Wednesday, April 18, 2007

GraSS, der Füller-Filbinger, sondert wieder Wortmüll ab

Grass: Schlussstrich unter deutsche Geschichte nicht möglich
In die Debatte um die Trauerrede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) für Hans Filbinger hat sich nun auch Schriftsteller Günter Grass eingeschaltet. "Die Reaktion bestätigt meine These, dass es keinen Schlussstrich unter der deutschen Geschichte gibt und geben kann", sagte Grass den "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstagausgabe).
Nach Einschätzung des Literaturnobelpreisträgers war Oettingers Rede "an die rechte Klientel und an die baden-württembergische CDU gerichtet, um sicherzustellen, dass der Redner einer von ihnen ist: stockkonservativ". Oettinger habe die Wirkung falsch eingeschätzt und berufe sich darauf, dass sein verstorbener Amtsvorgänger Filbinger als NS-Marinerichter juristisch korrekt gehandelt habe. "Aber es ist ja eben diese grauenhafte Korrektheit, die nach wie vor in diesen Köpfen sitzt", betonte Grass. Das habe damals zu "Schnellgerichten" geführt.
Oettinger hatte Filbinger, der in der NS-Zeit an mehreren Todesurteilen mitgewirkt hatte, in der Trauerrede als einen "Gegner des NS-Regimes" bezeichnet. Erst nach tagelang anhaltender Kritik distanzierte er sich auf Druck der CDU-Spitze von dieser Äußerung.
Zu seinem langen Schweigen über seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS sagte Grass, er habe sich das Schreiben darüber aufgespart, bis er eine literarische Form dafür gefunden habe. "Ich musste mein Misstrauen gegenüber dem autobiografischen Schreiben überwinden", fügte er hinzu. Für die kurze Phase bei der Waffen-SS könne er nichts. Durch das spätere Wissen über die SS-Verbrechen, das er seinerzeit nicht gehabt habe, habe sich aber "Scham" angereichert. Das habe offenbar dazu geführt, dass er weitgehend darüber geschwiegen habe.
(ddp/jwd)