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Thursday, May 05, 2016

Familiäres Problem

Jeremy Corbyns Bruder Piers Corbyn hat sich in der weiterhin anhaltenden Antisemitismusdebatte der britischen Sozialdemokratie mit dem vorläufig ausgeschlossenen Ken Livingstone solidarisiert. Dessen Äußerungen über einen Adolf Hitler, der ein Unterstützer des Zionismus gewesen sei, seien mißverstanden worden. Und überhaupt reagiere man beim Thema Antisemitismus »zu sensibel«.
Piers Corbyn, der kein Mitglied der Labour Party, gleichwohl aber eng mit ihr verbunden ist, sorgt mit seinen Worten dafür, daß man beinahe Mitleid haben möchte mit Jeremy Corbyn, der nach anfänglichem Leugnen immerhin ein »kleines« Problem seiner Partei mit Antisemitismus einräumt: Kaum macht er einen Schritt in die richtige Richtung, wird der Ärger nur noch größer.
Denn Piers Corbyns Unterstützung gilt einem unbelehrbaren Antisemiten, der seine Äußerungen in einem Gespräch mit dem Fernsehsender Al-Ghad Al-Arabi auf eine Weise wiederholt hat, die eine Fehlinterpretation unmöglich macht: »Die Gründung Israels war ein grundlegender Fehler«, erklärte der ehemalige Bürgermeister von London und fügte noch hinzu, er boykottiere israelische Waren.
Ken Livingstone, das macht er mit seinen Worten deutlich, ging es nie um historische Fakten, von denen er freilich nicht die geringste Ahnung hat, sondern darum, Idee und Wirklichkeit jüdischer nationaler Selbstbestimmung zu diskreditieren. Erst greift er den Zionismus an, indem er ihn mit Adolf Hitler in Verbindung bringt, dann attackiert er Israels Existenz als »grundlegenden Fehler«.
Das war und das ist Antisemitismus, der sich zudem damit brüstet, die einzige Demokratie im Nahen Osten zu boykottieren. Es war richtig, Ken Livingstones Mitgliedschaft in der Labour Party zu suspendieren, zugleich aber kam dieser Schritt zu spät und zu zögerlich. Gespannt darf man nun sein, wie Jeremy Corbyn sein jüngstes familiäres Antisemitismus-Problem angehen wird.
 tw24

Friday, April 29, 2016

Antisemitismus in der Labour Party: Der Verharmloser

Wenn ein Parteivorsitzender erklärt, sein Verein habe kein Antisemitismusproblem, kann man, muß man davon ausgehen, daß es tatsächlich bereits unübersehbar ist und beschwichtigendes Leugnen die dümmste aller möglichen Reaktionen darauf ist. Jeremy Corbyn, Vorsitzender der britischen Sozialdemokratie, versucht es dennoch: »Es gibt kein Problem, die Partei lehnt Antisemitismus ab.«
An einem Tag, an dem mit Ken Livingstone ein durchaus prominentes Mitglied der Partei wegen allzu offener Angriffe auf Juden suspendiert werden mußte, ist das eine gewagte Behauptung. Der Fall des »Roten Ken«, der Adolf Hitler nachgesagt hatte, ein Förderer des Zionismus gewesen zu sein, »bevor er verrückt wurde«, markiert indes nur den vorläufigen Höhepunkt einer Dauerkrise.
Kurz vor dem ehemaligen Bürgermeister von London hatte die neu ins Parlament gewählte Naz Shah Schlagzeilen mit zwei Jahre alten Äußerungen gemacht: Via Twitter hatte sie 2014 eine Verlegung Israels nach Amerika empfohlen. Die Parteiführung um Jeremy Corbyn suspendierte die Parlamentarierin erst unter Druck, Ken Livingston hatte sie zuvor noch in Schutz genommen.
Schon im März protestierte mit Lord Levy einer der erfolgreichsten Spendensammler der Partei in einem Gespräch mit dem Sender Sky News gegen den zurückhaltenden Umgang Jeremy Corbyns mit antisemitischen Tendenzen in der Labour Party. Unmittelbarer Anlaß für die Kritik waren Äußerungen der Parlamentarierin Vicki Kirby, die Israel zum Erben Nazi-Deutschlands erklärten.
ukpapers2016042829 
»Kein Problem«: Antisemitismus und Sozialdemokratie
Während Lord Levy mit seinem Rück- und Austritt noch drohen mußte, wollte die Parteiführung einen weiteren Kritiker ihres Vorgehens offenbar feuern. Nachdem Parlamentsmitglied John Mann Ken Livingstone öffentlich gestellt hatte, soll Jeremy Corbyn erwogen haben, ihn zu suspendieren, ein Vorhaben, das nur am Protest der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Rosie Winterton scheiterte.
Antisemitische Äußerungen werden, wie dieses Beispiel zeigt, durch Jeremy Corbyn verharmlost, bis er sich Druck, auch aus der eigenen Partei heraus, nur noch beugen kann. Gegenüber Kritikern dieser Verzögerungstaktik hingegen gilt diese Zurückhaltung offenbar nicht. Gegen sie werden sofort Disziplinarmaßnahmen erwogen. Damit straft Jeremy Corbyn sich selbst Lügen.
All das zeigt nicht, daß die britische Sozialdemokratie kein Antisemitismusproblem hat, wie Jeremy Corbyn behauptet, vielmehr offenbart es das Versagen der Parteiführung. Der Versuch, das Problem durch Ignoranz zu lösen, hat es erst zu der Herausforderung werden lassen, die es ist. Der ohne Skrupel mit einer der Hamas verbundenen »NGO« kooperierende Parteichef ist Teil des Problems.
 tw24