Merkels Reise am kommenden Sonntag nach Ankara eine Woche vor der
Türkenwahl ist alles Mögliche: Ein Akt deutscher Verzweiflung, ein
ungeschickter Eingriff in die verfahrene türkische Innenpolitik und eine
entwürdigende Bettelreise, wo Erdogan alles fordern kann, was er bisher
wegen demokratischen Defiziten in seinem Land nicht bekommen hat. “Am
Sonntag werden alle Fragen – von der Lage in Syrien, über die
Visafreiheit, einen sicheren Herkunft- und Drittstaat, den gemeinsamen
Kampf gegen Terrorismus bis hin zur Situation der Menschenrechte in der
Türkei auf den Tisch kommen”, hatte Merkel in ihrer Regierungserklärung
am Donnerstag betont.
Schauen wir uns an, wie die hehren Menschenrechte in der Türkei mit
Füßen getreten werden. Mit der nationalen Minderheit der Kurden tobt
seit etwa 80 Jahren ein permanenter Bürgerkrieg. Wer aktuell daran
Schuld ist? Eigentlich egal. Beide Kriegsparteien schenken sich nichts.
Die Armenier wurden ausgerottet, die Griechen wurden vertrieben. Sicher,
die Griechen waren daran nicht unschuldig, aber Vertreibung ist keine
Antwort. Die Schuld am armenischen Völkermord wird noch heute geleugnet.
Die Christen werden in der Türkei diskriminiert. Enteignete Gebäude
werden nicht zurückerstattet. Der Übertritt zum Christentum ist
lebensgefährlich. Journalisten sind Freiwild der Justiz und die Justiz
ist nicht unabhängig und handelt ähnlich wie in Rußland oder Weißrußland
auf Weisungen der Regierung. Darunter leidet die Meinungsfreiheit.
Demonstrationen sind eigentlich nicht mehr möglich, weil Bomben
explodieren, mit oder ohne Wissen des Geheimdienstes. Der türkische
Staat ist gemessen an europäischen Regeln eine einzige Katastrophe.
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