Der amtierende deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat bei der
Feier zum 60. Jubiläum der Gründung des Deutschen Presserats
»klassische« Medien gegen Vorwürfe in Schutz
genommen,
sie verbreiteten nur Unwahrheiten, und ihre Rolle als Korrektiv betont,
die ihnen angesichts zahlreicher manipulativer und sogenannter
Fake-News in den gar nicht mehr ganz so neuen Medien zukomme.
Wer behaupte, so das Staatsoberhaupt, »eine fehlerhafte
Berichterstattung sei nicht etwa Ausnahme, sondern Regel, nicht
Unzulänglichkeit, sondern Vorsatz«, habe »vermutlich weniger die Wahrung
der Sorgfaltspflicht im Sinn als vielmehr die Bestätigung seiner
Überzeugung, dass überall nur gelogen und betrogen werde«. »Maßlose Wut«
und »Hass auf die Medien« seien erschreckend.
»Im Angesicht der destruktiven Energien des Populismus«, »digitaler«
und anderer »Stammtische« sollten »wir [..] nicht in Angst und
Eskapismus verfallen«. »Zur Überwindung der Vertrauenskrise in unsere
demokratischen Institutionen können Journalisten ihren Beitrag leisten.
Und zwar, indem sie weiter ihre Arbeit machen, mit Verstand und
Scharfsinn, Offenheit und Vorurteilslosigkeit.«
Liegt Joachim Gauck zweifellos richtig, verwahrt er sich gegen
»Lügenpresse«-Vorwürfe, übersieht er gleichzeitig, daß manche Medien
sich freilich durchaus redlich mühen, den Eindruck zu bestätigen, Fehler
seien »nicht etwa Ausnahme, sondern Regel, nicht Unzulänglichkeit,
sondern Vorsatz«. Im Bereich der Nahost-Berichterstattung läßt sich das –
leider – allzu leicht vorführen.
Da werden selbst die gröbsten Fehler, wenn überhaupt, allenfalls
widerstrebend berichtigt oder mit inakzeptabler zeitlicher Verzögerung.
Eher noch werden sie aber gepflegt. So wird man etwa beim Wochenblatt
Die Zeit wohl noch ewig
lesen
müssen, die Knesset habe im Juli ein Gesetz beraten, nach dem
NGO-Vertreter »bei Besuchen im Parlament spezielle Plaketten tragen«
müssen.
Leser, die dieser bis heute nicht korrigierten Berichterstattung
glaubten, setzten darauf Israel mit Nazi-Deutschland gleich. Tatsächlich
jedoch wurde im israelischen Parlament nie über die von
Der Zeit behaupteten »speziellen Plaketten« beraten, die nämlich kamen in den zur Debatte vorgelegten Gesetzentwürfen
gar nicht vor.
Die Zeit sieht dennoch keinen Bedarf für eine Richtigstellung.
Und auch beim
SPIEGEL hält man trotz freundlicher Hinweise lieber an einer
falschen Darstellung fest als einen Übersetzungsfehler einzuräumen:
Berichteten »palästinensische« Medien, ein in Israel inhaftierter »Palästinenser« sei
nach Ablauf einer vierzehnjährigen Haftstrafe zu Administrativhaft verurteilt worden, sollte im
SPIEGEL die lange Strafe der Administrativhaft erst noch
folgen.
Als ein weiterer
»Höhepunkt«
der diesjährigen deutschsprachigen Nahost-Berichterstattung kann ein
Beitrag Susanne Glass’ und Markus Roschs gelten, die am 14. August in
tagesschau und
tagesthemen
einen dubiosen deutschen Hydrogeologen auftreten ließen, der
unhinterfragt Israel verleumdete. Israelische Stimmen hätte man eines
Feiertags wegen nicht berücksichtigen können.
Eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Fernsehgeschichte bleibt
die Antwort auf die Frage, um welchen Feiertag genau es sich dabei
handelte. Vielleicht sind diese drei »Fälle« seltene Zufälle, Ausnahmen
oder Unachtsamkeiten. Der Umgang der für sie Verantwortlichen mit ihnen
jedenfalls ist ein Trauerspiel, treten sie doch die Grundsätze, für die
Joachim Gauck auch sie feiert, mit Füßen.
http://www.tw24.net/?p=13142