In der Debatte um eine sofortige Anerkennung
“Palästinas” als Staat durch die Vereinten Nationen und den Deutschen Bundestag in der vergangenen Woche haben nicht nur die
“linken”
Antragsteller ihre Weltfremdheit demonstriert. Auch ihre politische
Konkurrenz offenbarte eine – wohlwollend formuliert – teils beschämende
Ahnungslosigkeit.
So
“dachte” etwa der für die deutsche Sozialdemokratie
auftretende Niels Annen, die Gelegenheit sei günstig für ein paar
Angriffe auf den israelischen Premier Benjamin Netanjahu. Der habe
“sehr viel Zeit, eher zu viel Zeit, ungenutzt [..] verstreichen lassen”, sich für eine Zwei-Staaten-Lösung zu engagieren.
“Ich denke auch, man kann am Ende nur schwer dem
widersprechen, was Außenminister Kerry vor dem Kongressausschuss gesagt
hat. Er hat relativ deutlich gemacht, wo er den größten Hinderungsgrund
für das Scheitern seiner Initiativen gesehen hat, nämlich in der
Weigerung der Regierung Netanjahu, sich wirklich auf substanzielle
Gespräche einzulassen. Dazu gehört natürlich auch die Bereitschaft,
entsprechende Zugeständnisse zu machen.”
Daß man der Darstellung John Kerrys nicht unbedingt folgen muß, hat
Tzipi Livni, die als israelische Unterhändlerin mindestens so
glaubwürdig ist wie der
Secretary of State, gegenüber der
New York Times aufgezeigt.
Nach ihren Angaben, die Washington nicht bestreitet, war es Abu Mazen,
der sich weigerte, einen amerikanischen Lösungsvorschlag auch nur
wahrzunehmen:
“On March 17, in a meeting in Washington, President
Obama presented Mahmoud Abbas, the Palestinian leader, with a
long-awaited American framework for an agreement that set out the
administration’s views on major issues, including borders, security,
settlements, Palestinian refugees and Jerusalem.
Livni considered it a fair framework, and Netanyahu had
indicated willingness to proceed on the basis of it while saying he had
reservations. But Abbas declined to give an answer in what his senior
negotiator, Saeb Erekat, later described as a ‘difficult’ meeting with
Obama. Abbas remained evasive on the framework [..].”
Daß Niels Annen vor
diesem Hintergrund ausgerechnet Benjamin Netanjahu mangelnde Kompromißbereitschaft vorwirft, ihn beschuldigt,
“konkrete Schritte in Richtung einer Zwei-Staaten-Lösung unterminiert” zu haben, belegt die ganze Inkompetenz dieses Mitglieds einer Partei, die Abu Mazens Fatah ein
“strategischer Partner” sein will.
Doch auch Andrea Lindholz, sie sprach für die Unionsfraktion, wollte Jerusalem belehren.
Schrieb die
New York Times am 18. April,
“Israel
and the Palestinian Authority have reached an agreement to resolve a
monthslong dispute over the transfer of tax revenue Israel collects on
behalf of the Palestinians”, klagte die Abgeordnete fünf Tage später:
“Wenn die israelische Regierung diese Gelder nun
teilweise zurückhält, um damit politische Stimmungsmache zu betreiben
und Druck auf die palästinensische Verwaltung auszuüben, dann schadet
sie sich selbst [..].”
Tatsächlich hatte die israelische Regierung weniger
“politische Stimmungsmache”
betrieben, sondern mit dem einbehaltenen Geld Schulden verringert, die
das Regime in Ramallah bei israelischen Unternehmen angehäuft hatte –
und nach wie vor anhäuft. Daß das problematisch und vertragswidrig sein
könnte, ahnt Andrea Lindholz vermutlich nicht einmal.
Schuldentilgung, war für sie klar,
“verstößt [..] gegen Friedensverträge”. In einem dieser Verträge, den
Pariser Protokollen,
heißt es,
“jede
Seite wird ihr Bestes tun, um Schaden für die Industrie der anderen
Seite zu vermeiden, und sie wird die Interessen der anderen Seite in der
Politik im Bereich der Industrie einbeziehen”.
Liefern israelische Unternehmen Waren und Dienstleistungen nach
“Palästina”,
liegt es gewiß in ihrem Interesse, dafür angemessen bezahlt zu werden.
Und bleibt die Bezahlung aus, steigen die Schulden auf dreistellige
Millionenbeträge, entsteht genau dadurch ein Schaden. Die Schuldner,
nicht ihre Gläubiger, verstoßen damit gegen Friedensverträge.
Zwar verdient es Anerkennung, widersprachen Niels Annen oder Andrea Lindholz dem Ansinnen der Fraktion der Partei
Die Linke.
Dieser Widerspruch wird aber entwertet, diente er doch nur als Anlaß
für in jeder Hinsicht unbegründete Vorwürfe an die israelische
Regierung. Wer Benjamin Netanjahu verleumdet, ist Teil des Problems.
tw24