Saturday, April 17, 2010

Hitlers Dschihad

Mit Radiopropaganda wollten die Nazis die arabische Welt auf ihre Seite ziehen. Neue Dokumente zeigen, wie sie die Muslime aufwiegelten.
„Tötet die Juden, bevor sie euch töten!“ Knisternd dringt die markante Stimme aus dem kleinen hölzernen Kasten auf dem Vertiko. Fliegen schwirren umher. Mit gleichmäßigem Schwung durchschneiden die schweren Rotorblätter des Deckenventilators die schwüle Luft. Durch die weiß gestrichenen Jalousien dringt ein wenig Licht in den weiten Innenraum. Draußen lärmt die Straße. Kairo am 7.Juli 1942. Um das Gerät drängt sich eine kleine Schar Zuhörer. „Psst! Der Mufti spricht!“ Aus dem Rundfunkempfänger dringen die bellenden Worte von Haj Mohammed Amin al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem, einem treuen Vasallen Adolf Hitlers. Seinen schneidigen Aufruf zur Tötung der Juden hält der Mufti im fernen Berlin. Denn noch ist Kairo in britischer Hand. Während Rommels Afrikakorps nur 120 Kilometer westlich von Alexandria steht, warten manche Kairoer sehnlichst auf die als Erlöser bewunderten Deutschen. In höchster Spannung steht die jüdische Gemeinschaft in Palästina. Das Gebiet unter britischem Mandat gleicht seit den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern einem Pulverfass. Es steht viel auf dem Spiel. Sollte es den Deutschen und Italienern gelingen, die alliierten Verteidigungslinien bei El Alamein zu durchbrechen, droht den mittlerweile rund 700 000 Juden in Palästina, unter ihnen Tausende Flüchtlinge aus Europa, die Vernichtung.
Den Nazis ist es ernst mit der „Endlösung der Judenfrage“ auch im Nahen Osten. Eine entsprechende SS-Einsatzgruppe, die als nachrückende Truppe der Wehrmacht den Judenmord organisieren soll, ist bereits formiert. Und wie schon in vielen besetzten Ländern Europas soll sie auch hier auf die tatkräftige Unterstützung einheimischer Kollaborateure setzen.
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merkur.de

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