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Saturday, April 01, 2017

Bigotterieweltmeister

Gleichzeitig mit der Genehmigung eines neuen Außenpostens, der ersten solchen Erlaubnis seit 25 Jahren, hat die israelische Regierung am Donnerstag deutlich gemacht, daß sie damit keineswegs einen Startschuß geben wolle für eine massive Ausweitung des Ausbaus von »Siedlungen«. In der Tat ist das Gegenteil der Fall, wie selbst eine nicht gerade unkritische Haaretz erstaunt feststellt.
»Die am weitesten rechts stehende Regierung, die Israel je hatte, schränkt den Siedlungsbau ein – und die Siedler bleiben stumm«, konstatiert die liberale Tageszeitung aus Tel Aviv. Sollte Premier Benjamin Netanjahu aber gehofft haben, damit außerhalb der inzwischen nicht mehr ganz so neuen amerikanischen Regierung überhaupt wahrgenommen zu werden, müßte man ihn naiv nennen.
Wie wiederum Haaretz beobachtet, hätte Jerusalem auf diesen als Zeichen guten Willens gedachten Schritt verzichten können, wie die Reaktion besonders einiger europäischer »Verbündeter« Israels zeigt: »EU, Deutschland, Frankreich und Großbritannien verurteilen die Genehmigung einer neuen Siedlung. In koordinierten Stellungnahmen bleiben die beschlossenen Restriktionen unerwähnt«.
Und tatsächlich, gerade der Blick in den neuesten offiziellen deutschen Kommentar israelischer Politik offenbart ein Maß an Arroganz, das wohl nur schwer zu übertreffen ist. Diplomaten, denen eben selbst der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einen schweren Fehler bei der Wahl eines »palästinensischen« Kooperationspartners bescheinigte, erdreisten sich, über Israel herzufallen.
Mit der Entscheidung, »erstmals [!] seit [!] vielen [!] Jahren [!] eine neue Siedlung zu gründen«, so die deutschen Sponsoren eines »Generalmajors« Jibril Rajoub, der von Kernwaffenangriffen auf Israel träumt, scheinheilig, werde »unser Vertrauen in den Willen der israelischen Regierung auf die Probe« gestellt, »einen verhandelten Frieden zu erreichen«. Um deren Vertrauen werben? Wozu?
Indem sie, wie ihnen eben ausgerechnet Haaretz bescheinigt, Informationen unterschlagen, die doch nicht ganz unwichtig scheinen, indem sie also Desinformation betreiben – und das auch noch im Verbund mit anderen –, offenbaren diese Vertreter Deutschlands, wie es in ihnen tickt. Sie sind es, die jedes Vertrauen verspielt haben. Daß und wie sie sich zu Richtern aufschwingen, ist schamlos.
 http://www.tw24.net/?p=13482

Wednesday, February 01, 2017

Was zählt

Bei SPIEGEL mag man Israel nicht. Und das hat mit leider allzu verbreiteten Ressentiments ganz ohne Zweifel mehr zu tun als mit konkreten oder auch nur ausgedachten Missetaten, die man den Verantwortlichen des jüdischen Staates vorhalten könnte. Wie das Vorurteil wirkt, läßt sich an einer »Nachricht« vom Montag beobachten, in deren Zentrum eigentlich das Regime in Teheran steht.
Die Mullahs haben am Sonntag eine ballistische Rakete getestet und damit möglicherweise gegen Auflagen des Atom-Deals vom Juli 2015 verstoßen. Doch für den SPIEGEL war nicht etwa diese Information wichtig, sondern die betont an den Anfang der Meldung gestellte Feststellung, »Donald Trump und Benjamin Netanyahu sind erklärte Gegner des Atomabkommens mit Iran«.
Das könnte für die islamistischen Herrscher in Teheran auch gelten, denen ihre Zustimmung zum Wiener Abkommen ja schließlich mit Sanktionen und dem Angebot zahlreicher Vergünstigungen auch erst abgerungen werden mußte. Und erst recht stellte ein aktiver Verstoß gegen den Deal wohl etwas dar, was als dessen Ablehnung gelten müßte. Aber das ist offensichtlich zweitrangig.
Von Bedeutung für den SPIEGEL sind »Donald Trump und Benjamin Netanyahu«, die »erklärte[n] Gegner des Atomabkommens«, dessen Ablehnung schwerer zu wiegen scheint als dessen denkbarer Bruch. Dabei äußerten sich im Tagesverlauf auch die Europäische Union und Deutschland besorgt: Beide betonen sogar, der Raketentest sei »unvereinbar mit der geltenden Resolution 2231«.
Doch davon war beim SPIEGEL schon nichts mehr zu lesen, Sigmar Gabriel eine Ablehnung des Deals nachzusagen, wäre ja auch ein wenig verwegen. Aber so offenbart sich erst recht das Ressentiment: USA und Israel, Donald J. Trump und Benjamin Netanjahu werden für etwas angeprangert, das nicht einmal mehr Nachrichtenwert hat, schließen sich EU und Deutschland an.
 http://www.tw24.net/?p=13321

Tuesday, August 16, 2016

»Voll vertretbar«

Mit einer am vergangenen Abend veröffentlichten Stellungnahme haben Susanne Glass und Markus Rosch auf Kritik an ihrer Berichterstattung für tagesschau und tagesthemen über die Versorgung der Kleinstadt Salfit in den umstrittenen Gebieten mit Wasser reagiert. Während sie nahezu alle an sie gerichteten Vorwürfe zurückweisen, räumen sie allerdings zwei Versäumnisse ein:
»Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. [..]
Auch sei angemerkt, dass unser Beitrag – weil wir eben leider die Siedlerseite (auch zu ihrer Verteidigung) nicht vor die Kamera bekommen haben, bewusst darauf verzichtet, den Wasserverbrauch der Siedler (z.B. Pools, intensive Bewässerung) zu zeigen [..].«
Wurden schon die gesendeten Beiträge mit den Worten kommentiert, »die machen genau das gleich wie Hitler mit den Juden es gemacht [sic!]«, möchte man gar nicht darüber nachdenken, wie die Reaktionen ausgesehen hätten, müßten die Journalisten nichts bedauern. Und womöglich muß man ihre Einsicht vor diesem Hintergrund als eine Drohung verstehen. Fehler machen für sie nur andere.
Trotz aller Mühen, ihre Arbeit zu verteidigen, gelingt es Susanne Glass und Markus Rosch nicht, mit ihren Worten zu überzeugen. Wenn sie etwa darauf beharren, der Ruf ihres »Experten« Clemens Messerschmid sei tadellos, offenbaren sie eine Blindheit, die ihresgleichen sucht. Der Deutsche bezichtigt Israel des Wasserdiebstahls und versucht, den Begriff »Wasser-Apartheid« zu etablieren.
Daß sie trotz unübersehbar politisch gefärbter Ansichten Clemens Messerschmids auf eine Darstellung anderer Positionen verzichteten, begründen Susanne Glass und Markus Rosch damit, »dass wir wegen eines« – völlig überraschend angesetzten? – »hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben«.
Dennoch habe man aber »in diesem Fall der Schnelligkeit den Vorrang gegeben«. Doch genau hier liegt das Problem: Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für »Schnelligkeit«. »Palästinensische« Medien sehen in diesen Tagen keinen Anlaß, aus Salfit zu berichten – aber deutsche Journalisten haben es so eilig, daß sie nicht noch zwei Tage auf israelische Stellungnahmen warten konnten?
Liegt ob dieser Umstände nicht der Verdacht nahe, daß der »hohe jüdische Feiertag« Susanne Glass und Markus Rosch tatsächlich sehr willkommen war, weil sie genau die verleumderischen Beiträge senden wollten, die schließlich am Sonntag auch ausgestrahlt wurden? Immerhin jedenfalls ist es ihnen damit gelungen, vorzuführen, was bei tagesschau und -themen als »voll vertretbar« gilt.
 tw24

Friday, April 08, 2016

Zürcher Einfalt

Über einen Text des auch für die israelische Zeitung Haaretz schreibenden Carlo Strenger in der NZZ hat – wahrscheinlich – ein Redaktor des teuren Qualitätsmediums aus Zürich einen Satz gesetzt, über den durchaus nachzudenken lohnt: »Wie ein übler Vorfall in Hebron zeigt, neigen israelische Soldaten nach palästinensischen Terrorattacken dazu, Selbstjustiz zu üben.«
Ja, so einfach ist das offenbar: Ein Vorfall, mögliches Fehlverhalten eines Soldaten, über dessen rechtliche und moralische Bewertung noch gestritten und verhandelt wird, belegt, daß »israelische Soldaten nach palästinensischen Terrorattacken dazu [neigen], Selbstjustiz zu üben«. Läßt sich massive Voreingenommenheit gegenüber israelischen Soldaten anschaulicher demonstrieren?
Käme jemand auf die Idee, die nahezu täglichen Messer-Attacken »palästinensischer« Terroristen als Beleg dafür zu zitieren, »Palästinenser« pauschal als tickende Zeitbomben zu betrachten, er oder sie könnte eine solche Vermutung wohl nicht in der NZZ unterbringen, weil sie – selbstverständlich – Unsinn ist. Doch israelische Soldaten zu verleumden, dafür ist sich das Blatt nicht zu schade.
Das Video, das den »üblen Vorfall in Hebron« zeigt, dem der Versuch vorausging, mindestens einen israelischen Soldaten zu ermorden, zeigt noch mehr: eine ganze Reihe Uniformierter, die nicht auf einen am Boden liegenden »palästinensischen« Terroristen schießen. Doch diese Passivität bedeutet offenbar – nichts. Denn »israelische Soldaten« neigen ja »dazu, Selbstjustiz zu üben.«
Beweist ein übler Satz über einem ansonsten vielleicht sogar akzeptablen Diskussionsbeitrag, daß die NZZ ein Hort von Antisemiten ist, von von Ressentiments beherrschten Dummköpfen? Noch jedenfalls ist der eine Satz unbeanstandet, also in den Augen der NZZ-Belegschaft ganz offenbar nicht problematisch. Was ein Schuß in Hebron doch alles in Zürich anrichten kann …
 tw24

Wednesday, March 04, 2015

Made in Germany

Der deutsche Staatsfunk, der den Anspruch erhebt, journalistische Qualität zu liefern, ist ein teurer und schlechter Witz. Die “Berichterstattung” exemplarisch des DLF rund um die jüngste Reise des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu in die USA ist ein Beleg für die wahnhafte Voreingenommenheit, die sich eine Journaille erlauben kann, die keine private Konkurrenz fürchten muß.
Während ausgeblendet wurde, daß selbst mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) die nicht eben israelfreundlichen Vereinten Nationen dem Regime der Islamischen Republik Iran mindestens Intransparenz vorwerfen und ernsthafte Zweifel an allein friedlichen Motiven hinter dessen Atomprogramm hegen, definierte der Kölner Deutschlandfunk sein Niveau beispielgebend so:
“Benjamin Netanjahu ist mal wieder so richtig sauer. Das liegt vielleicht daran, dass Israels Regierungschef ohnehin fast immer sauer auf irgendetwas ist.”
Damit macht der Staatsfunk den israelischen Ministerpräsidenten mit seinen Befürchtungen zur Witzfigur und verharmlost oder leugnet die nicht nur für Israel vom Regime in Teheran ausgehende Bedrohung. “Herr Mützenich”, begrüßt der Journaillist Dirk Müller seinen sozialdemokratischen Gesprächspartner Rolf Mützenich denn auch prompt, “warum nehmen wir Netanjahu nicht ernst?”
Es ist offenbar ein Riesenspaß, wenn das Regime in Teheran wieder und wieder bekräftigt, Israel mitsamt dessen Mehrheitsbevölkerung auslöschen zu wollen, vorher aber noch Wettbewerbe veranstaltet, in denen Opfer des Holocaust verhöhnt werden, und seine Schreckensherrschaft nach innen dadurch absichert, daß es Menschenrechtsaktivisten Anlaß gibt, über eine Rekordzahl von Hinrichtungen zu klagen.
Aber nein, es ist eben nicht die Barbarei der Islamischen Republik, für die sich der deutsche Staatsfunk interessiert, sondern ein Benjamin Netanjahu, dessen Haupteigenschaft offenbar ist, “fast immer sauer auf irgendetwas” zu sein. Wer das Journalismus nennt, kann dann auch an anderer Stelle beharrlich lügen desinformieren. Wer hat Benjamin Netanjahu in die USA eingeladen?
Wer lesen kann, könnte wissen, daß der Likud-Politiker von John Boehner, dem Sprecher des Repräsentantenhauses, “on behalf of the bipartisan leadership of the U.S. House of Representatives and the U.S. Senate” gebeten wurde, im Kongreß über das iranische Kernwaffenprogramm zu sprechen. Wer dem DLF zuhört, erfährt, “der israelische Ministerpräsident hatte ohne Absprache mit dem Weißen Haus vor dem US-Kongress gesprochen – nur auf Einladung der Republikaner”.
Nahmen “wir Netnajahu” vorher “nicht ernst”, sind “wir” hinterher mit – na klar – Michael Lüders ernsthaft entsetzt und fragen fungieren als bloßer Stichwortgeber für den Lobbyisten: “War dieser Auftritt als solcher nicht schon eine Provokation?”“In der Tat! Es war ein sehr provozierender Auftritt”. Und weil das noch nicht reicht, redet er sich in Rage, der zwangsabgabenfinanzierte provozierte Reinhard Bieck:
“Nun hat Netanjahu bedauert, dass manche seinen Besuch im Kapitol parteipolitisch interpretierten. Aber ich bitte Sie, ein Regierungschef mitten im Wahlkampf, eingeladen von einer Partei, die dem eigenen Präsidenten jeden sich bietenden Knüppel zwischen die Beine wirft, ist das denn nicht Parteipolitik pur? Alles andere wäre doch naiv, oder?”
Formuliert so, wer bloß Bestätigung will oder tatsächlich eine Antwort? Michael Lüders jedenfalls langweilte ein wenig und wiederholte nur: “In der Tat!” Abwechslungsreicher immerhin ging es zu, als Christine Heuer, die den Reinhard Bieck einen “Kollegen” nennt, sich ihr “In der Tat!” von Shimon Stein erhoffte, früherem Botschafter Israels in Berlin. Doch der erlaubte sich – dies:
“[W]enn ich mir die Details [anschaue], die wir wissen [..], was rauskommt [..], dann muss ich sagen, viel, viel mehr muss getan werden in Sachen Verifizierung. Viel mehr muss auch getan werden, dass die Fähigkeiten [des Iran] massiv eingeschränkt werden.”
Zwar bezweifelt Shimon Stein, daß Benjamin Netanjahus Rede etwas bewirken könne, seine inhaltliche Zustimmung jedoch bringt die Deutsche aus der Fassung: “Sie stimmen, Herr Stein, Benjamin Netanjahu dann in der Sache zu”? “Übrigens nicht nur ich!” Hätte eine Journalistin nun die Gelegenheit genutzt, über “die Sache” zu reden, bleibt die Journaillistin hartnäckig nur in einer Frage:
“Herr Stein, ich lasse Sie aus der Wahlfrage noch nicht ganz heraus. Die Wähler entscheiden, sagen Sie. Sie sind auch ein Wähler. Wünschen Sie sich einen neuen, einen anderen Ministerpräsidenten?”
Da – endlich! – antwortet der Befragte wie gewünscht: “Selbstverständlich!” Und so markiert dieser Schluß überaus anschaulich, worum es den Deutschlandfunkern nicht geht: um Informationen. Ihr Metier ist so sinn- wie besinnungsloses Eindreschen auf Benjamin Netanjahu und dessen Anliegen, dem sie nicht einmal den Hauch einer Berechtigung einzuräumen bereit sind. Kritischer Journalismus eben.
 tw24