volkshochschule in Ulm, kann es gar nicht fassen: Ein »sachlicher öffentlicher Diskurs über israelische Regierungspolitik« soll antisemitisch sein? Diesen »grotesken« Vorwurf jedenfalls erhebt der Ulmer Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm in einer Erklärung zu einer für Mittwoch geplanten Veranstaltung.
Unter der Überschrift »Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt« [sic!] will der Autor Arn Strohmeyer am 9. März über einen »Antisemitismus-Vorwurf« referieren, der in »aktuellen politischen Auseinandersetzungen über den Palästina-Konflikt ständig im Raum« stehe. »Handelt es sich dabei aber tatsächlich immer um Antisemitismus?« fragt die Vortragsankündigung.
Vielleicht hat man an der Volkshochschule in Ulm tatsächlich ein Interesse an dieser Frage. Dann allerdings sollte man auf die Einwände der DIG Ulm/Neu-Ulm hören und ihre Beantwortung nicht Arn Strohmeyer überlassen, dessen »Kritik an der israelischen Regierung« nicht davor zurückschreckt, islamistisch-»palästinensischen« Terror gegen Juden öffentlich zu verharmlosen:
»Man kann ja durchaus die Frage stellen, ob die Hamas sich und der Bevölkerung des Gaza-Streifens mit dem Raketenbeschuß auf Israel einen Gefallen getan hat. Und man kann finden, daß sie sich damit keinen Gefallen getan hat. Aber man muß auch anmerken, diese Raketen sind im Gegensatz zu den israelischen selbstgebaute und unwirksame Geschosse, die vielleicht Panik hervorrufen, aber so gut wie keine Schäden in Israel angerichtet haben.«
Man dürfe mit Blick auf die Raketenangriffe der Hamas »nicht Ursache und Folgen verwechseln.« Hamas-Raketen seien nicht die Ursache für Unfrieden, »sondern der erbärmliche Zustand, unter dem die Palästinenser seit Jahrzehnten unter der brutalen israelischen Besatzung leben müssen«, die vor allem die »Palästinenser« in Gaza immer härter trifft, seit Israel das Gebiet 2005 geräumt hat.
Ausgerechnet von Arn Strohmeyer nach solchen Äußerungen, die natürlich menschenverachtend sind und den jüdischen Staat ohne jedes Maß dämonisieren und verleumden, einen halbwegs sachlichen Vortrag zu erwarten, ist günstigenfalls naiv. Den Auftritt des Hetzers zu verteidigen, gerade er sei doch ein Beleg für »wieder« lebendige demokratische Streitkultur, ist irre.
 tw24

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