Saturday, September 12, 2015

Bürgermeister ohne Meinungsfreiheit?

In Thüringen weist das Landesverwaltungsamt Landräte und Bürgermeister mit einem Rundschreiben ausdrücklich darauf hin, dass Amtspersonen das Grundrecht der freien Meinungsäußerung unter bestimmten Bedingungen nicht zustehe. „Wird dagegen verstoßen, kann dies ein Dienstvergehen darstellen und disziplinarrechtliche Folgen haben“[1], heißt es drohend in dem Schreiben, das sich immerhin an Menschen richtet, die direkt von den Bürgern in ihr Amt als Bürgermeister oder Landrat gewählt wurden.
Angesichts dieses „Maulkorberlasses“, wie es in den Rathäusern und Landratsämtern nach der ersten Empörung nur genannt wird, erinnert man sich unwillkürlich an den letzten Winter, als etliche Mahner davor warnten, die Nachfolgepartei der SED mit der Führung einer Regierung zu betrauen. Doch ist das nur der provinzielle Geist der rot-rot-grünen Volksrepublik Thüringen? Das Landesverwaltungsamt, das die Grundrechte von gewählten Amtsträgern in Frage stellt, untersteht dem Innenministerium und das wird von Holger Poppenhäger, also einem Sozialdemokraten, geführt. Den kann nicht allein alter SED-Ungeist zu dem Schreiben gebracht haben.
Es liegt vielleicht auch am Anlass. Der Rundbrief wurde nämlich erst geschrieben, nachdem sich der Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen, Peter Heimrich (SPD), die Flüchtlingspolitik von Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) öffentlich vornahm: „Minister Lauinger ist nicht zugänglich für Berichte aus der Realität. Er sollte einmal seine ideologische Brille absetzen und einmal auf die Leute hören, die die Aufgaben vor Ort bewältigen und die die Probleme sehr detailliert kennen.“
Der Landrat teilt ein riesiges Problem mit vielen Kollegen in deutschen Kommunen. Während sich Politiker in Bund und Ländern an den rekordverdächtigen Zahlen der Zuwandereraufnahme und damit am gefühlten Weltmeistertitel in Mitmenschlichkeit berauschen, brechen manche Städte und Kreise unter den Herausforderungen der Unterbringung immer neuer Flüchtlinge beinahe zusammen. Mit einem „wir schaffen das“ der Kanzlerin ist es da nicht getan.
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