Monday, September 22, 2008

Ates: Berliner Broschüre undifferenziert und einseitig

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates ist eine der prominentesten Kritikerinnen von Kopftuch, islamischem Fundamentalismus und dem von ihr so genannten Multikulti-Irrtum. Vergangene Woche sorgte sie erneut für Diskussionen. Als »einseitiges Pamphlet für das Kopftuch« kritisierte sie die von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin herausgegebene Broschüre »Mit dem Kopftuch außen vor«, in der Kopftuch tragende Frauen von Diskri­minierung berichten.
In der Broschüre der Senatsverwaltung ist zu lesen, dass sich alle befragten Musliminnen vom Berliner Neutralitätsgesetz, das seit 2005 das Tragen aller religiösen Symbole in Bereichen des öffentlichen Dienstes verbietet, diskriminiert fühlen. Geht es Ihnen auch so?
Nein, natürlich nicht. Das ist ja genau einer der vielen Mängel dieser Broschüre. Nicht nur mir, sondern auch Necla Kelec und anderen Frauenrechtlerinnen wird allzu oft vorgeworfen, dass wir zu sehr verallgemeinern würden, undifferenziert seien und sehr einseitig. Dieser Vorwurf sollte allerdings besser gegen diese Broschüre ge­richtet werden. Bereits am Anfang heißt es dort, dass 100 000 muslimische Frauen in Berlin leben und die wenigsten davon ein Kopftuch tragen würden. Das ist eine Feststellung, die so nicht be­legt ist. Eine derartige Behauptung kann sich doch eine Senatsverwaltung für Integration nicht leisten. Wenn die Verantwortlichen schon so eine Broschüre herausgeben, dann sollten darin auch fundierte Aussagen stehen. Ich fordere schon seit langem, dass es wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema geben muss. Wir brauchen Zahlen statt Behauptungen.
Warum bezeichnen Sie die Broschüre als »einseitiges Pamphlet für das Kopftuch«?
Wenn schon über das Kopftuch debattiert wird, muss das Thema von allen Seiten betrachtet und eben auch kritisch beleuchtet werden. Wir sehen doch alle, dass immer mehr Erwachsene Kopftücher tragen, die wiederum Kinder dazu bringen, ebenfalls Kopftücher zu tragen. Diese Reli­gio­sität, die den Kindern aufgezwungen wird, bringt gesellschaftliche Probleme mit sich. In die­sen Wochen ist Fastenzeit, und die Kinder fasten in der Schule, daher können sie sich nicht auf die Schule konzentrieren. Die Kinder tragen das Kopf­tuch, obwohl dies nicht mal von der strengsten Auslegung des Koran gefordert wird. Gerade habe ich im Ruhrgebiet drei Mädchen im Alter zwischen sieben und neun Jahren fotografiert, die mit ihren Kopftüchern auf der Straße spielten. Das ist unerträglich.
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