Ein Jahr ist es her, dass sich das Leben einer dänischen Familie für
immer verändern sollte. Tine Rømer Holtegaard und ihre 15-jährige
Tochter Lisa Borch sind alleine auf dem alten Hof in der kleinen
dänischen Ortschaft Kvissel. Der Vater ist verreist, Lisas
Zwillingsschwester lebt nicht mehr bei der Familie, weil sie die
Streitereien zwischen Mutter und Schwester nicht erträgt. Rømer
Holtegaard schläft bereits, als Borch sie mit 20 Messerstichen ermordet.
Nach
ihrer blutigen Tat alarmiert Borch die Polizei. "Ich habe meine Mutter
schreien gehört", erklärt sie. "Im Garten lief ein weißer Mann herum.
Bitte kommt, hier ist Blut überall!" Als die Beamten eintreffen, finden
sie das Mädchen entspannt im Wohnzimmer sitzend. Über ihr Smartphone
schaut sie sich Youtube-Videos an, die brutale Hinrichtungen durch die Terrororganisation Islamischer Staat zeigen. Die Polizisten beachtet sie kaum.
Es
war Borchs Desinteresse am Tod ihrer Mutter, das der Polizei verdächtig
vorkam. Fast ein Jahr nach der Tat am 8. Oktober 2014 fiel nun das
Urteil gegen die mittlerweile 16 Jahre alte Borch und ihren 29-jährigen
Komplizen Bakhtiar Mohammed Abdulla wegen gemeinschaftlichen Mordes.
"Dieser
Mord wurde kaltblütig, eiskalt und auf bestialische Weise
durchgeführt," befand Staatsanwältig Karina Skou während ihres
Plädoyers. Wie dänische Medien berichten, muss Borch neun Jahre in Haft -
die ersten Jahre wird sie in einer geschlossenen Jugend-Institution
verbringen, dann kommt sie ins Gefängnis. Abdulla bekam eine Haftstrafe
von 13 Jahren. Weiterhin müssen die beiden den Hinterbliebenen
Schmerzensgeld zahlen.
Borch stammt aus schwierigen
Familienverhältnissen. Während des Prozesses kam heraus, dass sie sich
in der Zeit vor ihrer Tat mit einigen älteren arabischen Männern aus
einer Asylbewerberunterkunft in der Nähe angefreundet hatte. Sie
verliebte sich in einen der Männer, einen offenbar radikalen Moslem.
Zeitweise wollte Borch sogar nach Syrien gehen. Ihre Mutter wünschte
sich, dass die Tochter die Beziehung beenden würde.Tatsächlich war es der Mann, der Borch verließ. Es stellte sich heraus,
dass er in Schweden Frau und Kinder hatte. Trost fand das Mädchen
daraufhin bei ihrem späteren Komplizen Abdulla aus dem Irak. Während des
Prozesses beschuldigten die beiden sich gegenseitig der Tat. Weiterhin
beteuerten sie, es habe sich bei ihrem Verhältnis um ein
freundschaftliches gehandelt.Der Instagram-Account von Borch
bietet einen kleinen Einblick in ihr Leben vor der Tat. Sie postete
viele Bilder und Videos von sich - oft läuft arabische Musik im
Hintergrund, das Mädchen raucht Shisha. Unter einem Bild schrieb Borch:
"Jung sein ist nicht immer gut. Denn du wirst mit vielen Gefühlen
konfrontiert, mit denen man nie leicht umgehen können wird." Außerdem
schrieb sie viel von dem Erfolg, den sie einmal haben würde. Sie
schrieb: "Ich werde nicht einfach ein normales Leben führen." Damit
sollte sie leider recht behalten.
n-tv
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