Monday, April 18, 2016

Die neuen Ketzer, Islam und Kritik

Ebenso weigern sich viele westliche Intellektuelle, den Dschihadismus als vornehmlich religiöses Phänomen zu akzeptieren. Sie suchen nach den ökonomischen Ursachen, die es ihrer Meinung nach geben muss. Darin geschult, oder sollte man sagen: konditioniert, sozio-ökonomische Ursachen für gesellschaftliche Entwicklungen zu finden, ist es nicht einfach, diesen Pfad zu verlassen und den Primat der Ökonomie an der Gesellschaftsdynamik in Frage zu stellen. Gerade soziologische und ökonomische Instrumentarien sollen den wirklichen Grund der Dinge eruieren, also die tektonische Schicht erreichen, wo die Bewegungen erzeugt werden, deren Auswirkungen an der Oberfläche als sogenannte Überbauphänomene spürbar sind. Was aber, wenn das vermeintliche Überbauphänomen der Kern der Sache ist? Wenn es um eine Geisteshaltung geht, einen unbedingten Willen?
Auch der Marxismus befand, die Ursache der geschichtlichen Entwicklung sei ökonomisch: Erst komme das Fressen, dann die Moral. Die Länder, die den Marxismus adoptierten, allen voran die Sowjetunion, gründeten jedoch gar kein materialistisches, sondern ein ideelles System. Fortan galt der Grundsatz: Nur wer die Moral hat, bekommt zu fressen.
Das Schlüsselwort apokalyptischer Bewegungen ist Vernichtung. Erlösung gibt es nur durch Vernichtung des Bösen, und das bedeutet, durch die Vernichtung der Träger des Bösen, der Andersgläubigen. Apokalypse ist die Heraufbeschwörung eines massiven Racheaktes Gottes gegen den mächtigen irdischen Widersacher. Krieg ist im Islam ein Mittel der Erlösung. In der Entscheidungsschlacht, die laut islamischer Eschatologie in dem Ort Dâbiq bei Aleppo stattfinden soll, würde der Feind vernichtet.
Der apokalyptische Islamismus verfügt über eine formulierte ideologische Grundlage, stetig sprudelnde Geldquellen, und er agiert weltweit. Er ist schon lange ein globales Sicherheitsrisiko. Seine Unterschätzung ist als politisches und moralisches Versagen des Westens zu bewerten. Der Islamismus ist ein re-primitivierendes Konzept. Die Re-Primitivisten sind auch in Europa und Deutschland unterwegs. Mit ihnen gibt es keine win-win-Situation. Wenn sie siegen, verlieren alle anderen. Wenn der Islamismus in Europa siegt, verliert Europa alles: Seine kulturelle Erinnerung, die dann verschüttet oder islamgerecht uminterpretiert würde, seine Gegenwartskultur, die als „vergiftet“ gebrandmarkt würde, und seine Zukunft als Garant gleicher Rechte für alle.
Wenn von „dem Islam“ die Rede ist, so schallt es oft zurück, „den Islam“ gebe es nicht. Diese Beanstandung wäre aber an die Verfechter des „wahren Islams“ zu richten und nicht an diejenigen, die sich gegen diese Idee eines einzigen, allumfassenden Glaubens für die ganze Welt wenden. Gerade die Vertreter des „wahren Islams“ lehnen alle Traditionen ab, besonders die historisch gewachsenen regionalen Besonderheiten. Sie sprechen nur von „Islam“ ganz im Allgemeinen und differenzieren nie. Dieser Islam garantiert keine Kultur der Vielfalt, sondern der Einfalt. Der „wahre Islam“ ist ein totalitäres System. Er will die Gleichschaltung aller Länder, die Vereinheitlichung der Welt.

Gemeinsame Nenner des „wahren Islams“

Der gemeinsame Nenner des „wahren Islams“ ist, dass er Frauen verschleiern will. Bei aller Differenz, die z.B. zwischen quietistischen Salafisten und Kalifatskriegern bei der Gewaltaffinität besteht, bei jedem möglichen Ausmaß der Beachtung „religiöser Regeln“, ob es sich um die Akzeptanz von Polygamie und Kinderehe handelt, ob man trotz Verbots Alkohol trinkt und Drogen nimmt, die Basis des „wahren Islams“ ist die Geschlechtertrennung und die Einschränkung der Räume für Frauen.
Um diesen Islam geht es. Auf ihn muss sich das Interesse Europas richten, denn dieser Islam ist an Europa interessiert. Es ist ein globalisierter Islam, per Satellitenfernsehen und Internet in alle Welt gehend. Der Einspruch, dass er in den verschiedenen muslimischen Ländern so nicht vorkommt, ist müßig und führt an der Sache vorbei. Das Ziel besteht ja darin, ihn auch dort zu etablieren, und dies wäre nicht notwendig, gäbe es ihn schon. Der „wahre Islam“ wurde von seinen Verfechtern zu einem stehenden Begriff gemacht und nicht von seinen Gegnern.
In Deutschland sieht man es gern anders. Die Islamkritiker sind die neuen Ketzer. Wer den Islam kritisiert, gilt vielen Zeitgenossen als rassistisch. Das ist so, als wären Frauen, die das Patriarchat kritisieren, sexistisch. Sexistisch ist aber das kritisierte System. Alle Menschen sind frei und gleich geboren. Eine Kultur, die eine Abstufung der Menschen nach Wertigkeit ihres Glaubens vornimmt, ich nenne dies Credismus, fordert Kritik heraus. Credismus muss wie Rassismus behandelt werden. Der Islam ist der Prototyp einer credistischen Lehre. Er ist außerdem sexistisch und somit in doppeltem Sinne diskriminierend.
Der Islam leugnet die Würde aller Menschen, die sich allein aus ihrem Menschsein ergibt. Er verlangt besondere Ehrerbietung für Muslime von den Nichtmuslimen, was durch die Scharia legalisiert ist. Dies ist unannehmbar. Wer die Hybris des Islams benennt, verfügt über ein intaktes Urteilsvermögen. Hier Kritik nicht zuzulassen, ist der erste Schritt zur Abschaffung der Meinungsfreiheit, und dies ist ein wichtiger Punkt auf der islamischen Agenda für Europa.
Statt ihrer Wächterfunktion für den Erhalt der freien Gesellschaft nachzukommen, warnen die europäischen Eliten in Politik und Medien vor „Islamophobie“. Sie greifen damit leichtfertig eine Wortschöpfung auf, die aus interessierten Kreisen stammt. In diesen Kreisen gelten westliche Werte als Angriffe auf den Islam, die zu „Widerstand“ berechtigen. Die westliche Verteidigung seiner Werte ist hingegen Islamophobie. Der Begriff ist Teil der Strategie, Muslime als Opfer darzustellen und den Westen als Aggressor.
Islamophobie ist die modernisierte Entsprechung von kufr = Unglaube, Blasphemie. Die Westler haben inzwischen gelernt, das Wort auf sich selbst anzuwenden und spüren die darin enthaltene Verachtung nicht. Hier haben islamische Interessenverbände einen grandiosen propagandistischen Sieg errungen. Der Begriff suggeriert krankhaftes Verhalten. Eine Phobie ist ein psychiatrischer Befund. Es handelt sich um eine schwer beherrschbare Angststörung, die professionelle Hilfe erfordert. Ein Islamkritiker gehörte demnach in eine psychiatrische Klinik. Die Brandmarkung durch Sprache ist eine gute Voraussetzung für weitergehende Maßnahmen.

“Islamophobie” – ein Propagandasieg der Islam-Verbände

Es gibt Gründe, den Islam zu fürchten, und nicht nur die Angehörigen der journalistischen Zunft wissen dies genau. Indem sie diese vernünftige und begründete Furcht verleugnen, belügen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Öffentlichkeit. Sie verteilen verbale Schlafmittel, wo Wachheit erforderlich wäre, verbreiten falsche Sicherheit und vernebeln die Diskussionskultur. Islamkritiker sind keine Phobiker, die für rationale Überlegungen nicht erreichbar sind. Sie haben im Gegenteil vernünftige Gründe für ihre Haltung. Die Drohung „Tod den Ungläubigen“ ist keine theoretische, wie nun wohl jeder sehen kann. Sie ist nicht symbolisch, nicht metaphorisch und nicht allegorisch, sondern real.
Die Scharia ist ein real bestehendes Rechtssystem in islamischen Staaten. Wer nicht unter der Herrschaft dieses Systems leben möchte, verteidigt Vernunft und Ethik. Die Steinigung von Ehebrecherinnen – leider keine Wahnvorstellung, sondern reale Praxis – ist genauso wie andere Körperstrafen abzulehnen. Sich im Westen gegen die Todesstrafe auszusprechen, gilt als ehrenwert, aber sich gegen die Scharia zu wenden, soll verrückt sein?
Das Wort Islamophobie ist auch erfunden worden, um Kritik an der Freiheitsfeindlichkeit des Islams zuvorzukommen. Die freiheitsbedrohende Seite des Islams bedeutet: Keine Religionsfreiheit, keine Meinungsfreiheit, keine Wissenschafts- und Kunstfreiheit, eingeschränkte Rechte oder Tod für Andersgläubige und eingeschränkte Rechte für Frauen. Wer diese Freiheitsbedrohungen thematisiert, den Islam also kritisiert, verteidigt die Grundrechte. Die Islamapologeten nennen dagegen eine reaktionäre Religion progressiv, halten den Widerstand dieser Religion gegen die Emanzipation für noch emanzipatorischer und behaupten letztlich, dass Gegenaufklärung aufklärerischer ist als die Aufklärung. Sie erweisen der Zensur Respekt und finden nichts dabei, im Namen des Islams kritischen Geistern den Mund zu verbieten und dabei auch muslimischen Dissidenten in den Rücken zu fallen. Anscheinend wissen sie nicht, was sie tun: Sie verraten Demokratie und Menschenrechte. Sie hätscheln eine Ideologie der Apartheid. Sie suspendieren Selbstbestimmung und Mündigkeit zugunsten eines Prinzips der Unterwerfung.
Worauf man sich im Westen beim Phänomen Islamismus bisher immer verständigen konnte, auch wenn man es nicht verstand, ist, dass er nach Macht strebt. Diese Erkenntnis löste mitunter einen Aha-Effekt aus, man meinte ein „Heureka“ zu hören. Mit Macht ist man vertraut, das Terrain ist wieder sicher. Islamisten streben also nach Macht wie jede westliche politische Fraktion. Hier besteht eine Gemeinsamkeit, die gefunden zu haben, Zufriedenheit bewirkt. Wenn sie sich nun noch an die Spielregeln halten, und die Macht qua Wahlen erringen, ist alles Rechtens und nicht zu beanstanden.
Die große Illusion des Westens besteht darin, dass Politik immer ein Wechselspiel von Demokraten verschiedener Schattierung bleiben wird. Rechts, Mitte, links, alle sind demokratischen Regeln verpflichtet. Aber: Was tun Islamisten mit der Macht? Hat das politische Gebilde, dessen Errichtung sie verfolgen, irgendetwas mit Demokratie zu tun? Selbstverständlich nicht. Koran und Sunna kennen keine freien Bürger. Auch dem einzigen Nutznießer des Systems, dem männlichen Muslim, wird keine Selbstbestimmung zugebilligt. Er ist nicht autonom, sondern theonom.
Wer zu sehr an die menschliche Vernunft glaubt, ist gegenüber den radikal entschlossenen Islamisten im Nachteil. Ein politreligiöses System bringt sich unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit in Stellung gegen eine religiösen Auseinandersetzungen entwöhnten, deshalb irritierten und seltsam hilflosen Gesellschaft. Es ist doch nur Religion, nicht wahr? Das kann doch nicht wirklich gefährlich sein? Jeder nach seiner Fasson… Islamisten wissen, was sie wollen. Die Säkularisten und die religiös Toleranten wissen es nicht mehr so recht und haben das Problem immer noch nicht fokussiert. Ein grundlegender Fehler war, dass im Westen der Islamismus als legitimer Ausdruck des Volkswillens betrachtet und er so aufgewertet und respektiert wurde. Militante Islamisten bekamen in Europa und in Deutschland Asyl, ein Akt der falsch verstandenen Toleranz. Extremisten können sich noch auf „Religion“ berufen, wenn sie schon längst zum Kampf gegen den Westen entschlossen sind. Islamisten kennen kein Fair Play.

Mit Vernunft ist gegen Islamisten nichts auszurichten

Der Islam benötigt keine Mehrheit, um zu herrschen. Er achtet das Gesetz der Mehrheit nicht. Es genügt, wenn die Mehrheit wegsieht und sich duckt. In den meisten Epochen der Geschichte hat es Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit gegeben. Herrschaftsmittel war die unmittelbare, rohe Gewalt, das Recht des Stärkeren.
Entscheidend für den Fortgang der Geschichte ist die Haltung, die dazu eingenommen wird. Die Stärke des imperialen Islams hängt von der Stärke seiner Gegner ab. Bei zunehmender Schwäche der westlichen Welt wird es zu einer zunehmenden Radikalisierung der Muslime kommen. Fanatische Verfechter einer Ideologie hassen Schwäche und fühlen sich berufen, sie auszumerzen.
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