Friday, November 13, 2015

Der Brandstifter als Jammerlappen

Wer glaubte, die anscheinend nach unten offene Peinlichkeitsskala wäre von unseren Qualitätsmedien bereits ausgereizt worden, hat sich getäuscht. Die Morgenpost hat vor wenigen Tagen mit ihrem Interview mit dem untalentierten Falk Richter, aus dessen Feder das radikale Haßstück „Fear“ stammt, das an der Berliner Schaubühne gezeigt wird, bewiesen, dass es immer noch peinlicher geht.
Schon in seiner Fragestellung passt sich der Interviewer dem Niveau von Richter an. Er will tatsächlich wissen, ob es Richter überrasche, dass er „ins Visier des Pöbels“ geraten sei. Damit sind Leute wie ich und Matthias Matussek gemeint, die es gewagt haben, Richters Philippika gegen Andersdenkende zu kritisieren und auch jene Morgenpostleser, die uns unterstützen. Wenn „Pöbel“ jetzt zum Sprachgebrauch eines bürgerlichen Blattes gehört, dann ist das eine entlarvende Entwicklung des helldeutschen Journalismus.
In seiner Antwort lässt Richter erkennen, dass er sein eigenes Stück nicht begriffen hat. Es ist nichts anderes als eine übelste Hasstirade auf Andersdenkende, in dem es von Tötungsaufrufen gegen die „Zombies“, denn Andersdenkende sind nicht mal mehr Menschen, nur so wimmelt, verstärkt mit Fotos auf dem die Augen einer angeprangerten Person ausgestochen sind. Wie genau das von der extremistischen Linken verstanden und in die Tat umgesetzt wird, beweisen die Brandanschläge auf Autos, Büros und Firmengebäude der von Richter vorgeführten Personen. Wenn sich dann dieser geistige Brandstifter über wachsenden Hass in der Gesellschaft beschwert, ist das schon fast Realsatire. Wenn jemand Hass geschürt hat, ist es Richter mit seinem Stück.
Grotesk auch, wie er versucht, sich größer zu machen, indem er seine Kritiker dämonisiert. Bettina Röhl wird zur Putschistin erklärt, die zum Staatsstreich aufruft, vier völlig voneinander unabhängige Frauen werden nach stalinistischer Manier zur „Gruppe“ erklärt, die angeblich die CDU zur AfD machen will. Ihn dafür Denunziant zu nennen ist ein zu großes Wort für diesen Kleingeist. Nein, er ist einfach eine Petze und verdient nicht mehr, als den mitleidigen Spott, den wir in unserer Kindheit für diese Petzen übrig hatten.
Wer will wohl eine Petze „lynchen“? Richter spricht da vorsichtshalber von einem Autor in der dritten Person. Ich glaube ebenso wenig an die Morddrohungen gegen Richter, wie ich an den rechtsradikalen Überfall auf einen Tagesspiegel- Journalisten geglaubt habe. Richters Unglaubwürdigkeit ist auch an anderer Stelle evident. Er spricht von 500 Asylbewerberheimen, die „gebrannt“ haben. Er benutzt diese vage Formulierung, weil er ganz genau weiß, dass in vielen Fällen die Brände von den Bewohnern verursacht wurden, einige absichtlich, die meisten versehentlich durch unsachgemäßen Umgang mit Elektrogeräten. Richter stellt das aber in einem Zusammenhang, der nahelegen soll, bei diesen Bränden habe es sich ausschließlich um Anschläge von Pegida oder AfD gehandelt. Wer zu so solchen demagogischen Mitteln greift, kann sich schwerlich zur „zivilen Mehrheit“ zählen und ist schon gar kein Verteidiger der Demokratie. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Richter Spiegelfechterei mit seinen eigenen Dämonen betreibt. Satire darf ja alles, wie Tucholsky feststellte. Leider ist Satire keine geschützte Bezeichnung, also offen für Missbrauch. Auch Heiner Müller kann sich nicht gegen seine Vereinnahmung durch Richter wehren, der zu seinem geistigen Henker wird, indem er ihn für sein Machwerk vereinnahmt. Müller, wenn er es erführe, würde sich in seinem Grab umdrehen, denn er hatte an seinem Lebensende gesagt: „Auf dem Bildschirm sehe ich meine Landsleute mit Händen und Füßen abstimmen gegen die Wahrheit, die vor vierzig Jahren mein Besitz war. Welches Grab schützt mich vor meine Jugend?“
 achgut / Vera Lengsfeld

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