Tuesday, April 12, 2016

Inszenierte Katastrophe

Es ist nicht erst seit gestern bekannt, daß zu den Sorgen, die den friedlicheren Teil der Bevölkerung Gazas plagen, jene um die Versorgung mit Trink- und Nutzwasser gehört. Salziges Meerwasser und Abwasser verunreinigen die ohnehin schwindenden Grundwasservorräte, Infrastruktur ist in einem teils erbärmlichen Zustand, in wenigen Jahren soll Gaza nach UN-Prognosen unbewohnbar sein.
Der elende Status quo und die vorhergesagte Katastrophe sind freilich auch willkommenes Futter für eine routinierte antiisraelische Propaganda, wie sie von Hamas und dem Regime in Ramallah betrieben wird, von Institutionen der Vereinten Nationen, von ungezählten »NGO« und weiteren Organisationen und Gruppierungen, von Medien, die sich als deren Sprachrohr verstehen.
Exemplarisch kann dafür ein Bericht stehen, mit dem der für den deutschen Staatssender ARD in Tel Aviv stationierte Christian Wagner kürzlich das Publikum daheim gewohnt professionell zu informieren wußte. Ungeprüft gibt der Journaillist weiter, was ihm ein »palästinensischer« Funktionär erzählt, vergießt ein paar Krokodilstränen, um in einer Anklage Israels zu enden.
»Sollte das Bau-Material [für Entsalzungs- und Kläranlagen sowie Wasserleitungen] weiter so spärlich nach Gaza hineinkommen wie bisher, dann wäre all das erst in 100 Jahren fertig.«
Nirgends stellt der Deutsche Fragen, die sich doch eigentlich aufdrängen: Ist die Lage tatsächlich so dramatisch, weshalb sorgte dann die in Gaza »regierende« Hamas zuletzt 2014 mit ihren Angriffen auf Israel dafür, daß eine Entspannung zumindest nicht wahrscheinlicher wurde? Indes ist es nicht nur die Hamas, die daran interessiert scheint, den »Palästinensern« das Leben zur Hölle zu machen.
Im März 2014 etwa wandte sich EWASH, ein nach eigenen Worten breiter Zusammenschluß von Organisationen der »palästinensischen Zivilgesellschaft«, an die Öffentlichkeit: Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser, erklärte EWASH, dienten einzig dazu, die Interessen der »Besatzung« zu wahren, die »Palästinenser« zu schwächen und würden zudem die Umwelt weiter schädigen.
Aber auch nach kurzfristigen Möglichkeiten zur Linderung von Problemen fragt Christian Wagner nicht. So könnten schnell und kostengünstig Wasserleitungen aus Israel nach Gaza verlegt werden, wie jüngst Amira Hass vorschlug. Doch Ramallah und dessen Unterstützer würden, so die Journalistin weiter, die erst später wirkenden und umweltgefährdenden Ansätze bevorzugen.
Und so machen seine Auslassungen offenbar, wie ressentimentgesteuert Christian Wagner ist. Ihm fehlt selbst noch die Ausgewogenheit einer Haaretz-Journalistin, der man gewiß keine überbordende Verbundenheit mit dem jüdischen Staat vorwerfen kann. Während sie Israel als Teil einer Lösung eines Problems vorschlägt, dreht bei ihm sich alles darum, Israel zu verleumden.
Mehr noch: Bleiben angesichts verschiedener Alternativen zur Abwendung der Katastrophe Fragen danach aus, weshalb sie nicht einmal erwogen werden, danach, weshalb in der Vergangenheit nichts oder wenig unternommen wurde, bleibt es günstigenfalls beim Status quo, wird aber, da öffentlicher Druck auf Verantwortliche gar nicht erst entsteht, eine Verschlimmerung wahrscheinlicher.
 tw24

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