Tuesday, November 07, 2017

Zensur in Polizeiberichten: ein falscher Entscheid

Am Dienstag ist der Stadtzürcher Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (al.) vor die Medien getreten. Er verkündete Folgendes: Die Stadtpolizei Zürich wird die Nationalität von Tätern und Opfern in Medienmitteilungen per sofort nicht mehr nennen. Dies sei diskriminierend, schüre Ressentiments und liefere fremdenfeindlichen Menschen lediglich Futter. Die Herkunftsnennung verdecke vielmehr die wahren Ursachen von Kriminalität, nämlich Armut, tiefes Bildungsniveau oder Kriegstraumata. Die Nationalität sei kein Tätermerkmal, ihre Nennung komme vielmehr einer Vorverurteilung gleich.Dieser Entscheid ist falsch. Und das gleich aus mehreren Gründen: Wer die Nationalität von Tätern nicht mehr nennen will, erweckt den Eindruck, er wolle etwas verschweigen. Das schürt natürlich mehr Ressentiments, als es reduzieren kann. Zudem wird die Nationalität spätestens vor Gericht ohnehin genannt. Mit der Zurückhaltung dieser Information schiessen vielmehr wilde Spekulationen ins Kraut, die ab einem gewissen Stadium nicht mehr zu kontrollieren sind.
https://www.nzz.ch/zuerich/zensur-in-polizeiberichten-ein-falscher-entscheid-ld.1326902

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