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Friday, November 03, 2017

Kleiner Unterschied

Twitter hat Donald J. Trump abgeschaltet. Elf Minuten lang! Vielleicht ist es dieses gewiß ungemein wichtige Ereignis, das weltweit andere Geschehnisse aus Nachrichtensendungen und von den Titelseiten der Zeitungen verdrängt. Wollten »Palästinenser« mit zahlreichen Aktionen gegen das »Unrecht« der Balfour-Deklaration protestieren, raubte ein Twitter-Fehler ihnen Aufmerksamkeit.
Immerhin in Deutschland jedoch zeigten sich die Medien wohlwollend den »Palästinensern« gegenüber. Wenn sie das Jubiläum der Balfour-Deklaration thematisierten, dann stellten sie dieses Dokument nicht als den emanzipatorischen Fortschritt dar, den es zweifellos darstellt, sondern vorwiegend negativ. Und sie propagierten die antisemitische Idee einer jüdischen Weltverschwörung.
So war im Deutschlandfunk von Tim Aßmann aus dem ARD-Studio in Tel Aviv ohne weitere Erläuterungen zu hören, »Außenminister Balfour wollte der britischen Regierung das Wohlwollen zionistischer Kreise sichern. Großbritannien wollte im Ersten Weltkrieg die Unterstützung Rußlands und der USA, und in beiden Ländern gab es einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil.«
Und nicht anders klang es bei Antonia Kleikamp, die in der Welt formulierte: »Im November 1917 aber ging es schlicht und einfach darum, mit einer Geste die großen jüdischen Gemeinden in Russland und den USA zu gewinnen, um die Kriegsanstrengungen der beiden Verbündeten – der eine war in Auflösung begriffen, der andere mobilisierte gerade erst seine Armeen – zu intensivieren.«
Mögen die britischen Motive, die Idee einer jüdischen Heimstätte in der damals noch osmanischen Provinz »Palästina« zu unterstützen, damit auch nicht unzutreffend beschrieben sein, so fehlt in diesen Darstellungen ein erläuterndes Detail: Die Antwort darauf nämlich, woher der Glaube an die Macht »zionistischer Kreise« oder »große jüdische Gemeinden in Russland und den USA« kam.
Eine deutschsprachige Zeitung, freilich keine deutsche, wußte es: »Der Antisemitismus in Grossbritannien war nicht so mörderisch wie in Osteuropa, aber die Überzeugung war verbreitet, dass die Juden [..] einen unsichtbaren Einfluss auf das Weltgeschehen haben. Die britische Regierung sah in ihnen eine Kraft, die den Ersten Weltkrieg mitentscheiden konnte, und wollte ihre Gunst erringen«.
Während in deutschen Redaktionen der Glaube an diesen »unsichtbaren Einfluss auf das Weltgeschehen« unhinterfragt weiterzuleben scheint, weiß man in Zürich zu sagen, worum es sich dabei handelt. Und so führt die NZZihre deutsche Konkurrenz nicht nur vor, sondern macht darüber hinaus kenntlich, weshalb Arthur James Balfours Brief nichts von seiner Bedeutung eingebüßt hat.
https://www.tw24.net/?p=14020

Friday, April 08, 2016

Zürcher Einfalt

Über einen Text des auch für die israelische Zeitung Haaretz schreibenden Carlo Strenger in der NZZ hat – wahrscheinlich – ein Redaktor des teuren Qualitätsmediums aus Zürich einen Satz gesetzt, über den durchaus nachzudenken lohnt: »Wie ein übler Vorfall in Hebron zeigt, neigen israelische Soldaten nach palästinensischen Terrorattacken dazu, Selbstjustiz zu üben.«
Ja, so einfach ist das offenbar: Ein Vorfall, mögliches Fehlverhalten eines Soldaten, über dessen rechtliche und moralische Bewertung noch gestritten und verhandelt wird, belegt, daß »israelische Soldaten nach palästinensischen Terrorattacken dazu [neigen], Selbstjustiz zu üben«. Läßt sich massive Voreingenommenheit gegenüber israelischen Soldaten anschaulicher demonstrieren?
Käme jemand auf die Idee, die nahezu täglichen Messer-Attacken »palästinensischer« Terroristen als Beleg dafür zu zitieren, »Palästinenser« pauschal als tickende Zeitbomben zu betrachten, er oder sie könnte eine solche Vermutung wohl nicht in der NZZ unterbringen, weil sie – selbstverständlich – Unsinn ist. Doch israelische Soldaten zu verleumden, dafür ist sich das Blatt nicht zu schade.
Das Video, das den »üblen Vorfall in Hebron« zeigt, dem der Versuch vorausging, mindestens einen israelischen Soldaten zu ermorden, zeigt noch mehr: eine ganze Reihe Uniformierter, die nicht auf einen am Boden liegenden »palästinensischen« Terroristen schießen. Doch diese Passivität bedeutet offenbar – nichts. Denn »israelische Soldaten« neigen ja »dazu, Selbstjustiz zu üben.«
Beweist ein übler Satz über einem ansonsten vielleicht sogar akzeptablen Diskussionsbeitrag, daß die NZZ ein Hort von Antisemiten ist, von von Ressentiments beherrschten Dummköpfen? Noch jedenfalls ist der eine Satz unbeanstandet, also in den Augen der NZZ-Belegschaft ganz offenbar nicht problematisch. Was ein Schuß in Hebron doch alles in Zürich anrichten kann …
 tw24

Monday, March 24, 2014

Die Zweifel der Monika Bolliger

Monika Bolliger, für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ungefähr das, was Susanne Knaul für ihre taz, schreibt in einem Stück über einen Konkurrenten des “Palästinenserpräsidenten” Abu Mazen, “am Wochenende erschoss die israelische Armee in einer Verhaftungsaktion in Jenin drei Palästinenser, die sie mit militanten Aktivitäten der Hamas in Verbindung bringt.”
Nun ist Monika Bolliger bekannt dafür, daß sie ganz besonders sorgsam abwägt, was für ihre Leserinnen und Leser wichtig sein könnte und was unnötig. Und hier scheint ihr die Sicht der “palästinensischen” Seite überflüssig. Konnte Monika Bolliger keine “palästinensische” Zeugen finden oder wollte sie keine zitieren, weil dann ihre quellenkritische Formulierung als das aufflöge, was sie ist?
Es ist nämlich keineswegs bloß die israelische Armee, die erklärt, daß die Getöteten “mit militanten Aktivitäten der Hamas in Verbindung” standen; bei den “palästinensischen” Maan News etwa ist nicht nur nachlesbar, “three Palestinian militants were killed”, sondern auch die Information zu finden, wie weitere “militants” darauf reagierten:
“In a joint statement, Hamas’ military wing al-Qassam Brigades, Fatah’s al-Aqsa Martyrs’ Brigades, and Islamic Jihad’s al-Quds Brigades threatened a ‘painful’ retaliation against Israel.”
Wo Monika Bolliger mit ihrer Formulierung einfach Zweifel säen will an der Glaubwürdigkeit der israelischen Armee, wird deren Darstellung von um ihre terroristischen Mitstreiter trauernden “Palästinensern” bestätigt. Die israelischen Streitkräfte haben nicht wahllos “Palästinenser” getötet und sich danach eine billige Rechtfertigung ausgedacht, sondern Terroristen – notgedrungen – neutralisiert.
Die hatten sich selbst “mit militanten Aktivitäten [..] in Verbindung” gebracht und könnten noch leben, hätten sie sich nicht mit Waffengewalt einer Festnahme widersetzt. Doch das, nun, das muß nach Ansicht Monika Bolligers offenbar niemand wissen.
tw24

Tuesday, February 21, 2012

Interview: Joachim Gauck über Sarrazin und den Islam


NZZ:
Jetzt hat Bundespräsident Wulff zum Tag der deutschen Einheit gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Hätten Sie das in dieser Funktion so auch gesagt?

Gauck:
Also das ist ein Problem der Wortwahl. Ich weiß was er meint, und ich denke, daß er in dieser Beschreibung etwas, was irgndwann einmal sein wird, vorgezogen hat. Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewußt, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Mileus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegen über dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz, aber nicht mit einem System, mit dem wir jederzeit auf einer Wellenlänge kommunizieren, sondern, darum macht sich das am Islam fest, da entsteht eine Debatte mit voraufgeklärten Politikvertetern, das ist weniger politisch, aber es ist vor der Aufklärung, was in Teilen unserer Moscheen hier verbreitet wird, und auch der Ansatz des Islam ist nicht durch eine Reformation gegangen, wie in Europa, und auch nicht durch eine europäische Aufklärung, und dshalb jetzt einen Zustand zu beschreiben, als wäre dieser kulturelle Schritt innerhalb der muslimischen Welt schon vollzogen, das täuscht uns über diese Fremdheit, die nach wie vor existiert, hinweg. Und Fremdheit zu leugnen ist genauso gefährlich wie wenn man Feigheit - ähh, Feigheit meine ich nicht - wie wenn man Feindschaften leugnet, ja, und es gab, ich sag mal ein Beispiel, es gab lange Jahre in aufgeklärten Teilen des alten Westens so das Gefühl: entfeindet euch gegenüber dem Osten, ja, wir schauen den Osten mal ganz lieb an, und nennen die Kommunisten nicht immer Kommunisten, sondern das ist ein alternatives System. Man hat dann aber z.T. übersehen, dass es diese Feindschaft des Systems durchaus gab, ja, man kann dazu die oder die Haltung entwickeln, aber es gab diese Feindschaft. Und so müssen wir erkennen, dass es Fremdheit gibt. Und Europa muß erkennen, dass es zweierlei Arten von Fremdheit gibt: einmal sind es die Transformationssysteme der östlichen Länder, die hinzugekommen sind, wo vieles von der alten Mentalität, noch nicht Citoyen zu sein, wirklich einwandert in ein Europa, das Erfahrung hat mit Bürgergesellschaft. Ja, und das ist eine andere Fremdheit. Und das eben nicht zu sehen, und so zu tun, als seien wir alle eins, weil unsere Intellektuellen praktisch dasselbe Vokabular benutzen, das bringt nix.
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