Tuesday, April 19, 2016

Anmaßung

Am späten Nachmittag verübten am Montag mutmaßlich »palästinensische« Terroristen einen Anschlag auf einen Bus in der israelischen Hauptstadt Jerusalem. Bei der durch eine Ladung Sprengstoff ausgelösten Explosion gingen ein zweiter Bus und ein weiteres Fahrzeug in Flammen auf, mindestens 21 Menschen, »Zivilisten«, wurden in dem Inferno teils schwer verletzt.
Während »Palästinenser« sich von der Nachricht über den Anschlag erfreut zeigten, begannen die israelischen Sicherheitskräfte mit der Suche nach den Tätern. Benjamin Netanjahu, der israelische Premier, versprach, sie würden gefunden und hart bestraft werden. »Wir werden mit den Terroristen abrechnen«, betonte er. International stieß der Anschlag auf freilich verhaltene Ablehnung.
Was sich allerdings der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nur wenige Stunden nach der Tat erlaubte, ist keineswegs jene »Verurteilung«, als die sein unerträgliches Statement von oberflächlichen Medien vermeldet wird. Besteht der erste Absatz aus noch halbwegs akzeptablen Textbausteinen, verrät der zweite eine mehr als gehörige Portion Menschenverachtung:
»Beide Seiten müssen endlich zu einer Deeskalation finden und die politisch Verantwortlichen alles in ihrer Macht stehende tun, um dem Hass in den Köpfen entgegen zu treten. [sic!]«
Mit dieser Forderung, die ob ihrer Frechheit bloß dreist zu nennen eine Untertreibung wäre, stellt der sozialdemokratische Minister die Opfer eines terroristischen Angriffs mit den Tätern auf eine Stufe, indem er sie gleichermaßen – »beide Seiten müssen« – mahnt, sie müßten »zu einer Deeskalation finden«. Damit tritt Frank-Walter Steinmeier die Würde der Opfer mit Füßen.
Zugleich kann seine Forderung kaum anders als eine unausgesprochene Kritik an der Ankündigung der Regierung in Jerusalem verstanden werden, die für den Anschlag Verantwortlichen zu verfolgen und zu bestrafen. Der Vertreter der Regierung Angela Merkel verlangt statt einer Strafverfolgung – »Deeskalation«! Auch die Opfer müßten sich einem ihnen unterstellten Haß stellen.
Wo einigermaßen zivilisierte Menschen Unterstützung bei der Suche nach den für ein Verbrechen Verantwortlichen anbieten würden, belehrt Frank-Walter Steinmeier die Attackierten, sie müßten »einen friedlichen Dialog wieder möglich machen«, indem sie »eine klare Absage an die Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung« formulierten, also auch jede Selbstverteidigung ächteten.
Wäre die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die Freundin Israels, als die sie aus unerfindlichen Gründen gilt, und verfügte sie über ein Mindestmaß an Anstand, Frank-Walter Steinmeiers Stunden im Amt wären gezählt. Im Kanzleramt zu Berlin aber wird an diesem Dienstag ein »Präsident« erwartet, der sich erst jüngst dazu bekannte, getötete Terroristen als »Märtyrer« zu verehren.
 tw24

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