Sunday, August 27, 2006

Zeit für ein Profiling der Fluggäste?

Daniel Pipes
Die Debatte über das Profiling von Fluggästen lebte nach dem verhinderten islamistischen Komplott zum Anschlag auf zehn Passagierflugzeuge am 10. August neu auf. Traurige Tatsache ist, dass durch Trägheit, Leugnung, Feigheit und Political Correctness westliche Sicherheitskräfte – mit der nennenswerten Ausnahme der von Israel – in erster Linie nach den Werkzeugen des Terrorismus suchen, die Passagiere aber im Großen und Ganzen ignorieren.Obwohl es seit dem 11. September 2001 einige Fortschritte gegeben hat, betrifft der Großteil die Überprüfung allen Handelns der Passagiere. 2003 begann z.B. die Transport Security Administration, die mit dem Schutz der US-Flugzeuge beauftragt ist, mit dem Einsatz eines Passagierprofiling-System, das „Screening of Passengers by Observation Techniques" (SPOT – Überprüfung von Passagieren durch Beobachtungstechniken) bekannt ist und inzwischen auf zwölf US-Flughäfen in Betrieb ist.SPOT ist nach Angaben von TSA-Sprecherin Ann Davis „das Gegenmittel des rassischen Profiling", bei dem Techniken vom US-Zoll und des israelischen Flughafensicherheitsdienstes übernommen wurden. Es erkennt „extrem hohe Level von Stress, Angst und Täuschung" durch die Erkennung von Verhaltensmustern". SPOT-Beamte beobachten Passagiere, die sich im Flughafen bewegen, wobei TSA-Beamte nach physischen Symptomen wie Schweiß, starre Körperhaltung und geballten Fäusten. Sein Screener verwickelt die „Ausgesuchten" dann in Gespräche und stellt unerwartete Fragen und schaut bei der Körpersprache auf unnatürliche Reaktionen. Die meisten der Angesprochenen lässt man sofort wieder gehen, aber rund ein Fünftel werden von der Polizei befragt.Nach dem Londoner Komplott führten die britischen Behörden einen SPOT-Crashkurs ein; man lernt direkt von den amerikanischen Kollegen.Auf diesem Ansatz aufbauend nutz eine israelische Maschine namens Cogito Algorithmen, Software zu künstlicher Intelligenz und Lügendetektor-Prinzipien, um Passagiere mit „feindlichen Absichten" zu erkennen. In Versuchsläufen mit Kontrollgruppen meldete die Maschine fälschlicherweise 8 Prozent unschuldige Reisende als mögliche Bedrohung und ließ 15 Prozent der gespielten Terroristen durch.Methoden, die die gesamte Bevölkerung betreffen, haben einen allgemeinen Wert – SPOT entdeckte Passagiere mit gefälschten Visa, gefälschten Ausweisen, gestohlenen Flugtickets und verschiedene Arten von Schmuggelgut – so ist ihre Brauchbarkeit in der Terrorbekämpfung zweifelhaft. Für Terroristen, die trainiert sind auf Fragen überzeugend zu antworten, Schwitzen zu vermeiden und ihren Stress zu kontrollieren, dürfte es ein Leichtes sein durch das System zu schlüpfen.Die Störungen nach den verhinderten Londoner Anschlägen sorgten für viel Diskussion über die Notwendigkeit sich auf die Quelle des islamistischen Terrorismus und das Profiling von Muslimen zu konzentrieren. Das Wall Street Journal drückte es in einem Kommentar so aus: „Eine Rückkehr zu irgendeiner Art von Reisenormalität verlangt, dass die Flughafensicherheitsorgane einen besseren Job machen, wenn sie Passagiere mit hohem Bedrohungspotenzial von solchen, die dies vermutlich nicht sind, trennen."Dieses Argument gewinnt an Schwung. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage stellt fest, dass 55 Prozent der Briten ein Profiling von Passagieren unterstützen, das „Hintergrund und Erscheinung" einbezieht; nur 29 Prozent sind dagegen. Lord Stevens, der ehemalige Leiter von Scotland Yards, begrüßt die Konzentration auf junge muslimische Männer. Der Guardian berichtet, dass „einige EU-Staaten, insbesondere Frankreich und die Niederlande, ausdrücklich Kontrollen muslimischer Reisender einführen wollen."Ein Politiker aus Wisconsin und zwei aus dem Staat New York sprachen sich für ein ähnliches Profiling aus. Fox News-Moderator Bill O'Reilly hat vorgeschlagen, dass „mit allen muslimischen Passagieren im Alter von 16 bis 45 Jahren gesprochen werden sollte". Mike Gallagher, einer der populärsten amerikanischen Radiomoderatoren, hat gesagt, er wolle in Flughäfen gerne „Schalter, an denen sich nur Muslime anstellen". In einer Kolumen für das Evening Bulletin schlug Robert Sandler vor „Muslime in ein Flugzeug zu setzen und den Rest von uns in ein anderes".Es wird berichtet, dass das britische Verkehrsministerium ein Passagier-Profiling einführen will, das den religiösen Hintergrund mit einbezieht. Nachrichten von britischen Flughäfen deuten darauf hin, dass dies bereits begonnen hat – manchmal sogar durch Mitreisende.Drei Schlussfolgerungen entstehen aus dieser Diskussion. Erstens muss es, weil islamistische Terroristen allesamt Muslime sind, eine Konzentration auf Muslime geben. Zweitens sind Vorstellungen wie „Schalter nur für Muslime" an Flughäfen nicht durchführbar; statt dessen muss Informationsbeschaffung die Bemühungen bestimmen, Muslime mit islamistischen Zielen aufzustöbern.Drittens bleibt die Chance, dass ein auf Muslime konzentriertes Profiling weit verbreitet eingeführt wird, vernachlässigbar gering. Derselbe Kommentar des Wall Street Journal merkt an: „Die Tatsache, dass wir um Haaresbreite 3.000 Menschenleben über dem Atlantik verloren hätten, verhindert immer noch nicht, dass die political correctness sich einer klügeren Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen in den Weg stellt."Angesichts des begrenzten Einflusses, den die 3.000 Toten des Jahres 2001 hatten und auf meiner Hypthese der „Erziehung durch Mord" aufbauend – nach der die Menschen bezüglich des Problems des radikalen Islam nur dann aufwachen werden, wenn Blut in den Straßen fließt – sage ich voraus, dass effektives Profiling erst dann eingeführt wird, wenn eine weitaus größere Zahl westlicher Toter – sagen wir 100.000 – zu beklagen ist.
Daniel Pipes (http://de.danielpipes.org) ist Direktor des Middle East Forum und Autor von "Miniatures: Views of Islamic and Middle Eastern Politics" (erschienen bei Transaction Publishers).
"die jüdische"