Saturday, September 30, 2006

Dokument: Grauer Wolf im PDS-Pelz

Grauer Wolf im Schafspelz
PDS-Bundestagsabgeordneter Hakki Keskin Seite an Seite mit dem türkischen Faschistenführer Muhsin Yazicioglu (Graue Wölfe) - und wie die Parteiobrigkeit das sieht
Von Günter Ackermann
1. PDS-Bundestagsabgeordneter mit türkischem Massenmörder und Faschisten Seite an Seite bei einer Demonstration
Eine türkische Zeitung Hürriyet berichtet:
„Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei.PDS Hakki Keskin und der Bundesvorsitzende der Büyük Birlik Partisi Muhsin Yazicioglu und außerdem viele Persönlichkeiten und Vertreter aus verschiedene türkischen Vereinen und Vertreter von türkischen Zivigesellschaften haben teilgenommen und haben zusammen demonstriert.“[1]
Wer ist das, dieser Muhsin Yazicioglu? Der ist Vorsitzender der BBP. Die hatte sich zu Beginn der neunziger Jahre von der MHP abgespalten (Partei der Nationalistischen Bewegung) bekannt als die Grauen Wölfe. Ziel der BBP ist ein fundamentalistisch-nationalistischer Staat.
Muhsin Yazicioglu hatte in den siebziger Jahren gemeinsam mit Abdullah Çatli an der Spitze der Grauen Wölfe gestanden. Çatli wurde später der führende Pate der türkischen Unterwelt.
Muhsin Yazicioglu ist verantwortlich am Mord von türkischen und kurdischen linken Studenteninnen und Studenten; er stand 1978 in Karamanmaras an der Spitze der rechtsradikalen Grauen Wölfe, als in der Stadt bei einem Massaker 111 Personen ermordet wurden.
Und mit dem demonstriert Seite an Seite ein „Linker“ aus der Linkspartei.PDS?
Dafür gibt es eine Erklärung: Ebenso wenig, wie Hakki Keskin ein Linker ist. Ist die Linkspartei.PDS eine linke Partei.
Konkret: Hakki Keskin ist seit 1982 Professor der Politik und im Fachbereich Sozialpädagogik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Er war erst Mitglied der SPD. Mit linker Politik oder gar mit dem Ziel Sozialismus, hat er nichts zur tun. Es geht ihm um Kariere.
In der SPD Hamburg bekam er keinen Posten – konsequent, wie er nun mal ist – trat er aus und in die PDS ein. Hier versprach er sich leichter zum Ziel zu kommen.
In Hamburg kannten ihn viele als Nationalisten und als verlängerten Arm des türkischen Staates, seine Chancen in Hamburg aufgestellt zu werden, waren gering. Aber es gelang ihm die Zuneigung des PDS-Vorsitzenden Lothar Bisky zu gewinnen. Der setzte dann gegen den Widerstand der Parteilinken, aber auch linker türkischer, kurdischer und armenischer Gruppen, die Bundestagskandidatur Hakki Keskins durch. Beim Berliner Wahlparteitag kippten die Delegierten um und stellten Hakki Keskin auf.
Gegen den honorigen Hamburger Professor sprach z.B., dass er die Existenz mehrer Ethnien in der Türkei leugnet (allein ca. 20–30 % sind Kurden) und er leugnet den Völkermord an den Armeniern. Bei den Todesmärschen der Armenier und den Übergriffen des türkischen Militärs gegen die Amenier kamen nach Schätzungen 600.000 bis zu 1,5 Millionen Armenier um. Darüber zu berichten ist noch heute in der Türkei verboten. Nach Meinung des angeblichen Wissenschaftlers und Doktors der politischen Wissenschaften, Professors und PDS-Manns im Bundestag, gab es diesen Genozid überhaupt nicht.
Sein Spezi Muhsin Yazicioglu von den Grauen Wölfen dagegen beging noch in allerjüngster Vergangenheit Morde im Namen des Türkentums.
„ Auch 1977 wurde die MHP Regierungspartner der zweiten Nationalistischen Front. Mit dieser Regierung begann das Grauen und der neofaschistische Terror nahm zu. Bis zum Militärputsch vom 12. September 1980 fielen über 5.000 Menschen dem neofaschistischen Terror zum Opfer. Türkeş befahl persönlich die Ermordung von Persönlichkeiten wie Kemal Türkler, dem Vorsitzenden der Gewerkschaftskonföderation DISK. In mehreren Regionen, vor allem dort, wo die alewitische Bevölkerung konzentriert lebte, wurden Massenmorde begangen. Alleine in Maraş wurden an einem Tag im Januar 1979 111 Menschen bestialisch ermordet. Genau wie im Mai 1980 in Çorum, wo 58 Menschen an einem Tag ermordet wurden. Dieser Terror der Grauen Wölfe war ein Teil des Szenario, der zum Militärputsch vom 12. September 1980 führte. Obwohl bis zum Militärputsch fast die Hälfte der Türkei unter Kriegsrecht stand, fanden überall Mordanschläge statt. Mit der Machtübernahme durch die Generäle endeten diese Morde der Grauen Wölfe wie von Geisterhand und ein neues dunkles Kapitel der türkischen Geschichte begann.“[2]
Und mit diesem Mitbeteiligten und Verantwortlichen an Massenmorden demonstriert Seite an Seite der PDS-Bundestagsabgeordnete Hakki Keskin – eine Schande.
2. Die Parteiobrigkeit der PDS findet das alles ganz normal.
Dass sich hier ein Wutpotential vor allem bei Mitgliedern linker türkischer Gruppen aufbaut, versteht sich. Auch innerhalb der PDS, bei den noch verbliebenen Linken, herrscht helle Empörung. Einer von ihnen, linkes PDS-Mitglied und Türke, wandte sich vorige Woche an den Parteivorstand.
Er bekam sogar eine Antwort.
„Lieber Sahn Aydin,
hiermit verweise ich zu dem Sachverhalt auf die Stellungnahme von Hakki Keskin vom 30. Juni 2006.
Damit ist die Sache für uns erledigt (und mittlerweile auch ziemlich veraltet) und ich bitte dich sehr darum, von weiteren Unterstellungen abzusehen.
Freundliche Grüße,
Claudia Gohde[3] (im Auftrag von Bodo Ramelow)“
Dass die Dame Gohde den Briefeschreiber nicht mit „Genosse“ anredet, sei ihr verziehen und signalisiert bereits, dass sie ihn niedermachen und mit keinem Wort auf Inhalte und Tatsachen eingehen will. So ist sie eben, die weiland für den Aufbau West Zuständige. Sie verweist auf einen Text des Herrn Hakki Keskin, den sie auch gleich mitschickt. Für sie ist damit die Sache erledigt – basta! Wer sich damit nicht zufrieden gibt, der macht eben „weitere Unterstellung“.
Der Herr Professor Keskin hat also, glaubt man Frau Gohde, alles aufgeklärt und geklärt. Sehen wir es uns mal an:
2.1 Professor Keskin klärt auf:
„…wie einige von Euch vielleicht bemerkt haben, kam es schon seit meiner Kandidatur für DIE LINKE. zu wiederholten, verleumderischen Angriffen auf meine Person.“
Na also, da ist ja alles klar – nur reine Verleumdungen böswilliger linker Sektierer.
„Zuletzt wurde versucht, die Veranstalter und Teilnehmer des deutschlandweiten „Türkischen Tages“ in Berlin als radikale Nationalisten oder gar Faschisten hinzustellen. Ich will Euch nachfolgend einige Informationen liefern, damit Ihr diese und mögliche künftige Aktivitäten dieser Art besser inhaltlich einordnen könnt.“[4]
Aber Moment mal: Ist das Foto mit Kommentar in Hürriyet vom 28.05.2006 somit auch eine Fälschung und das Foto eine Montage? Nein, das dementiert er nicht. Oder ist Muhsin Yazicioglu der reine Ausdruck der Menschlichkeit, Toleranz und Völkerfreundschaft? Das wagt er nicht zu behaupten, die Beweislast, dass es anders ist, sind drückend.
Er macht es, wie es auch viele bürgerliche Politiker machen: wenn man sie nach Äpfeln fragt, reden sie von Birnen, oder Pflaumen.
„Die diesjährige Schirmherrschaft über die Kulturveranstaltung „Türkischer Tag“ besaß die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Maria Böhmer (CDU). Zu den Unterstützern des Kulturfestes gehörten in diesem Jahr unter anderem Vereine wie die Türkische Gemeinde zu Berlin, die Türkische Gemeinde in Deutschland, die Irakischen Turkmenen in Deutschland, die Aserbaidschanische Föderation in Deutschland, die Interessenvertretung Türkischer Eltern sowie weitere Migrantenorganisationen. Als bisherige Ehrengäste konnten in den letzten Jahren folgende Politikerinnen und Politiker begrüßt werden: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Berlins Innensenator Dr. Erhardt Körting (SPD), die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, MdB Markos Löhning (FDP), die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Cornelia Reinauer (Linkspartei. PDS) und der Parlamentarische Staatssekretär und MdB Dr. Friedbert Pflüger (CDU).“[5]
Der „Türkische Tag“ ist eine einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung der Türkischen Gemeinde. Professor Keskin war der Gründer dieser Gruppe und deren Chef. An dieser Veranstaltung nahm auch der Faschist und Mordbube Muhsin Yazicioglu teil. Und der Veranstalter, der PDS-Bundestagsabgeordnete Hakki Keskin, rechtfertigt diesen Faschisten mit der Anwesenheit von Urdemokraten aus der zweiten und dritten Garnitur von Politikern der bürgerlichen Parteien. Schon beachtlich, für wie doof dieser Herr seine Kritiker hält.
Der wagt es dann zu schreiben:
„Seit meiner Jugendzeit bin ich ein entschiedener Gegner des Terrorismus und der Gewaltanwendung.“[6]
Das gilt aber wohl nicht, wenn es sich um Terroristen und Mordbuben aus der Faschistenszene der Grauen Wölfe handelt.
Der saubere Herr Professor und PDS-MdB, wittert eine Verschwörung von linken Terroristen hinter der Kritik an ihm:
„Dass es den Initiatoren dieser Verleumdungsaktionen ausschließlich um die Durchsetzung ihrer eigenen, dogmatisierten Ziele geht, wird daran ersichtlich, dass häufig erst ausländische Konfliktthemen hierfür instrumentalisiert werden müssen. Konkret handelt es sich dabei um die Armenierfrage, die Auseinandersetzungen des türkischen Militärs mit der separatistischen Terrororganisation PKK sowie um das Zypernproblem.“
Hier hat er sich allerdings verraten. Was er unter der „ Armenierfrage“ versteht, kann ich nur raten. Er meint sicher den Völkermord an den Armeniern in der Türkei (siehe oben). Aus dem Kontext geht hervor, dass er ihn leugnet und daraus die „Armenierfrage“ macht Das waren ja nur bis zu 1.5 Mio. Opfer türkischer Rassisten. Eine unwichtige und nebensächliche Sache.
Ebenso ist es mit den Massakern des türkischen Militärs an den Kurden. Bei Keskin zerstört das Militär keineswegs ganze Dörfer, da gibt es nur „Auseinandersetzungen des türkischen Militärs mit der separatistischen Terrororganisation PKK“. Also alles recht harmlos.
Weiter schreibt Professor Keskin:
„Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass diejenigen, die sich permanent verleumderisch gegen mich zu Wort melden, Probleme mit meiner diesbezüglichen Position der kategorischen Gewaltablehnung haben.“[7]
Wie schon erwähnt: Folgt man dem Professor, dann verüben Rechte und Faschisten keine Gewalttaten. Wenn da mal eben ein Alevit oder ein Schriftsteller ermordet wird, so ist das bei ihm „kategorische Gewaltablehnung“.
Wer aber den sauberen Professor kritisiert, schmiedet ein Komplott gegen ihn. Wer Friedfertigkeit an seiner geheiligten Person und an seinen Kumpanen in Zweifel zieht, wird kurzerhand in die Ecke der Sektierer und der Terroristen gerückt.
3. Schluss
Die PDS spielt sich gern als linke Partei auf und bindet Protestpotential an sich. Dass das immer weniger funktioniert, haben die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gezeigt, wo der PDS die Wähler scharenweise davon liefen.
Solche zweifelhaften Typen, wie Hakki Keskin, der selbst für die SPD offenbar noch zu rechts ist, zeigen nicht nur wessen Geistes Kind dieser saubere Professor ist, sondern sie zeigen vor allem, welche Typen in der PDS Karriere machen.
Aber selbst wenn offenbar wird, was dieser Herr für Dreck am Stecken hat, stellt sich die Parteiführung vor ihn. Die Frau fürs Grobe im Parteivorstand der PDS meierte den Genossen Sahin regelrecht ab. Claudia Gohde ist auch noch stellv. Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Da sträuben sich die Haare, neben dem Namen dieser großen Revolutionärin einen Namen der fleischgewordenen Ignoranz und Arroganz nennen. Nach dem Motto: Friss Hund oder stirb, verweist sie den linken Genossen auf den zweifelhaften Text des Nationalisten Hakki Keskin.
Dass der ganze Keskin-Text eine einzige Unverschämtheit ist, stört den PDS-Parteivorstand offensichtlich nicht. Er erklärt die Angelegenheit als zu alt und erledigt. Ich kann das nur so verstehen, dass er das Verhalten von Hakki Keskin billigt. Das passt insgesamt zum rumgeeiere der PDS-Größen, wenn es um erzreaktionäre Äußerungen einiger ihrer Mandatsträger geht. Das reaktionäre Verhalten von Brie und seiner Clique im Europaparlament war bereits Gegenstand der Erörterung auf Kommunisten-Online.
Dass die PDS-Stiftung den Namen der ermordeten Rosa Luxemburg trägt, ist ein Hohn. Der Name des – wie er sich selbst nannte – Bluthunds Gustav Noske wäre für eine PDS-Stiftung der Realität entsprechend.
Die Häufung solcher Fälle in der PDS sind aber möglicherweise Hinweise darauf, dass die Parteigrößen selbst, sich in Schafspelze hüllen und nur noch mühsam das ihrer Natur gemäße Knurren unterdrücken. Ihr gelegentliches blöken klingt jedenfalls nur noch gekünstelt und verstellt.
Vielleicht taucht Bisky demnächst als Botschafter des guten Willens bei den Kongressen der Grauen Wölfe in Ankara auf. Vielleicht veranstalten sie zu seinen Ehren dann mal eine Hatz auf einen Kommunisten.
Günter Ackermann
[1] Türkische Tageszeitung Hürriyet von 28.05.2006
[2] Kozmopolit. Deutsch-Türkisches Online-Magazin für Politik, Kunst und Kultur, Nr. 9 vom Juni 2003: „Türkische Rechtsradikale“ siehe
[3] Claudia Gohde stammt aus dem Westen und gehörte einst dem Kommunistischen Bund an. Heute ist ihre kommunistische Vergangenheit vergangen, sie gehört zum rechten Flügel und zuständig für Grobe.
[4] Hakki Keskin: Informationen zu Verleumdungsaktivitäten siehe
[5] ebenda
[6] ebeda
[7] ebenda

kommunisten-online