Der heimliche Orientalismus Deutschlands,durchleuchtet von Fred Alan Medforth
Monday, November 06, 2017
Ich wusste ja nicht, dass Netanjahu Jude ist. ZerknirschSmiley! -- Über den Untergang der Satire im juvenilen Gekicher von Die Partei und Titanic
Einer, der unmittelbar nach den Anschlägen von Paris am 8.1.2015 im ARD Nachtmagazin befragt wurde, ob er angesichts der Ermordung seiner Kollegen von Charlie Hebdo nicht ab sofort mehr Witze über den Islam bringen wolle, antwortete unter anderem so: man müsse terrorfeindliche und nicht islamfeindliche Witze machen, Mohammedkarikaturen würden nämlich „viele Menschen beleidigen, die keine Satiriker töten wollen, und das muss nicht sein.“ Er war mit sich zufriedener als das deutsche Staatsfernsehen, das gerne etwas über – natürlich maßvolle – Islamsatire hören wollte, und legte ein Jahr später unter Bezug auf Aiman Mazyek nach: „Aber der Mann ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, dürfte also den ganzen Tag keine mit Fürsorge getarnten Angst-Fragen gehört haben, sondern Fragen mit dem Unterton ‚Rechtfertigen Sie sich‘ oder zumindest ‚Sie wissen doch, wie diese Terroristen denken – erklären Sie es uns‘. Ein noch unangenehmerer Tag als meiner, vermute ich. Überhaupt: wie ermüdend muss es sein, etwa als kopftuchtragende Muslima von einem solchen Anschlag zu hören. Nicht nur bedauerte man die Getöteten und ihre Angehörigen, man müsste sich auch darauf gefasst machen, dass einem künftig Wildfremde Mohammedwitze entgegenbrüllen, nur um ‚Toleranz‘ und ‚Humor‘ zu testen. Also beantworte ich die saudummen Fragen mit etwas mehr Empathie für diese Menschen als nötig, aber insgesamt zufriedenstellend ruhig und sachlich, gegen den Druck der hysterischen Medienmaschinerie. Nicht schlecht für mein erstes Studiointerview.“ (Titanic 4/16) Dieser zynische Appeaser, der den Redakteuren von Charlie Hebdo in der ARD nachsagte, Grund für ihre Ermordung sei „ein sehr spezifischer eigener Konflikt“ gewesen, der nicht dem „Berufsstand der Satiriker“ gegolten habe, dieser erbärmliche Feigling, bei dem Satire dort aufhört, wo der Islam und die Gefühle von dessen Anhängern anfangen, der „ruhig und sachlich“ dem Druck einer hysterischen, Muslime durch die Gassen hetzenden Medienmaschine standgehalten hat, Tim Wolff, Chefredakteur der Titanic seit 2013, hat den Aufruf der Redaktion Bahamas, Die PARTEI nicht zu wählen, auf Facebook in voller Länge dokumentiert, um dann hinzuzufügen: „Was es wohl bedeutet, dass mich Justus Wertmüllers Angst vor der eigenen Humorlosigkeit (dem ultimativen Deutschsein) mehr amüsiert, als so ziemlich alles, was Die PARTEI in diesem Wahlkampf produziert?“ Ich kann es ihm beantworten: Es bedeutet, dass Humoristen, die das tantige Wort „sich amüsieren“ bemühen, mit dem sich eine konfliktscheue, behagliche Stimmung wie etwa die Freude der Deutschen an Victor von Bülows Lebenswerk charakterisieren lässt, so kalt erwischt worden sind, dass sie das lustige „hier könnte auch Justus Wertmüller hängen“ gerade noch aus dem Text geworfen und die Haltung, die sie verloren haben, recht verkrampft wiederaufzurichten suchen. Es bedeutet, dass so einer auf seinem eigenen Facebook-Account die Mannschaft nicht mehr recht zusammenhalten kann und wohl auch nicht will, die in ihrer Mehrheit immer haltloser den kollektiven Israel-Kritiker gibt und den wenigen Sonneborn-Gegnern ganz im Stile des deutschen Außenministers ein trotziges „Netanyahu-Kritik muss ja wohl noch erlaubt sein“ entgegenhält. Es bedeutet auch, dass eine Partei und ihr Zentralorgan nicht etwa zufällig, wegen einer Aussage des Parteivorsitzenden, sondern konsequent Antisemitismus in seiner grünen, mordenden Variante aktiv bedienen und das keineswegs nur durch obstinates Verschweigen.
http://beta.redaktion-bahamas.org/artikel/2017/77-ich-wusste-ja-nicht-dass-netanjahu-jude-ist/
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