Friday, November 13, 2015

Nach der Party. Oder: Die Flucht vor dem Flüchtling

Die Freude über die “Refugees” ließ viele vergessen, dass wir nicht nur Renteneinzahler und “dringend benötigte Fachkräfte” von fernher bekommen (wenn solche denn kommen), sondern eben auch Menschen – junge Männer zumal –, die mit dem soziokulturellen Kompass ihrer Heimat im Kopf und mit teilweise grundverschiedenen Rollenmodellen mitten in unserem Alltag Platz nehmen. Populistisch ausgedrückt: Mittelalter trifft auf Moderne.
Als Kulturschock empfunden wird das Aufeinanderprallen inkompatibler Menschenbilder vornehmlich bei engagierten Ansässigen; die müssen sich neuerdings unter Schmerzen von ihren idealistischen Vorstellungen vom “edlen Flüchtling” oder,  alternativ, vom armen, hilflosen “Kriegsopfer” verabschieden.
So kürzlich anlässlich einer interkulturellen Willkommens-Party in Bonn, die dem Kennenlernen zwischen “Refugees” und Einheimischen, besonders aber ihren freiwilligen Helfern dienen sollte.
Laut Facebookseite des Mit-Veranstalters “Refugees Welcome Bonn e.V.” stellten einige weibliche Partygäste am Abend verstört fest, dass mit den Flüchtlingen offenbar auch ein zutiefst rückständiges Frauenbild ins Land und zum Feiern gekommen ist. Und ein übergriffiger Triebstau, der sich aggressiv über jedes weibliche “Nein!” hinwegsetzt. “Refugees Welcome Bonn e.V.” sah sich zu einer Stellungnahme genötigt:
“Auf der Party wurden, unserer Beobachtung nach, diverse Frauen von Männern belästigt, ungewollt angefasst oder unangebracht angegangen. Dafür möchten wir uns als Mit-Veranstalter in aller Form entschuldigen.”
Erschrocken registrierten danach einige Gäste der Bonner “Get Together”, wie in ihnen selber plötzlich Gedanken, Hass und Wut aufkeimten, die für sie bislang immer nur in rechten Jauchegruben geblubbert hatten. Auf Facebook fallen seitdem die letzten Hüllen:
“Da ging es nicht um interkulturelle Kommunikation. Ein absolutes no go und der Abend hatte sich damit für uns erledigt. Ich hatte mir das anders Vorgestellt. Grade weil ich durch meinen Arbeitgeber mit der Flüchtlingsarbeit zu tun habe und diese Veranstaltung als eine gute Idee angesehen hatte.”
So schnell kann’s gehen – eben noch ein Helferlein, und plötzlich selbst ein rechtes Schwein.
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