Die Freude über die “Refugees” ließ viele vergessen, dass wir nicht
nur Renteneinzahler und “dringend benötigte Fachkräfte” von fernher
bekommen (wenn solche denn kommen), sondern eben auch Menschen – junge
Männer zumal –, die mit dem soziokulturellen Kompass ihrer Heimat im
Kopf und mit teilweise grundverschiedenen Rollenmodellen mitten in
unserem Alltag Platz nehmen. Populistisch ausgedrückt: Mittelalter
trifft auf Moderne.
Als Kulturschock empfunden wird das Aufeinanderprallen inkompatibler
Menschenbilder vornehmlich bei engagierten Ansässigen; die müssen sich
neuerdings unter Schmerzen von ihren idealistischen Vorstellungen vom
“edlen Flüchtling” oder, alternativ, vom armen, hilflosen “Kriegsopfer”
verabschieden.
So kürzlich anlässlich einer interkulturellen Willkommens-Party in
Bonn, die dem Kennenlernen zwischen “Refugees” und Einheimischen,
besonders aber ihren freiwilligen Helfern dienen sollte.
Laut Facebookseite des Mit-Veranstalters “Refugees Welcome Bonn e.V.”
stellten einige weibliche Partygäste am Abend verstört fest, dass mit
den Flüchtlingen offenbar auch ein zutiefst rückständiges Frauenbild ins
Land und zum Feiern gekommen ist. Und ein übergriffiger Triebstau, der
sich aggressiv über jedes weibliche “Nein!” hinwegsetzt. “Refugees
Welcome Bonn e.V.” sah sich zu einer Stellungnahme genötigt:
“Auf der Party wurden, unserer Beobachtung nach, diverse Frauen von
Männern belästigt, ungewollt angefasst oder unangebracht angegangen.
Dafür möchten wir uns als Mit-Veranstalter in aller Form entschuldigen.”
Erschrocken registrierten danach einige Gäste der Bonner “Get
Together”, wie in ihnen selber plötzlich Gedanken, Hass und Wut
aufkeimten, die für sie bislang immer nur in rechten Jauchegruben
geblubbert hatten. Auf Facebook fallen seitdem die letzten Hüllen:
“Da ging es nicht um interkulturelle Kommunikation. Ein absolutes no
go und der Abend hatte sich damit für uns erledigt. Ich hatte mir das
anders Vorgestellt. Grade weil ich durch meinen Arbeitgeber mit der
Flüchtlingsarbeit zu tun habe und diese Veranstaltung als eine gute Idee
angesehen hatte.”
So schnell kann’s gehen – eben noch ein Helferlein, und plötzlich selbst ein rechtes Schwein.
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