Sunday, April 10, 2016

Der Stärkere hat recht: Islam und die Wörter der Macht

Die herrschende Islamwissenschaft hatte und hat ihre Gewährsmänner bei den muslimischen Islamgelehrten, denen man immer selbstverständlich Autorität zubilligte. Man glaubte ihnen, dass die Punktierung auf einer sicheren mündlichen Überlieferung beruhte, aber die gab es nicht. Die herrschende Islamwissenschaft stützt die Macht der Wörter und Geschichten des Islams. Sie beruht auf der islamischen Tradition, obwohl diese durch außerislamische Quellen nicht bestätigt wird. Die Geschichtswissenschaft dürfte so nicht arbeiten, ohne als naiv abgestempelt zu werden. Schon Ignaz Goldziher nannte eine solche Vorgehensweise „vorsintflutlich“ (in seinem Vortrag Islam und Parsismus, gehalten am 6. Sept. 1900 an der Sorbonne). In der Islamwissenschaft verschwimmt die Linie zwischen Religionswissenschaft und theologischer Verkündigung. Dem Arabisten Götz Schregle (geb. 1923, Verfasser des wichtigsten Deutsch-Arabischen Wörterbuches) wird der Ausspruch zugeschrieben: „Die deutschen Islamwissenschaftler tragen im Geiste alle einen Turban.“ Etwas polemisch könnte man sagen, dass es der Einrichtung spezieller bekenntnisorientierter islamischer Fachbereiche an Universitäten nicht bedürfte. Schon jetzt studieren viele Muslime/Musliminnen Islamwissenschaften, und sie tun dies in der Regel nicht, um eine kritische Sicht auf ihre Religion zu erwerben.
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