Tuesday, September 23, 2008

Volksfrontspektakel am Rhein

Nicht einmal zu den grundlegendsten Einsichten sind die Kämpfer gegen Rechts fähig – Einsichten, wie sie Ralph Giordano nach der Kölner Demonstration sehr treffend in einem Beitrag für die Welt am Sonntag formuliert hat. „Das Großspektakel ist eine Mogelpackung“, schrieb er dort, „gibt es doch in Wahrheit zwischen der Rechts-außen-Camorra des alten Kontinents und islamischer Orthodoxie zahlreiche Parallelen und Wesensverwandtschaften – in der reaktionär-patriarchalischen Familienmoral, der Verachtung von Frauen, der Ablehnung des aufgeklärten und emanzipierten Individuums, dem spezifischen Hass auf Juden und dem gemeinsamen Ziel, der Zerstörung des demokratischen Verfassungsstaates“. Keine Erkenntnisse, für die man ein abgeschlossenes Hochschulstudium bräuchte, und dennoch war nichts davon am Samstag in Köln zu vernehmen. Stattdessen durfte sich selbst Mina Ahadi den Vorwurf anhören, eine „Rassistin“ zu sein, obwohl sie nicht nur die Zumutungen der Politreligion Islam am eigenen Leib kennen gelernt, sondern auch ihre Ablehnung von Pro Köln und Konsorten sehr deutlich gemacht hat. So deutlich, wie auch Giordano wurde: „Im Kampf gegen den Terrorismus unter der Fahne des Propheten wie auch gegen eine schleichende Islamisierung, wie ich ihn an der Seite kritischer Muslime führe, ist der Euro-Faschismus kein Bundesgenosse, sondern der eingeborene Feind der historisch und politisch berechtigten Islamkritik. Mit aller Kraft gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit – ja! Aber ebenso gegen Ausgrenzung und Abschottung von Frauen in den Parallelgesellschaften, gegen die Inflation von Zwangsehen, die unsägliche Perversität der ‚Ehrenmorde’ und manch andere Praktiken.“Doch vom islamischen Faschismus war in der Domstadt so gut wie gar nicht die Rede, und deshalb mochte Giordano die Blockade der Pro Köln-Kundgebung auch nicht uneingeschränkt loben: „Entdecke ich doch unter denen, die sich da lautstark gegen den ‚Anti-Islamisierungskongress’ engagieren, nur allzu viele, die jede Kritik am Islam, an seiner Geschichte, seiner Vergangenheit und Gegenwart notorisch als ‚rassistisch’ oder ‚islamophob’ denunzieren. Multikulti-Illusionisten, xenophile Einäugige, Gutmenschen vom Dienst, Beschwichtigungsapostel à la Claudia Roth und Hans-Christian Ströbele, für die das Spektakel der Euro-Faschisten nur eine weitere Gelegenheit war, sich in ihrer unkritischen Islamophilie zu sonnen.“ Der Schriftsteller kündigte daher an: „Ich werde trotz aller Einschüchterungsversuche von deutscher wie von muslimischer Seite auch weiterhin bekämpfen, was mich auf meine alten Tage das Fürchten lehren will – den militanten Islam, den einheimischen Rassismus und die Politkatastrophe der deutschen ‚Umarmer’. Und das wie bisher an der Seite so tapferer Muslima wie Necla Kelek, Seyran Ates, Mina Ahadi und Ayaan Hirsi Ali.“Den Kölner Ralph Giordano hat niemand gebeten, am vergangenen Samstag auf dem Roncalliplatz oder am Gürzenich zu reden. Bereits das spricht Bände. Hätte man ihn eingeladen und hätte er das gesagt, was er in der Welt am Sonntag geschrieben hat, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein gellendes Pfeifkonzert die Folge gewesen. Denn bei denjenigen, die die mörderische Intoleranz des Islam anprangern, hat die kollektive kölsche Toleranz ein so jähes Ende wie sonst nur bei deutschen Rechtsradikalen.
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