Sunday, April 17, 2016

Päpstliches Zeichensetzen - das Rätsel von Lesbos

Der Pontifex twittert auf Lesbos: @ pontifex_de „Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden.“ Seine Heiligkeit sind nach Lesbos in den Hotspot von Moria gereist, um ein paar Zeichen zu setzen. Diese Reise sei „nicht als politische Stellungnahme zu sehen, sondern als humanitäre und ökumenische Geste“, als „politisches Signal“. Die Päpstlichen Zeichen lassen mich total verwirrt zurück.
Vor dem Papstbesuch wurden im Hotspot schnell noch ein paar Wände gestrichen, ein Abwassersystem installiert und dutzende Migranten aus dem überfüllten Lager woanders hingebracht. Insgesamt leben 3.000 Menschen in dem Auffanglager. Doch nur wenige Bewohner von Lesbos waren dem Aufruf nachgekommen, sich an den Gebeten am Hafen von Mytilini zu beteiligen. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass der Ort aus Sicherheitsgründen streng abgeriegelt war - so ganz scheint Franziskus den Schutzsuchenden nicht zu trauen.
Trotzdem sprach Franziskus mit 250 Flüchtlingen und „teilte dann sein Essen mit acht von ihnen“. Was war mit den übrigen? Mussten die vor dem Essen das Zelt verlassen? Serviert wird ein Risotto mit Pilzen. An normalen Tagen werden die Essensrationen in dem überfüllten Lager schon mal knapp … " Das mit der Speisung der 5000 hat Franziskus irgendwie noch nicht drauf. Beim dem Besuch hielten einige Lagerinsassen Schilder hoch: „Bitte rette die Jesiden vom Völkermord“.
„Ihr seid nicht allein“, sagte Franziskus zu den Hilfesuchenden auf Lesbos, bevor er nach fünf Stunden wieder abflog. Als symbolische Geste nahm Papst Franziskus zwölf syrische Flüchtlinge mit auf seinen Rückflug in den Vatikan. Es handle sich um drei muslimische Familien aus Syrien, darunter sechs Kinder. Sie werden vorerst von der Gemeinde Sant’Egidio in Rom betreut.
Die  Jesiden mussten leider im Lager bleiben und werden wohl entsprechend der „europäischen Lösung“ unserer Kanzlerin in die Türkei zurückgeschickt. Dafür nimmt Deutschland dann eine entsprechende Zahl meist muslimischer Flüchtlinge aus der Türkei auf. Ich hoffe, dass sein Chef die Zeichen versteht, die Franziskus setzt. Ich verstehe die Welt und den Pontifex nämlich schon lange nicht mehr.
 achgut / Manfred Haferburg

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