Saturday, July 09, 2016

Versagerin

Wenn man sie danach befragt, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, was sie von Antisemitismus halte, dann gibt sie sich entschlossen. »Mit Mut, Zivilcourage kann [..] jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, dass Rassismus und Antisemitismus keine Chance haben«, erzählt sie etwa oder, »wir [brauchen] die Zivilcourage aller Menschen im Lande, dass sie Antisemitismus nicht dulden.«
Nun hat Michael Freilich, Chefredakteur der belgischen Zeitschrift Joods Actueel, der Kanzlerin einen Offenen Brief geschrieben, mit dem er sie über den Auftritt des »Präsidenten« des Regimes von Ramallah im Europäischen Parlament am 23. Juni informiert und um einen Kommentar zum daran anschließenden Verhalten der Abgeordneten der Volksvertretung in Brüssel bittet.
Abu Mazen hatte in seiner Rede die jüdische Demokratie Israel scharf angegriffen und verleumdet und sich dabei klassischer antisemitischer Motive bedient: So behauptete er, israelische Rabbiner hätten die Regierung in Jerusalem aufgefordert, Trinkwasser zu vergiften, um einen Genozid an den »Palästinensern« zu verüben, eine zu diesem Zeitpunkt bereits als haltlos widerlegte Behauptung.
Doch das Europäische Parlament applaudierte stehend, und Parlamentspräsident Martin Schulz, ein deutscher Sozialdemokrat, bedankte sich offiziell via Twitter für einen »inspirierenden« Auftritt. Im übrigen lehnt er, wie Michael Freilich schreibt, jede Klarstellung ab: »Für den Inhalt ihrer Adressen sind die Staatschefs selbst verantwortlich, es ist nicht Aufgabe des Parlaments, sie zu bewerten«.
Darf man nun, da das Europäische Parlament seine Unfähigkeit vorführte, Antisemitismus zu erkennen, und seinen Unwillen, ihm wenigstens nachträglich entgegenzutreten, ein mahnendes Wort Angela Merkels erwarten, der Politikerin, die verspricht, »wenn [..] Antisemitismus und Anti-Zionismus zum Ausdruck kommen, dann trete ich zumindest sehr entschieden dagegen auf«?
Nun, Michael Freilich erklärt, sein Schreiben sei zwar im Bundeskanzleramt zu Berlin eingetroffen, man habe ihm aber signalisiert, daß er nicht mit einer Antwort rechnen solle. Mit einer Online-Petition versucht der Chefredakteur von Joods Actueel jetzt, auf diese Demonstration deutscher Konsequenz hinzuweisen und ein Umdenken bei der »moralischen Führerin Europas« zu erreichen.
www.change.org/p/german-chancellor-angela-merkel-angela-merkel-speak-up-against-eu-inaction-on-abbas-anti-semitism

 tw24.net

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