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Tuesday, December 31, 2013

Unfriedensstifter

Mit seiner jüngsten Liste der 10 schlimmsten antisemitischen Verleumdungen der vergangenen zwölf Monate gelingt es dem Simon Wiesenthal Center erneut, die ekelhafte Lebendigkeit, Vielfalt und Popularität des Phänomens Antisemitismus vorzuführen.
Angeführt wird die Liste von Ayatollah Ali Khamenei, Staatsoberhaupt der Islamischen Republik, der erklärt hat, Repräsentanten Israels könnten nicht Menschen genannt werden. Nicht ganz so hart in ihrem Urteil waren zwei deutsche Karikaturen, die es auf einen dennoch beachtenswerten siebten Platz schafften.
Gezeichnet von Menschen, die – natürlich – nur die edelsten Absichten hegten und mißverstanden wurden, zeigen sie den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu als Giftmischer, der alles unternimmt, eine Einigung in Gesprächen zwischen den P5+1-Staaten und dem Iran des Listenersten zu verhindern.
Wie weit von der traurigen Realität die deutschen Karikaturisten entfernt lagen – und wie berechtigt daher ihre Platzierung ist, läßt sich sechs Wochen nach dem Deal von Genf beobachten, der ihrer Ansicht nach doch gleichbedeutend sein sollte mit etwas, das sie als Frieden bezeichnen.
Zahlreiche Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats, die der Islamischen Republik jede Anreicherung von Uran untersagen, sind das Papier nicht mehr wert, auf dem sie notiert wurden, die Vereinten Nationen als Institution auch und gerade durch die P5+1-Staaten blamiert.
In Teheran verkündet derweil Ali Akbar Salehi, vom “Außenminister” unter Mahmoud Ahmadinejad von dessen Nachfolger zum Chef des iranischen Kernwaffenprogramms zurückbefördert, die Entwicklung leistungsfähigerer Zentrifugen zur Anreicherung von Uran.
Die werden auch gebraucht, denn “up to 230 Iranian MPs have signed a draft law to oblige the government to increase uranium enrichment to the level of 60 percent”. Für auf 60 Prozent angereichertes Uran einen sinnvollen zivilen Verwendungszweck zu finden, dürfte selbst deutsche Karikaturisten vor Probleme stellen.
Aber die zeichnen ja lieber Benjamin Netanjahu als Friedensverhinderer, statt die Frage zu thematisieren, wann denn eigentlich jene sechs Monate beginnen, während derer die Islamische Republik “Teile des Atomprogramms einfriert”. Sollte die Frist tatsächlich erst “Mitte 20014″ [sic!] beginnen?
Es ist eben nicht der israelische “Hardliner” Benjamin Netanjahu, der sich einem Frieden verweigert. Es sind vielmehr das Regime der Mullahs, Appeasement-Politiker im Westen und, ja, “ahnungslose” deutsche Karikaturisten, die mit haßerfüllten Zeichnungen Feindbilder pflegen, die jede Chance auf Frieden verraten.
tw24

Sunday, November 17, 2013

Badische Phantasien

Großen Ärger hat derzeit die Badische Zeitung, weil sie, wie ihr Chefredakteur betont, mit einer Karikatur, die am 9. November veröffentlicht wurde, doch bloß die Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung kritisieren wollte.
Der “sehr real existierende und real Politik betreibende israelische Ministerpräsident” habe nämlich versucht, “die Annäherung zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran im Atomkonflikt zu verhindern”.
Und darauf habe der Karikaturist Horst Haitzinger hinweisen wollen, “weil aus seiner Sicht die Lösung des Atomstreits mit dem Iran mehr Frieden brächte”, eine “Annäherung, gegen die Netanjahu mit ‘Taubengift und Schneckenkorn’ zu Leibe rücken wollte”.
“Wer die Zeichnung (die übrigens in mehreren Zeitungen erschienen ist) unvoreingenommen betrachtet, findet dort weder eine stilisierte Judenfigur noch das – mittelalterliche – Klischee vom jüdischen Brunnenvergifter.”
Man kann gewiß darüber streiten, ob es in Deutschland noch “stilisierter Judenfiguren” bedarf, um antisemitische Ressentiments zu bedienen – die Badische Zeitung wähnt sich freilich unschuldig -, an einer anderen Feststellung aber änderte dies nichts.
Thomas Fricker, der Chefredakteur der Badischen Zeitung bekennt in seinem Rechtfertigungsversuch sich dazu, den Lesern seiner Zeitung Unwahrheiten als Fakten zu verkaufen. Er behauptet, die erwähnte “Annäherung” sei gleichbedeutend mit “mehr Frieden”.
Das jedoch ist falsch. Der Flirt zwischen dem Weißen Haus und Teheran stürzt die Herrscher Saudi Barbariens in einige Besorgnis, sogar von “Wut” in Riad wird berichtet, die sich nicht nur im Verzicht des Königreichs auf einen Sitz im UN-Sicherheitsrat äußerte.
“Saudi Arabia has invested in Pakistani nuclear weapons projects, and believes it could obtain atomic bombs at will, a variety of sources have told BBC Newsnight.
While the kingdom’s quest has often been set in the context of countering Iran’s atomic programme, it is now possible that the Saudis might be able to deploy such devices more quickly than the Islamic republic.”
Was angeblich vorhandene israelische Kernwaffen in Jahrzehnten nicht vermochten – die Aussicht auf eine “Annäherung zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran” schaffte es: Riad erwägt, Atommacht zu werden.
Und Saudi Barbarien ist nicht allein. “[T]here will certainly be countries such as Saudi Arabia, Egypt, and maybe even Turkey that will want to obtain nuclear capabilities”, warnt Ephraim Asculai vom Institute for National Security Studies an der Universität Tel Aviv.
Es ist daher eben gerade so, wie Benjamin Netanjahu analysierte: “Iran gives practically nothing, and it gets a hell of a lot. That’s a bad deal.” Ein Deal zudem, der das Potential hätte, einen nuklearen Rüstungswettlauf zu initiieren, das Gegenteil von “mehr Frieden”.
Für den steht tatsächlich Benjamin Netanjahu, stehen “Benjamin Netanjahu & Co.”, nicht aber Teheran einer- und mindestens vier der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland und die Badische Zeitung andererseits.
tw24