Wednesday, May 28, 2008

Lalala, Ustascha!

von Markus Ströhlein
Die gemeine, deutsche Rechtsrock-Kapelle hat es für gewöhnlich nicht leicht. Meist muss sie ihre rumpelige Propaganda in den engen Hinterzimmern miefiger Provinzkaschemmen absondern. Häufig kommt noch dazu die Polizei und beendet das armselige Treiben vorzeitig. Und das ist ja auch gut so.Neidisch dürften die deutschen Nazi-Musikanten werden, wenn sie sehen, unter welchen Bedingungen ihr kroatischer Kollege Marko Perkovic in Deutschland gastiert.Heute abend (21.5.,jwd) tritt er im Stadion Festwiese in Stuttgart auf. Vor 2000 Gästen wird der Mann, der sich für seine Darbietungen in Schale bzw. in das schwarze Hemd der kroatischen Faschisten wirft, zwei Stunden lang Lieder zum Besten geben. Auf Smash-Hits wie “Jasenovac", in dem er das gleichnamige Konzentrationslager lobhudelnd besingt, in dem kroatische Faschisten zwischen 1941 und 1945 mehrere hunderttausend Serben, Juden, Roma und Antifaschisten bestialisch zu Tode quälten, oder »E, moj Narode« (»Oh, mein Volk«), in dem er die Kroaten zum Kampf gegen Freimaurer, Kommunisten und natürlich Serben anstachelt, müssen die Besucher wohl verzichten. Denn die Stadt Stuttgart hat etliche Auflagen erlassen: Perkovic darf nicht nur die besagten Songs nicht spielen. Kroatisch sprechende Polizeibeamte werden vor Ort sein, um zu prüfen, ob diese Auflage eingehalten wird. “Es sind sämtliche Handlungen, Symbole, Kennzeichen der Ustascha-Bewegung und sonstiger verfassungsfeindlicher Organisationen verboten", heißt es auf Nachfrage im Amt für öffentliche Ordnung. Und, sicher ist sicher: Das Bier darf nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden.Warum niemand in der verantwortlichen Behörde auf die Idee gekommen ist, dem bekennenden Faschisten ein städtisches Stadion ganz einfach nicht zur Verfügung zu stellen, wurde mir im Amt für öffentliche Ordnung Stuttgart in schnoddrigem Schwäbisch beantwortet:
“Er isch umstridde’, aber ned verbode’. Das isch d’r Punkt.” ("Er ist umstritten, aber nicht verboten. Das ist der Punkt.")
In Kanada hat man sich im vergangenen Jahr nicht mit der Frage aufgehalten, ob ein singender Faschist “umstritten” oder “verboten” sein muss, um Stadionverbot zu erhalten. Im vergangenen November haben zwei Veranstaltungsorte in Toronto geplante Konzerte des “rechten Arms Kroatiens", wie Marko Perkovic manchmal treffend bezeichnet wird, abgesagt, nachdem sie vom Simon-Wiesenthal-Center auf seine politische Haltung hingewiesen worden waren. Das ist der Punkt.
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